Ross Brawn hatte keine Wahl: Entweder übernehmen oder das Ende

Formel 1 2009

— 10.03.2009

Brawn: "Es gab schwarze Tage"

Ross Brawn erklärt den steinigen Weg zur Rettung des ehemaligen Honda-Rennstalls: "Es gab keine andere Wahl, wir mussten das Team übernehmen"

Mit Leichtigkeit scheint sich der neue Brawn-Mercedes im vorderen Mittelfeld der Formel 1 bewegen zu können. Diese Tatsache täuscht darüber hinweg, wie steinig der Weg bis zum ersten Test des neuen Teams war. Über viele Wochen wurde spekuliert, gepokert und verhandelt, bis Ross Brawn endlich die Übernahme des Rennstalls unter Dach und Fach hatte. "Honda hat alle Möglichkeiten durchgespielt und letztlich eine Entscheidung getroffen. Das passierte bei einer Vorstandssitzung im Februar", beschrieb der neue Teambesitzer.

Ursprünglich hatte Brawn eigentlich andere Pläne. Der Optimalfall wäre ein Investor gewesen, der Brawn als Teamchef ein Budget und freien Handlungsspielraum in Aussicht gestellt hätte. "Ich will ehrlich sein: Ich hatte keine Wahl. Wenn wir das nicht übernommen hätten, dann würde es kein Team mehr geben. Dann wären alle Mitarbeiter entlassen worden. Daher haben wir diese Gelegenheit ergriffen. Es war keine leichte Entscheidung. Wenn das Auto gut läuft, dann hast du eine Zukunft. Wenn nicht, dann nicht."

Viel Arbeit für ein schnelles Auto

Das Auto scheint aber tatsächlich gut zu laufen, entsprechend optmistisch darf Brawn die kommenden Wochen angehen. "Die Fahrer haben uns gutes Feedback vom Auto gegeben. Es war bisher auch recht zuverlässig. Wir hatten gestern kurz ein Problem mit dem Getriebe, aber ansonsten lief es ganz gut." Man habe keine Rundenzeiten für die Galerie produziert, bekräftigte Brawn noch einmal. Jenson Button habe sich am Montag auf Longruns beschränkt.

Die Performance des Autos überrasche ihn nicht sonderlich. Er sei von dem neuesten Entwurf überzeugt gewesen, weil man viel Arbeit investiert habe. "15 Monate an Arbeit stecken darin. Wir haben im vergangenen Jahr sehr früh gesagt, dass wir zugunsten der Neuentwicklung auf die Arbeit am RA108 weitestgehend verzichten. Für mich ist es also eine logische Konsequenz." Sein Dank gelte vor allem Mercedes, die in den vergangenen Wochen viel Unterstützung geboten hätten.

"Wir hatten die Wahl zwischen Mercedes und Ferrari. Letztlich haben wir uns für den deutschen Motor entschieden, weil er einfach besser in unser Chassis passt. Unsere Jungs haben perfekte Arbeit abgeliefert. Wenn man unser Auto jetzt so sieht, dann könnte man meinen, dass es von Anfang an für diesen Motor konzipiert war", freute sich Brawn. Der Mercedes-Motor wurde in Windeseile mit dem Brawn-Getriebe kombiniert: "Weil wir unsere gesamte Aufhängungsgeometrie nicht verändern wollten."

Bruno Senna ein Opfer der Umstände

Der BGP001 wirkt zwar technisch ausgefeilt, aber nackt. "Wir haben die Lackierung extra so neutral gehalten. Die Farbgebung darf man nicht als Hinweis auf einen möglichen Sponsor verstehen. Wir haben erstmal unsere mittelfristige Zukunft abgesichert, nun gilt es, mit Sponsoren eine langfristige Sache daraus zu machen. Wir sind bezüglich der Zukunft noch flexibel." Man habe aber das Geld für die Saison beisammen, fügte Brawn hinzu.

Über kommerzielle Dinge wollte der neue Teameigner nicht allzu ausführlich sprechen. Immerhin wird dieser Bereich nach wie vor Nick Fry obliegen. Entgegen aktueller Gerüchte bleibt der Brite Geschäftsführer des Rennstalls. "Seine Position ändert sich gar nicht. Er hatte an der gesamten Entwicklung großen Anteil. Wenn wir nicht alle zusammengestanden hätten, wäre es schwierig geworden. Es gab auf dem Weg zu Rettung wirklich auch schwarze Tage. Ich bin wirklich froh, dass wir es geschafft haben."

Auch die Piloten spielten auf dem Weg zu Brawn GP eine Rolle. Jenson Button schwor dem Team ebenso die Treue wie Rubens Barrichello. "Jenson war sowieso erste Wahl. Bruno Senna hat mich bei den Tests beeindruckt, aber wir haben uns für Rubens entschieden. Ich glaube, er kann der Formel 1 noch eine Menge geben. Wir hatten Bruno nichts versprochen, aber wir waren nach seinen Testfahrten immer noch in Kontakt. Die Umstände haben einfach gegen ihn gesprochen."

Fotoquelle: xpb.cc

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