Nick Fry und das Mercedes-Team stellen sich 2010 einer großen Herausforderung

Formel 1 2009

— 11.12.2009

Fry: "Die Teamleitung bleibt, wie sie ist"

Nick Fry über die Sponsorenlage in der Formel 1, die Aufstellung der Rennserie im kommenden Jahr und den Einstieg von Mercedes bei Brawn

Am Rande des Motor Sport Business Forums in Monte Carlo trafen sich die Verantwortlichen der Formel 1, um über aktuelle Themen des Rennsports und verschiedene Ideen zu beratschlagen. Um was es dabei im Einzelnen ging, erläutert Mercedes-Geschäftsführer Nick Fry in seiner Medienrunde. Der Brite spricht über die Suche nach einem neuen Reifenlieferanten für die Formel 1, die Aussichten für das kommende Rennjahr und die veränderte Situation im neuen Mercedes-Werksteam.

Frage: "Nick, ist die FOTA in die Gespräche über einen neuen Reifenlieferanten für die Formel 1 eingebunden?"
Nick Fry: "Sehr sogar. Wir arbeiten mit der FIA und dem FOM zusammen, um die Reifenfrage zu klären. Das ist einer der wichtigsten Punkte auf der Agenda."

Frage: "Wie kommen diese Gespräche voran?"
Fry: "Ich würde sagen, wir machen gute Fortschritte. Wir sehen uns verschiedene Alternativen an."

Frage: "Wird es wieder einen Exklusivlieferanten geben?"
Fry: "In meinen Augen hat der Weg, nur einen Reifenlieferanten zu haben, sehr viele Vorteile mit sich gebracht - wahrscheinlich sowohl aus der Sicht des Lieferanten, als auch im Hinblick auf die Kosten. Ein Teil des Problems mit Bridgestone ist die Tatsache, dass sie in der Formel 1 ungeheuer viel erreicht haben."

"Sie haben großartige Arbeit geleistet und wenn man sich die Eigenschaften ihrer Marke ansieht, dann kann man nur schwer abschätzen, wohin die Reise geht. Die Marke Bridgestone hat den Eindruck hinterlassen, ein sehr guter Lieferant von Hochleistungsreifen zu sein. Ihr Image ist aktuell auf einem sehr hohen Level. Wir finden aber eine Lösung. Davon bin ich überzeugt."

Fry rechnet mit Südkorea und den neuen Teams

Frage: "Ist es eine Option, keine Reifenmarke zu haben, sondern die Reifen von der Formel 1 selbst herstellen zu lassen?"
Fry: "In meiner Gegenwart wurde so etwas nicht diskutiert."

Frage: "Rechnest du damit, im Rennkalender für 2010 19 Grands Prix vorzufinden? Hast du Zweifel in Bezug auf Südkorea?"
Fry: "Nicht, soweit ich informiert bin. Wenn man sich mit Bernie unterhält und die Fähigkeiten von Korea kennt, dann bekommt man ein Gefühl dafür, dass sie die Sache durchziehen werden, weil sie sich das vorgenommen haben. Sie haben die nötigen Ressourcen und auch die Fähigkeit, das zu schaffen. Ich habe bislang nicht von besonderen Zweifeln gehört."

Frage: "Gehst du davon aus, im kommenden Jahr 13 Teams am Start zu sehen?"
Fry: "Diese Frage wurde bei der jüngsten Versammlung der FOTA gestellt, als alle neuen Teamchefs mit dabei waren. Sie haben allesamt bestätigt, dass sie im Plan liegen. Wenn sie das sagen, dann akzeptieren wir das. Sie haben uns gesagt, dass sie planen, in der Startaufstellung zu stehen, was schlichtweg fantastisch wäre."

Die Sponsorenlage bleibt schwierig

Frage: "Wie ist es im Augenblick um die Sponsorensituation bestellt?"
Fry: "Es ist immer schwierig, Sponsoren an Land zu ziehen. Ich denke nicht, dass sich diese Situation deutlich verändert hat. Was sich allerdings von Jahr zu Jahr verändert, ist die Herkunft der Geldgeber. Im Augenblick ist vollkommen klar, dass vor allem in Asien und im Mittleren Osten großes Interesse besteht."

