"Schumi" ist wieder da: Der siebenfache Champ hat bei Mercedes unterschrieben

Formel 1 2009

— 23.12.2009

Rücktritt vom Rücktritt: "Schumi" ist zurück!

Endlich ist es offiziell: Michael Schumacher kehrt 2010 mit Mercedes in die Formel 1 zurück (Update) - Der Weg zum Comeback im Zeitraffer

Nach 34 Tagen voller Spekulationen, in denen alle nur erdenklichen Indizien Hoffnung auf ein Formel-1-Comeback von Michael Schumacher geweckt haben, ist nun endlich alles offiziell: Der siebenfache Weltmeister kehrt 2010 als Silberpfeil-Werksfahrer in die Königsklasse des Motorsports zurück! Dies wurde heute Mittag im Rahmen einer Telefonkonferenz bekannt gegeben.

Schumacher hat seinen Vertrag nach zahlreichen persönlichen Telefonaten mit Teamchef Ross Brawn am Montagabend in der Mercedes-Fabrik in Brackley unterschrieben. Es handelt sich dabei nicht um einen Einjahresvertrag, wie bisher angenommen wurde, sondern um ein dreijähriges Abkommen. Morgen Vormittag wird der prominente Neuzugang dann in Brackley den Mercedes-Mitarbeitern präsentiert - quasi als Weihnachtsgeschenk am Heiligabend.

Jordan als Prophet

"Ross und Mercedes - diese Kombination, die nicht abzusehen war, reizt mich. So kann ich Mercedes auch etwas zurückgeben. Da konnte ich nicht ablehnen", erklärt der zweifache Familienvater, der sich vor seiner Entscheidung "natürlich" auch mit Ehefrau Corinna beraten hat: "Klar war das ein Thema, aber als sie das Leuchten in meinen Augen gesehen hat, als ich ihr von der Idee erzählt habe, hat sie mein Vorhaben voll und ganz unterstützt."

Als Erster hatte Schumachers Ex-Teamchef Eddie Jordan Ende November von einem Treffen zwischen Mercedes-Granden und Schumacher am Rande des Saisonfinales in Abu Dhabi berichtet und angekündigt, dass es zum Sensationscomeback kommen werde. Der heutige TV-Experte wurde zunächst belächelt, doch schnell stellte sich heraus, dass er tatsächlich Recht behalten würde. Schon Anfang Dezember war dann klar, dass zumindest ernsthafte Gespräche stattfinden.

Für Schumacher, der am 3. Januar 41 Jahre alt wird, bedeutet das Comeback das Ende seiner dreijährigen Auszeit von der Formel 1. Nach der Niederlage gegen Fernando Alonso beim WM-Finale 2006 in São Paulo zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, um sich seiner Familie und seiner neuen Leidenschaft, dem Motorradsport, widmen zu können. Parallel dazu war er als Berater für Ferrari tätig.

"Ende 2006 war ich müde und ich hatte keine Energie mehr. Seither konnte ich wieder Energie tanken - beim Motorradfahren, beim Kartfahren. Also habe ich das Angebot von Ross angenommen", so Schumacher im Rahmen der offiziellen Verlautbarung. "Der Nacken ist überhaupt kein Problem mehr. Im Sommer war die Zeit zu knapp, aber jetzt war genug Zeit, um die Verletzung komplett ausheilen zu lassen."

Junge Fahrer nehmen Herausforderung an

Im Laufe seiner aktiven Karriere hat Schumacher an 250 Grands Prix teilgenommen und davon sagenhafte 91 gewonnen. Mit sieben WM-Titeln und unzähligen weiteren Bestmarken führt er praktisch alle relevanten Rekordlisten der Formel 1 an. Allerdings wurde seine Laufbahn auch von einigen Skandalen überschattet - vom Rammstoß gegen Jacques Villeneuve bis hin zur "Parkaffäre" in der Rascasse-Kurve von Monte Carlo.

Sein Freund Sebastian Vettel freut sich über die heutige Nachricht: "Es wäre schön, wenn er kommt - gut für die Formel 1, gut für alle", sagt der Red-Bull-Pilot. "Das Wichtigste ist, dass er gesundheitlich in der Lage ist zu fahren. Vom Alter her wird es natürlich nicht einfacher, aber wenn man ihn so anschaut, ist er immer noch sehr fit. Vom Typ her ist er sehr athletisch und er hat nie aufgehört, Sport zu treiben. Auch wenn er drei Jahre nicht mehr aktiv war, war er immer in Bewegung."

Interessantes Detail am Rande: Als Schumacher 1991 in Spa-Francorchamps seinen ersten Grand Prix bestritt, war Vettel ein vierjähriger Knirps - damals hätte wohl niemand gedacht, dass die beiden 19 Jahre später als deutsche Aushängeschilder gemeinsam in der Formel 1 an den Start gehen würden. Auch Schumachers künftiger Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg war erst sechs Jahre alt, als der spätere Rekordweltmeister in die Formel 1 einstieg.

Die Verpflichtung Schumachers sei "eine fantastische Sache" für Mercedes, betont der zweite Silberpfeil-Werksfahrer und ergänzt: "Es wird nicht einfach für Michael. Wenn du so lange von der Formel 1 weg warst, dann braucht es Zeit, um sich wieder an alles zu gewöhnen." 'Motorsport-Total.com'-Experte Hans-Joachim Stuck ist hingegen felsenfest davon überzeugt: "Michael hat das sicher drauf!" Darauf hoffen auch Millionen deutscher Fans...

