Zum Vergrößern anklicken: Renaults Nase gilt als die hässlichste des Jahres 2009

Formel 1 2009

— 13.03.2009

Analyse: Die Frontflügelkonzepte von Ferrari und Renault

Wir nehmen die Frontflügel von Ferrari und Renault unter die Lupe und beleuchten die Unterschiede zwischen den beiden Konzepten

Als nach dem Ende der vergangenen Saison testweise die ersten Autos mit 2008er-Aerodynamik ausrückten, sahen die nunmehr 180 statt 140 Zentimeter breiten Frontflügel noch aus wie banale Bretter ohne jedes Feintuning. Mit der Präsentation der ersten Autos gewannen die Flügel jedoch deutlich an Komplexität hinzu.

Interessanterweise scheint es zwei verschiedene Grundrichtungen zu geben: Die einen setzen wie Ferrari auf eine sehr schmale Nase, die anderen auf eine sehr breite. Letzteres Design ist bei Renault am stärksten ausgeprägt. Der "Mähdrescher" (Copyright: Niki Lauda), der Fernando Alonso nach zwei Jahren Pause wieder zum Weltmeister machen soll, ist deswegen in den Augen der Mehrheit unserer Leser das hässlichste aller aktuellen Formel-1-Autos.

Der Standardisierung entgegen

Unabhängig davon kommt den Frontflügeln trotz der immer strengeren Regeln weiterhin eine große Bedeutung zu: "Durch die Standardisierung von Teilen des Frontflügels wird es für die Designer immer wichtiger, über die Nase und die Seitenplatten die Aerodynamik zu optimieren", erklärt unser CFD-Experte Milad Mafi. Der Jungforscher hat daher für 'Motorsport-Total.com' die unterschiedlichen Frontpartien von Ferrari und Renault genau unter die Lupe genommen.

"Der Frontflügel des Renault R29 fällt mit seiner abgestuften Hauptplatte und der breiten, sich nach hinten verjüngenden Nase auf", analysiert Mafi und verweist auf eine Besonderheit: "Die spezielle Form des Frontflügels führt zu einem so genannten Bernoulli-Effekt unter diesem: Der Querschnitt zwischen der Flügelaußenseite und dem Zentrum verjüngt sich und die Luft strömt schneller. Dies sorgt für einen sinkenden Druck unter dem Flügel und führt zu zusätzlichem Abtrieb."

'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer erkennt noch einen weiteren potenziellen Vorteil des Renault-Konzepts: "Die breite Nase hat durch den größeren Querschnitt den Vorteil, dass das Chassis stabiler ist und dass auch die Anlenkpunkte der Aufhängung stabiler sind. Das könnte sich positiv auswirken, wenn es darum geht, die Reifen zum Arbeiten zu kriegen und auf die Renndistanz ein konstanteres Auto zu haben."

Was kommt bis Melbourne noch?

Die in den Augen der meisten Fans formschönere Ferrari-Nase basiert im Gegensatz zur Renault-Variante nicht auf der Lehre von Daniel Bernoulli. Stattdessen hat sich Chefdesigner Aldo Costa eine konventionelle Konstruktion einfallen lassen, die seit den ersten Testfahrten praktisch unverändert geblieben ist. Gut möglich, dass einige Teams am Freitag in Melbourne plötzlich mit modifizierten Frontflügeln auftauchen werden.

"Der Ferrari setzt auf einen ebenen Hauptflügel und sticht vor allem mit seiner langgezogenen Nase hervor", so Mafi. "Durch diese hohe und schmale Nase wird die Luft sehr effizient in Richtung Unterboden befördert. An der Unterseite der Nase entsteht ein Unterdruck, der den Frontflügel ansaugt und damit den Abtrieb reduziert. Durch die lange und geradlinige Nase ist der Unterdruck, der unter der Nase an der Frontflügeloberseite entsteht, relativ gering."

Kein Nasenloch, dafür geneigte Stege

Ganz anders als bei Renault ist am Ferrari F60 auch die Aufhängung des Frontflügels an der Nase gestaltet. Mafi führt aus: "Die Nase ist über Stege, die nach vorne geneigt sind, verbunden. Diese Lösung minimiert die Störung der Strömung durch diese. Auffallend ist auch der Flap an der Endplatte, der die Luft um die Räder leiten soll und damit den Luftwiderstand senkt." Auf das "Nasenloch" von 2008 hat Ferrari diesmal wegen der neuen Regeln zwangsweise verzichtet.

Soweit also die Theorie. Wie es am 29. März in der Praxis aussehen wird, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt Papier geschrieben. Derzeit gilt das neue Brawn-Team mit einer eher breiten Frontpartie als Topfavorit auf den Sieg im Melbourner Albert Park, doch auch der Ferrari mit dem schmaleren Design konnte bei den Wintertestfahrten überzeugen. Unterm Strich gilt wieder einmal: When the Flag drops, the Bullshit stops...

Fotoquelle: Mafi/MST

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