"Es ist auch offensichtlich, weshalb es sich so verhält: Dort sind die Rennen und dort gibt es auch eine große wirtschaftliche Aktivität. Ob man nun im Fußball ist oder in der Formel 1 - Sponsoren zu gewinnen ist niemals so einfach. Es gibt sehr viele Alternativen, wo die Leute ganz andere Dinge tun können."

"Dass Mercedes nun Teameigner ist, hat unserer Lage sicherlich geholfen. Es gibt sicherlich einige Unternehmensgruppen, die vielleicht weniger daran interessiert sind, in ein Privatteam zu investieren, als in einen Hersteller oder ein großes Unternehmen mit einem solchen qualitativ hochwertigen Markenimage."

Frage: "Wird das Jahr 2010 eine einfache Saison für die Formel 1?"
Fry: "Das hoffe ich für uns. Ich gehe nicht davon aus, dass es einfacher wird. Wenn es so kommen sollte, ist unsere Arbeit vielleicht nicht gut genug. Wir müssen schlichtweg ständig Druck machen, denn wir stehen ja im Wettbewerb mit anderen Sportarten und Medien, die ebenfalls ihr Bestes geben. Ich rechne also nicht damit, dass es einfach wird."

"Wenn wir ein einfaches Leben haben wollten, würden wir uns nicht in der Formel 1 engagieren. 2010 können wir uns hoffentlich wieder mehr auf den Rennsport und das sportliche Geschehen konzentrieren. Wir sollten die Show verbessern und nicht nur Verträge aushandeln. Das haben wir schließlich 2009 die ganze Zeit gemacht."

Keine Veränderungen bei der Teamleitung

Frage: "Wie wird die Beziehung zwischen Ross Brawn und Norbert Haug funktionieren?"
Fry: "Die Teamleitung bleibt exakt so, wie sie ist. Ich werde damit fortfahren, meinen Job zu machen und Ross wird ebenfalls damit weitermachen, seiner Arbeit nachzugehen. Norbert ist der Repräsentant des Herstellers und der Teameigner und wird weiterhin seinen Job machen. Wir erwarten nicht, dass zwischen uns deutliche Veränderungen eintreten werden."

Frage: "Was denkst du über Mercedes' Übernahme eines eigenen Teams, wo doch gerade viele andere Herstellerteams aussteigen?"
Fry: "Für uns ist das die perfekte Situation schlechthin. Mercedes ist zu 45 Prozent dabei und dann ist da auch noch Aabar, deren Engagement nur zu gerne vergessen wird."

"Sie sind aber eines der größten Investmentunternehmen der Welt und haben ein riesiges Portfolio. Sie halten 30 Prozent und Ross und ich sind die Teilhaber der restlichen 24,9 Prozent. Ich halte das für eine sehr gute Aufteilung, denn die unterschiedlichen Bedürfnisse sind perfekt ausbalanciert."

Fry ist gespannt auf das McLaren-Teamduell

Frage: "Wie siehst du das Duell zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button bei McLaren?"
Fry: "Das wird eine fantastische Geschichte. Ich hatte in den vergangenen Tagen einige Unterhaltungen mit Jenson, als wir uns bei verschiedenen Events getroffen haben. Im Gegensatz zu den Ansichten vieler Leute gibt es da überhaupt keine Missstimmung."

"Wir wünschen ihm alles Gute. Wir waren enttäuscht, als er das Team verlassen hat. Unsere Beziehung ist aber gut. Jenson hat eine schwierige Aufgabe vor sich. Es hat nichts damit zu tun, ob er Talent hat - was er meiner Meinung nach hat. Es geht einzig und alleine darum, einem Team beizutreten, bei dem Lewis schon seit langer Zeit heimisch ist und das er sehr gut kennt."

"Meine Erfahrung aus der Formel 1 sagt mir, dass ein Fahrer in jedem neuen Team mindestens einige Monate, wenn nicht sogar eine komplette Saison braucht, um das Arbeitsumfeld vollkommen zu verstehen. Das ist schwierig. Jenson ist sehr mutig, sich dieser Herausforderung zu stellen. Er hat die Fähigkeit, diese Aufgabe zu meistern. Er muss sich allerdings sputen, die Arbeitsweise des Teams zu verstehen, um möglichst rasch am Ball zu sein."

Fotoquelle: xpb.cc

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