Der Weg zum Comeback im Zeitraffer:

29. Juli 2009: Schumacher gibt knapp drei Jahre nach seinem Rücktritt sein Comeback im Ferrari-Cockpit bekannt. Der 40-Jährige soll erstmals beim Grand Prix von Europa im spanischen Valencia am 23. August für den verletzten Felipe Massa einspringen.

30. Juli: Schumacher-Manager Willi Weber stellt klar, dass "Schumi" nicht längerfristig zurückkehren werde, sondern nur als Massa-Ersatz. Der Automobilweltverband FIA weist darauf hin, dass der Rekordchampion einen Medizincheck bestehen muss.

31. Juli: Die Vorbereitungen Schumachers sind in vollem Gange. Der 40-Jährige testet bereits in Maranello den Ferrari des Jahres 2007. Ferrari stellt eine offizielle Anfrage auf einen laut Reglement untersagten Extratest im aktuellen Boliden.

2. August: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone traut Schumacher in der Königsklasse alles zu - sogar einen Grand-Prix-Erfolg.

3. August: Auch die Rennstreckenbetreiber freuen sich über die Comebackankündigung des Rekordweltmeisters, die die Kartenverkäufe bei den noch ausstehenden Saisonrennen ankurbelt.

4. August: Die Rennställe Williams, Red Bull und Toro Rosso stimmen gegen einen Extratesttag im aktuellen Auto. Schumacher, der bereits drei Kilo abgespeckt hat, muss damit ohne Erfahrung im F60 in Valencia an den Start gehen.

5. August: Das Comeback steht auf der Kippe: Schumacher behindert eine Nackenverletzung, die er bei einem Motorradunfall im Februar erlitten hat, schwerer als angenommen.

11. August: Schumachers Sensationscomeback in Valencia platzt aus gesundheitlichen Gründen. Der siebenfache Weltmeister muss seinen geplanten Einsatz wegen anhaltender Nackenbeschwerden absagen.

12. August: Schumacher erklärt auf einer Pressekonferenz in Genf traurig die Gründe für das geplatzte Comeback, schließt eine spätere Rückkehr aber nicht aus.

24. August: Ferrari hakt das Schumacher-Comeback für 2009 endgültig ab.

11. September: Schumacher teilt auf seiner Homepage mit, dass er weitere drei Jahre Berater des Ferrari-Teams bleiben wird. Im Nachhinein stellt sich heraus: Es handelt sich dabei nur um eine mündliche Vereinbarung, die nie unterschrieben wird.

4. Oktober: Trotz mehrfacher Absagen der FIA und der Konkurrenz betont Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali erneut, sich für ein drittes Cockpit für Schumacher einsetzen zu wollen.

18. Oktober: Laut KTM will Schumacher 2010 als Werksfahrer in der Internationalen Deutschen Meisterschaft auf dem Motorrad starten. Eine gesamte Saison wolle er sich "wegen des Rennstresses" aber nicht antun.

3. November: Gemeinsam mit Sebastian Vettel gewinnt Schumacher in Peking zum dritten Mal in Folge den Nationencup beim Race of Champions.

19. November: Die 'Gazzetta dello Sport' aus Italien titelt überraschend "Mercedes lockt Schumacher". Seine Sprecherin Sabine Kehm erklärt, dies sei "im Moment kein Thema".

20. November: Schumachers erster Teamchef Eddie Jordan erklärt mit Bezug auf Mercedes: "Es wird so kommen." Mercedes-Sportchef Norbert Haug gibt kein eindeutiges Dementi ab.

23. November: Mercedes-Teamchef Ross Brawn erklärt, an dem Thema sei "nichts dran". Die Medien würden sich "einen Traum zusammenbasteln". Am selben Tag bestätigt Mercedes die Verpflichtung von Nico Rosberg.

29. November: Schumacher holt sich bei einem Kartrennen in Florianópolis im Kart zum zweiten Mal nach 2007 den Gesamtsieg. Auf die Mercedes-Gerüchte angesprochen antwortet er nur nebulös: "Wer weiß?"

4. Dezember: Schumacher-Manager Weber versichert, beim Treffen mit Schumacher stehe Mercedes "nicht auf der Agenda".

7. Dezember: Ecclestone erklärt, ein Schumacher-Comeback sei "mehr als nur ein Gerücht".

11. Dezember: Die 'Bild'-Zeitung berichtet, Mercedes werde Schumacher ein Angebot machen.

12. Dezember: 'Focus', 'Bild' und 'Express' berichten übereinstimmend, Mercedes und Schumacher hätten Einigkeit über einen Vertrag für 2010 erzielt. Schumacher, der in Kerpen Kart fährt, will sich nicht äußern.

14. Dezember: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo erteilt auch öffentlich seine Freigabe für Schumachers Wechsel zu Mercedes.

18. Dezember: Ferrari bestätigt, dass Schumachers Pressesprecherin Sabine Kehm ihren "Zweitjob" als PR-Frau für Ferrari Deutschland gekündigt hat, um sich wieder voll auf ihren Schützling konzentrieren zu können.

19. Dezember: Montezemolo kommt der offiziellen Bekanntgabe zuvor und bestätigt, dass Schumacher wieder Formel 1 fahren wird. Dabei nennt der Ferrari-Präsident Mercedes als Ziel des Deutschen - oder besser gesagt von "Schumachers Zwilling": "Der echte Schumacher, der, den ich kenne, wird für immer Teil der Ferrari-Familie bleiben, aber es scheint, dass er einen Zwillingsbruder hat, völlig identisch, der die Idee hat, zu gehen und in der Formel 1 für Mercedes zu fahren."

Fotoquelle: pacepix.com

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