Alex Tai ist mit Virgin in der Formel 1 gelandet: Langfristig sollen Erfolge her

Formel 1 2009

— 15.12.2009

Virgin: Ein Selfmademan wird Formel-1-Teamchef

Nicht Manor-Oberhaupt John Booth, sondern der leidenschaftliche Flieger Alex Tai wird Teamchef bei Virgin - Formel 1 als neue Herausforderung

Für Richard Branson und Virgin ist Alex Tai schon seit geraumer Zeit unverzichtbar. Der britische Geschäftsmann wurde einst als Pilot bei der Fluggesellschaft seines Landsmanns vorstellig und im Laufe der Jahre mit immer größeren Projekten betraut. Für Virgin zog er die Sponsorendeals mit Weltrekordler Steve Fossett an Land und fädelte unter anderem auch das Allflug-Projekt mit ein.

Im Dezember 2009 steht der frühere Pilot von Passagierflugzeugen an der Schwelle zu einer neuen Herausforderung, denn er wird den neuen Virgin-Rennstall als Teamchef in die Formel 1 führen. "Dieses Team wurde von echten Racern gegründet", sagt Tai. "Wir haben es also mit einem richtigen Rennteam zu tun, das einen klar definierten Weg vor sich hat, der zum Erfolg führen soll."

Die Formel 1 als unrealistisches Szenario für Manor

"Darauf konzentrieren wir uns", gibt der frühere Vorsitzende des Raumfahrtprojekts von Virgin zu Protokoll. "Gleichzeitig wollen wir aber auch ein Rennstall sein, der eine großartige Grundstimmung an den Tag legt. Wir haben fest vor, unseren Beitrag zu diesem Sport und dessen Fans zu leisten. Ich bin voller Aufregung und Optimismus, wenn ich daran denke, was wir gemeinsam erreichen können."

John Booth, der den Manor-Rennstall im internationalen Formelsport bekannt gemacht hat, übernimmt ab sofort die Rolle des Sportdirektors im Virgin-Team - dabei hätte er selbst niemals damit gerechnet, eines Tages in der Formel 1 aufzuschlagen: "Ich hatte niemals das Ziel, in die Formel 1 zu gelangen", bestätigt Booth und erklärt: "Einfach aus dem Grund, weil es außer Reichweite lag", so der Brite.

"Die FIA hat die richtige Entscheidung getroffen und vollkommen zu recht eine gewisse Kostenreduktion durchgesetzt. Damit wurde die Formel 1 sowohl für die aktuellen Teilnehmer erschwinglich, als auch für neue Teams", meint Booth und verweist auf seinen eigenen Rennstall, der unlängst als einer von nur drei Neuzugängen für die kommende Formel-1-Saison bestätigt wurde.

John Booth erhält den Zuschlag

Überraschend, wie Booth vor dem Formel-1-Debüt seines Teams festhält: "Ich war gemeinsam mit meinem Manor-Jungs an der Rennstrecke zugange, als ich den Anruf bekam. Wir waren baff - durch die Bank. Das war ein sehr emotionaler und unglaublicher Moment, den ich niemals vergessen werde", so der Sportdirektor von Virgin, der die Fahrzeugentwicklung in die Hände von Nick Wirth legt.

Wirth ist kein Unbekannter in der Formel 1, war er doch in den 1990er-Jahren erst mit Simtek und später mit Benetton am Start, ehe er im neuen Jahrtausend einen Langstreckenrenner für Acura entwickelte. Nun designt der Brite wieder einmal ein Formel-1-Auto - geht dabei aber seinen ganz eigenen Weg: Einen Windkanal braucht Wirth nicht, denn sein Fahrzeug entsteht komplett am Computer.

Für Booth ist das kein Grund zur Sorge: "Ich halte Nick für ein Designgenie und habe größtes Vertrauen in seine Fähigkeiten, ein fantastisches Auto zu kreieren. Im Gegenzug vertraut er uns, dass wir die Fähigkeit haben, es ins Rennen zu schicken. Die Chemie im Team stimmt schon jetzt und das verschafft uns eine Menge Zuversicht", erläutert der Virgin-Sportdirektor und übergibt das Wort an Wirth.

