Max Mosley wehrt sich: Briatore-Strafe war keine Rache

Formel 1 2009

— 18.12.2009

Mosley reagiert auf Briatore-Anschuldigungen

Ex-FIA-Präsident Max Mosley lässt die Aussagen von Flavio Briatore nicht auf sich sitzen: "Seine Behauptungen sind verzweifelt und unhaltbar"

Max Mosley, FIA-Präsident außer Dienst, reagiert auf die Vorwürfe von Flavio Briatore, wonach die lebenslange Sperre des ehemaligen Renault-Teamchefs nur das Ergebnis eines persönlichen Rachefeldzugs sei. Bekanntlich hatte Briatore kürzlich Auszüge aus Gerichtsdokumenten dem britischen 'Guardian' zugespielt, um zu beweisen, dass er vom FIA-Motorsport-Weltrat zu Unrecht verurteilt wurde.

Nun holt Mosley zum Konter aus: Der 'Guardian' habe seine Story veröffentlicht, "ohne mich oder jemanden bei der FIA zu kontaktieren. Hätten sie das getan, wäre ein ganz anderes Bild entstanden." So wehrt sich das ehemalige FIA-Oberhaupt dagegen, dass er das Urteil alleine beschlossen und dem Weltrat nur pro forma vorgelegt haben soll. Briatore vermutet bekanntlich, dass Mosley ihn aus Rache für seine Beteiligung in der Teamvereinigung FOTA quasi abstrafen wollte.

Mosley stellt Briatores Bedeutung in Frage

Aber: "Briatores Rolle (in der Auseinandersetzung zwischen FIA und FOTA im Sommer; Anm. d. Red.) war bestenfalls marginal", spricht Mosley seinem Gegenüber jedwede sportpolitische Bedeutung ab. "Von meiner Seite gab es absolut keinen Groll ihm gegenüber. Wir haben oft miteinander gesprochen und trafen uns kurz nach Beilegung des Disputs mit der FOTA in Monaco sogar zu einem freundlichen Essen."

Als erstmals Berichte aufkamen, wonach Nelson Piquet jun. das Rennen in Singapur 2008 mit einem von Briatore befohlenen Unfall absichtlich manipuliert haben könnte, behauptete der Renault-Teamchef, "die Information sei falsch und dass er ein Verfahren gegen Nelson Piquet jun. und seinen Vater einleiten würde. Er informierte auch die britische Polizei", so Mosley. Doch dann kam die Wahrheit ans Licht - und "seine 'strafrechtliche Verfolgung' war schnell vergessen..."

"Briatore wurde eingeladen, vor dem FIA-Motorsport-Weltrat auszusagen. Er lehnte ab. Also gaben wir ihm die Möglichkeit, vor dem Internationalen Berufungsgericht der FIA gegenüber unabhängigen Richtern auszusagen. Auch das lehnte er ab. Ihm wurde jede Möglichkeit gegeben, seine Seite der Geschichte darzulegen, aber er zog es vor, sich keiner Anhörung zu unterziehen", gibt der 69-jährige Brite zu Protokoll.

"Dabei sollte er der Letzte sein, der sich über die Fairness der FIA beschwert. Öfter als einmal wurde im Zweifel für den Angeklagten entschieden", stellt Mosley klar. "Jedes Mal, wenn sein Team erwischt wurde, akzeptierte die FIA seine Behauptung, dass er nichts wusste und nicht involviert war. Seine übliche Geschichte war, dass ein weniger bedeutsames Teammitglied verantwortlich war und teamintern angemessen zur Verantwortung gezogen wurde."

Briatore: Immer dabei, nie schuldig

Der langjährige "Chefpolizist" der Formel 1 verweist in diesem Zusammenhang auf 1994, als im Benetton eine verbotene Traktionskontrollen-Software gefunden wurde, die angeblich nie eingesetzt wurde; auf die verschwundenen Sicherheitsfilter der Tankanlage, die bei Jos Verstappen zu einem schrecklichen Boxenfeuer führten; auf den halblegalen Schwingungstilger von 2006 und den Spionagefall von 2007.

"Dieses Mal war es aber anders", sagt Mosley und spricht von "erdrückenden Beweisen" und einer "außer Frage" stehenden Schuld Briatores an "Crashgate". Dass der Italiener nun versucht, von seiner Beteiligung abzulenken, kann Mosley nicht akzeptieren: "Die Behauptung, das alles sei aus Gründen persönlicher Rache erfunden worden, ist verzweifelt und unhaltbar", betont er in seiner schriftlichen Stellungnahme.

Zu dieser sieht sich Mosley gezwungen, um das in der Öffentlichkeit entstandene Bild richtigzustellen: "Indem er es geschafft hat, den 'Guardian' davon zu überzeugen, sensationslüsterne Auszüge aus seiner Klageschrift zu veröffentlichen, ohne die andere Seite darzustellen, gelang es Briatore, von seiner Rolle in einer der schlimmsten und gefährlichsten Betrugsaffären in der Geschichte des Sports abzulenken."

Fotoquelle: xpb.cc

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