Formel 1 2009

Formel 1 2009

— 01.03.2009

Mallya: "Keine Ausreden mehr"

Force-India-Macher Vijay Mallya läutet eine neue Ära in der Teamgeschichte ein - Neue Rolle als Teamchef und neue Ziele: "Regelmäßig in die Punkte"

Vijay Mallya hat nach Abschluss der Saison 2008 einen radikalen Umbruch eingeleitet. Man trennte sich von Technikchef Mike Gascoyne, Teamchef Colin Kolles musste gehen und mit McLaren-Mercedes holte man sich einen neuen technischen Partner an Bord. Der indische Milliardär will seine Mannschaft endlich im Mittelfeld der Formel 1 sehen - mindestens. Wie die Aussichten auf Erfolge 2009 stehen, sagte Mallya im Interview.

Frage: "Vijay, Force India geht in das zweite Formel-1-Jahr. Welche Erkenntnisse nehmen sie aus dem ersten Jahr mit?"
Vijay Mallya: "Als wir 2008 mit Force India anfingen, war ich zu Beginn mit unseren Fortschritten ganz zufrieden. Bis zu den Europarennen waren wir sogar mit Mittelfeld. Wir machten Fortschritte und ich war wirklich guter Dinge. Im Vergleich zu anderen Teams haben wir dann aber an Boden verloren. Ich sage nicht, dass wir uns dann nicht mehr verbessert haben, sondern ich habe sogar oft im Fahrerlager gehört, dass Leute der Meinung waren, dass wir uns am allermeisten gesteigert hatten, aber wir haben eben nicht genug erreicht."

"Mit diesen Tatsachen im Hinterkopf haben wir uns auf den Prüfstand gestellt. Ich kam aus verschiedenen Gründen zu der Erkenntnis, dass wir an unseren Teamstrukturen einiges ändern und neue Partner an Bord holen müssen, um die Lücke zu den Gegnern zu schließen. Wir müssen als Team noch sehr viel lernen, aber ich bin zuversichtlich, dass uns die Erfahrung von 2008 bei unseren nächsten Schritten 2009 helfen kann. Wir haben tolle Aussichten: Ein neues Antriebspaket und großartige neue Chancen durch das neue Regelwerk 2009."

Endlich auf den Weg nach vorn

Frage: "Welche Ziele haben sie mit dem Team?"
Mallya: "Um ganz ehrlich zu sein: Ich wäre herb enttäuscht, wenn wir uns nicht verbessern würden, sogar deutlich verbessern würden. Über den Winter haben wir die Strukturen angepasst, neue Prozeduren und technische Partnerschaften etabliert, die uns nach vorne bringen sollten. Aber wir haben keine Ausreden mehr. Ich möchte einen starken Start in die Saison erleben, zur Mitte der Saison in die Punkte fahren und eine Verbesserung im Qualifying sehen. Regelmäßige Punkte müssen das Ziel sein."

Frage: "Inwiefern kann die neue Partnerschaft mit McLaren-Mercedes auf dem Weg zu diesem Ziel helfen?"
Mallya: "Weil wir nun den Antriebsstrang eines anderen Teams benutzen, haben wir uns für Force India eine ganz konkrete Messlatte geschaffen. Wenn unsere Leistungen im Vergleich zu McLaren - immerhin sind sie Titelgewinner 2008 - nicht gut sind, dann können nur noch wenige Variablen dafür verantwortlich sein. Diese müssten wir dann analysieren und verstehen. Weil wir aber den Vertrag erst sehr kurzfristig geschlossen hatten und daher beim Design und Bau des VJM02 nicht viel Zeit blieb, wird man uns nicht sofort daran messen können."

"Ich hoffe aber, dass wir ab spätestens Mitte der Saison ein konkretes Bild von unserer Leistungsfähigkeit bekommen können. Die Belieferung mit dem kompletten Antriebsstrang hat den Vorteil, dass wir unsere Ressourcen nun auf wichtige andere Dinge fokussieren können. Als Team können wir so hoffentlich schnellere Fortschritte mit dem restlichen Auto machen."

Frage: "Ist dies der richtige Weg für kleine, unabhängige Teams, die an der Formel 1 teilnehmen wollen?"
Mallya: "Wir können nicht behaupten, dass wir nun das Patentrezept für die zukünftigen Auftritte privater Rennställe haben, aber es ist zumindest ein guter Weg, um die kleinen Teams zu erhalten. Wir haben einfach nicht die Ressourcen, um in Bereichen wie zum Beispiel KERS mit den großen Herstellern mithalten zu können."

"Wir haben auf unserem Weg keinesfalls in irgendeiner Form gegen den Geist des Reglements verstoßen, sondern einfach nur versucht, unter den gegebenen Umständen das Beste für uns daraus zu machen. Es ist doch im Interesse aller in der Formel 1, dass mehr Teams vorhanden sind. Wenn solche Partnerschaften funktionieren, dann können die kleinen Teams ihre Ressourcen besser nutzen und dann auch auf einem höheren Level im Wettbewerb bestehen. Das ist doch zu begrüßen."