Wirth: "Willkommen in meiner Welt"

"Als ich von den Vorschlägen zur Kostenreduzierung in der Formel 1 gehört hatte, wurde der Ansatz einer ausschließlich auf CFD basierenden Herangehensweise zu einer aufregenden Sache, die sich kaum in Worte fassen lässt. Die Formel 1 mit eingeschränkten Ressourcen? Willkommen in meiner Welt", fasst Wirth seine Designphilosophie zusammen, die er nun am Virgin-Auto umsetzen kann.

"Ich bin sehr stolz darauf, Teil eines Teams zu sein, das es nicht einfach nur in die Startaufstellung schafft", sagt der frühere Formel-1-Teamchef von Simtek. "Dieser Rennstall hat - auf technischer Seite, in Bezug auf die Rennoperation und auch kommerziell betrachtet - selbst unsere wildesten Träume übertroffen. Als ich den Sport 1999 verließ, war ich enttäuscht und desillusioniert."

"Die Formel 1 war zu einem Duell zwischen Boing und Airbus geworden", meint Wirth und verweist auf die langjährige Dominanz der Hersteller, die nun ein Ende zu haben scheint. Wirth: "Das vergangene Jahr war eine Achterbahnfahrt. Wir hatten die Idee, der Formel 1 beizutreten und schlugen dann eine Route zur Teampräsentation ein, die uns zwölf sehr stressige, aber auch dankbare Monate bescherte."

300 Gäste beim Virgin-Launch

Sämtliche Vorbereitungen mündeten schließlich am Dienstag in eine Präsentation im Londoner Stadtteil Notting Hill. Vor 300 geladenen Gästen wurde das Virgin-Rennteam just an dem Ort auf den Weg gebracht, wo auch die Marke Virgin ihren Ursprung hat - musikalisch umrahmt von der Rick-Parfitt-Jr-Band und untermalt von Motorengeräuschen und dem schrillem Sound von einigen E-Gitarren.

Branson stellte seine Mannschaft vor und berichtete den Anwesenden gemeinsam mit Sportdirektor Booth und seinem Technischen Direktor Wirth von den Grundzügen seines Rennprogramms in der Formel 1. Neben Timo Glock wurde Lucas di Grassi als zweiter Fahrer vorgestellt, Alvaro Parente und Luiz Razia übernehmen im kommenden Jahr die Funktion der Test- und Ersatzfahrer bei Virgin.

"Ich werde mein Bestes geben und will einen guten Job machen", sagt Parente. "Es ist einfach großartig, bei diesem Team zu sein. Wir werden viel Erfolg haben", meint der Youngster. Sein früherer GP2-Konkurrent Razia bestätigt den Eindruck Parentes: "Es ist alles so aufregend", gibt der Nachwuchspilot zu Protokoll. "Es ist ein Traum, Teil eines neuen Rennstalls zu sein", so Razia.

44 Millionen Euro für die erste Saison

Dieser Traum wurde am Dienstag endgültig Wirklichkeit - sehr zur Freude von Visionär Branson: "Unser erstes Jahr in der Formel 1 war außergewöhnlich für unsere Marke, also warum sollten wir nicht jetzt mit einem neuen Team wiederkommen? Wenn man auch die Geschichte von Virgin schaut, haben wir es immer geliebt, technische Durchbrüche und großartige Ingenieure zu unterstützen."

Gerade auf technischer Seite will Virgin einmal mehr Maßstäbe setzen, denn der erste Rennwagen des Teams entsteht nicht im Windkanal - ganz im Gegensatz zu den Fahrzeugen der Konkurrenz. "Das ist eine einmalige Herangehensweise", erklärt Wirth, der in der neuen Rennsaison mit einem Budget von rund 44 Millionen Euro auskommen muss. Booth gibt sich indes völlig begeistert.

"Im Moment schwebe ich auf Wolke sieben", so der Teameigner von Manor, der keinen Hehl aus dem Status des neuen Virgin-Teams macht: "Wir sind jetzt neu in diesem Geschäft, aber wir müssen uns unseren Platz in der Startaufstellung erst noch verdienen", findet Booth. Laut Branson ist das aber kein Problem: "Mit den richtigen Leuten kannst du alles erreichen", erklärt der Virgin-Chef.

Fotoquelle: xpb.cc

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