Walter Kafitz ist seit heute nicht mehr Geschäftsführer der Nürburgring GmbH

Formel 1 2009

— 02.12.2009

Kafitz muss gehen: Neue Struktur am Nürburgring

Update: Nach 15 Jahren geht die Ära Walter Kafitz am Nürburgring zu Ende, stattdessen übernimmt ab sofort die Lindner-Gruppe das Kommando

Mit der Fertigstellung des Projekts Nürburgring 2009 hat sich Walter Kafitz einerseits ein Denkmal gesetzt, andererseits aber auch das eigene Grab geschaufelt. Denn der 59-Jährige wurde heute offiziell als Geschäftsführer der Nürburgring GmbH abgelöst, obwohl sein Vertrag erst im Frühjahr verlängert worden war.

Ausschlaggebend für die Umstrukturierung, die im Rahmen einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz in Mainz bekannt gegeben wurde, waren die finanziellen Ungereimtheiten der Umbaumaßnahmen in den vergangenen Jahren. So soll das Projekt Nürburgring 2009 mindestens 300 statt der ursprünglich geplanten 260 Millionen Euro gekostet haben. Hinter vorgehaltener Hand ist vereinzelt sogar von bis zu 400 Millionen Euro die Rede.

Das Kommando in der Eifel übernimmt nun die Lindner-Gruppe, die schon bisher als Hotel- und Eifeldorfbetreiber am Nürburgring vertreten war. Lindner und Mediinvest sind zu gleichen Teilen an der neuen Betreibergesellschaft beteiligt, die Gesamtverantwortung übernimmt aber Jörg Lindner. Die Nürburgring GmbH soll nur noch als reine Besitzgesellschaft zum Beispiel für Immobilien auftreten und sich aus dem operativen Geschäft komplett zurückziehen.

Bleibt Kafitz als Berater an Bord?

Noch unklar ist, ob deren Geschäftsführer Kafitz künftig zumindest noch als Berater für den Bereich Formel 1 zur Verfügung stehen wird: "Dazu gebe ich keinen Kommentar ab", lässt er derzeit ausrichten. Nachfolger Lindner freut sich indes auf seine zukünftigen Aufgaben: "Wir streben an, in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Partnern vor Ort Wachstumsstrategien für den Nürburgring zu entwickeln."

Ministerpräsident Kurt Beck und Wirtschaftsminister Hendrik Hering von der SPD erhoffen sich von der neuen Struktur ein "erheblich verbessertes und professionalisiertes" Management und eine Sicherung des wirtschaftlichen Erfolgs des Nürburgrings. Die finanziell arg strapazierte Nürburgring GmbH gehört bekanntlich zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler.

"Wir haben zusammen mit externen Beratern und in enger Abstimmung mit renommierten Partnern ein Zukunftskonzept erarbeitet, das den Nürburgring stärkt und ihm strukturpolitisch noch mehr Gewicht verleiht", betonen Beck und Hering. Wachstumsstrategien sind auch dringend notwendig: Im Juli war der Freizeitpark eröffnet worden, die als schnellste Achterbahn der Welt gefeierte Attraktion des Parks ist aus Sicherheitsgründen bis heute nicht in Betrieb.

Auch die bisherigen Besucherzahlen liegen hinter den Erwartungen zurück. Zudem platzten Privatfinanzierungen. Landesvater Beck wurde vorgeworfen, man sei auf Betrüger hereingefallen. Einem geplanten Investor wurden Verbindungen zu einem kolumbianischen Drogenkartell nachgesagt. Ermittlungen wurden seitens der Staatsanwaltschaft Koblenz eingeleitet. Der Landtag in Mainz bestellte einen Untersuchungsausschuss.

Keine Steuergelder eingeplant

Künftig wird die Finanzierung des Freizeitparks neu geordnet. Zwischen der Lindner geleiteten Betriebsgesellschaft, zu der auch die Firma Mediinvest gehört, und den einzelnen Besitzgesellschaften werden Pachtverträge geschlossen. Die Finanzierung erfolgt durch die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB). Dabei sollen ausdrücklich keine Steuergelder eingesetzt werden.

"Die renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young geht nach intensiver Prüfung davon aus, dass es mit der neuen Konzeption bezogen auf den Zeitraum 2010 bis 2020 möglich sein wird, Zinsen und Abschreibungen der Besitzgesellschaften zu erwirtschaften", erklärt Hering. Der selbst in die Kritik geratene Beck betont noch einmal die Rolle des Nürburgrings für die konjunkturschwache Eifelregion: "Der Nürburgring ist eine Marke mit Weltruf, deren Potenzial als Wirtschaftsmotor es zu nutzen gilt."

Damit endet am Nürburgring nach 15 Jahren die Ära Kafitz. Wie es der Zufall will, hätte der Deutsche am Freitag vor einem Untersuchungsausschuss Klarheit in die Finanzgeschäfte der vergangenen Jahre bringen sollen - ein Schelm, wer Böses hinter seiner Ablösung vermutet. Kafitz' Nachfolge als Geschäftsführer der Nürburgring GmbH übernimmt Hans-Jürgen Koch, bisher für den Bereich Finanzen zuständig.

Fotoquelle: xpb.cc

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