Kein indischer Pilot in Sicht

Frage: "Werden ihnen die neuen Regeln in die Karten spielen?"
Mallya: "Es gibt gleich mehrere Vorzüge eines solchen Umbruchs. Bei stabilem Regelwerk haben alle gut ausgestatteten Teams sehr viel Zeit, um sich alle erdenklichen Lösungen anzuschauen. Ein kleines Team hat diesen Luxus nicht. Jetzt starten wir alle wieder auf der gleichen Basis und die Designs müssen von Grund auf neu überdacht werden. Einige Leute werden das gut hinbekommen, andere werden im Verlauf der Saison deutlich aufholen müssen. So gesehen sind die Voraussetzungen zunächst einmal ausgeglichener."

Frage: "Sie werden mit der gleichen Fahreraufstellung in die Saison gehen wie im Vorjahr. Wie kamen sie zu dieser Entscheidung?"
Mallya: "Giancarlo und Adrian haben 2008 gute Arbeit abgeliefert. Wir haben von Giancarlos Erfahrung profitiert. Adrian ist ein junger, aufstrebender Fahrer, der das Team mittlerweile auch sehr gut kennt. Es war die beste Pilotenkombination, die zu jenem Zeitpunkt verfügbar war. Uns wurde immer wieder vorgehalten, dass wir keinen indischen Fahrer unter Vertrag haben. Aber ich bin der Überzeugung, dass wir solange keinen haben sollten, bis es es ein entsprechendes Talent gibt."

"Aus patriotischer Sicht hätte ich natürlich gern einen indischen Piloten. Ich habe immer gesagt, dass es irgendwo inherhalb dieser 1,2 Milliarden Menschen einen zweiten Lewis Hamilton geben muss. Wir werden unsere Augen offen halten und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann werden wir auch reagieren."

Frage: "Die Wirtschaftskrise hält offenbar weiter an. Machen sie sich um die Finanzen Sorgen?"
Mallya: "Natürlich macht einem die aktuelle Situation in der Welt Sorgen. Es ist leider wahr, dass wir unsere Kosten senken müssen und wieder auf den Boden der Realität kommen müssen, wo Einnahmen und Ausgaben in einem passenden Verhältnis stehen. Force India ist aber in einer guten Position."

"Wir sind deutlich kleiner als die großen Rennställe und haben auch ein kleineres Budget. Von daher werden wir diese Krise besser überstehen können. Meine eigene Firma ist Sponsor dieses Teams und wir haben einen klaren Berechnungsschlüssel, mit welchen wir festlegen, wieviel Gegenwert ich für das Investment bekommen muss. Die Resultate sind bisher wirklich zufriedenstellend. Auch wenn wir nicht vorne mitfahren, bekommen wir einen guten Gegenwert für unser Geld."

Kosten müssen weiter sinken

Frage: "Werden sich die neuen Sparmaßnahmen und technischen Regeln nachhaltig auf den gesamten Sport auswirken?"
Mallya: "Ja, absolut. Ich unterstütze diesen Weg. Vielleicht könnten die bisherigen Teams ihre Budgets noch ganz gut stemmen, aber wenn wir neue Teams in die Formel 1 locken wollen, dann ist ein Umbruch nötig - gerade in diesen harten Zeiten. Man muss es in jedem Unternehmen der Welt irgendwie rechtfertigen. Man erwartet einfach für das Geld einen richtigen Kracher als Gegenleistung. Sobald die Kostenspirale sich weiter nach oben dreht, wird es unmöglich sein, irgendwie die Teilnahme an einer solchen Weltmeisterschaft zu rechtfertigen."

Frage: "Ihr Projekt befand sich bisher in einer Lernphase. Das gilt für das Team an sich, aber auch für die indische Bevölkerung. Wie fallen die Reaktionen in der Heimat mittlerweile aus?"
Mallya: "Die Aussichten sind gut, herausfordernd und spannend. In Indien gibt es eine starke, junge und aufstrebende Mittelschicht. Es wird erwartet, dass die indische Wirtschaft trotz der weltweiten Krise etwa sieben Prozent Wachstum zeigt. Die Nachfrage nach Unterhaltung wird größer."

"Force India hat sich mit dem Musiksender 'MTV' zusammengetan. In einer Realityshow suchen wir vier junge Mädels, die Force India bei den Rennen repräsentieren sollen. Das wird bei der Jugend in Indien gut ankommen und das Interesse bei den Fernsehzuschauern schüren. Es gibt auch immer mehr Anfragen von indischen Zeitungen, die weltweit die größten Auflagen haben. Dort sind wird als Team immer wieder gefragt."

Fotoquelle: XPB.CC

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