Force India wird 2009 zunächst auf den Einsatz eines KER-Systems verzichten

Formel 1 2009

— 21.03.2009

Force India: KERS ab den Europarennen?

Das britisch-indische Force-India-Team wird zu Saisonbeginn auf KERS verzichten - Rennfreitag künftig als Test- und Entwicklungstag

Mit der Partnerschaft mit McLaren und Mercedes scheint Force India im Winter das große Los gezogen zu haben. Die britisch-deutsche Gemeinschaft liefert dem Rennstall um Teamchef Vijay Mallya künftig nicht nur Motoren und Getriebe, sondern auch das KER-System, das allerdings nicht alle Teams schon in Melbourne zum Einsatz bringen werden. Geschäftsführer Simon Roberts sieht sich und seine Mannschaft auf einem guten Weg, auf dieser Basis 2009 einige Fortschritte zu erzielen.

Dabei ist der Brite bei Force India erst seit kurzem in Amt und Würden - mit dem Wechsel von Ferrari-Aggregaten zu Mercedes-Motoren kam auch Roberts von McLaren zu Force India. Personell hat sich seit der großen Neuorientierung im Herbst 2008 allerdings nicht mehr viel getan. "Die große Umstrukturierung war mit meiner Ankunft erledigt. Seither haben wir nichts Fundamentelles geändert", sagte Roberts gegenüber 'Autosport.com'.

Regeländerungen als Chance und Risiko zugleich

"Aber über einen Zeitraum von einigen Monaten gibt es natürlich immer ein paar Kleinigkeiten. Nichtsdestotrotz habe ich mich darauf konzentriert, mit den Jungs zusammenzuarbeiten und das Programm voranzutreiben. Wir mussten einfach sicherstellen, dass wir gut mit McLaren und Mercedes-Benz auskommen würden. Das hat prima geklappt. Wir haben jetzt ein richtig gutes Team und verstehen uns untereinander wirklich prächtig."

"Wir haben diesbezüglich sicherlich einen Vorteil, denn die Jungs von Force India sind es gewohnt, mit einem Motorenlieferanten zu arbeiten", meinte Roberts. "Sie hatten schon Ferrari, Toyota und Cosworth als Partner. Wir wussten also schon deutlich besser über ein solches Verhältnis Bescheid als Mercedes-Benz und McLaren. In den ersten Wochen hatten wir natürlich eine steile Lernkurve. Als wir erst einmal alles auf der Reihe hatten, lief es schließlich richtig gut."

Prima soll es für die junge Mannschaft auch in dieser Formel-1-Saison laufen, schließlich könnten die neuen Rahmenbedingungen durchaus die eine oder andere Überraschung erlauben: "Die Regeländerungen beinhalten sowohl Chancen als auch Risiken. Die kleineren Rennställe könnten Glück haben. Wir könnten zum Beispiel ein Auto gebaut haben, dessen Reglementsauslegung uns einen Vorteil über die anderen verschafft."

Force India zunächst ohne KERS

"Aber letztendlich werden dich die Jungs mit den meisten Windkanälen und den meisten CFD- und Computeringenieuren irgendwann einholen, auch wenn du einmal besser gewesen bist. Das Kräfteverhältnis wird sich also ganz gewiss ausgleichen", schätzte Roberts die Auswirkungen des neuen Regelpakets ein. Eine weitere Änderung betrifft den Rennfreitag, denn dort müssen künftig sämtliche Entwicklungsarbeiten erledigt werden.

"Ich denke, wir befinden uns diesbezüglich in einer guten Position", sagte der Geschäftsführer von Force India. "Es ist ja nicht so, dass wir nichts zu verlieren hätten. Aber wenn wir ins Mittelfeld vorstoßen wollen, dann können wir an den Rennfreitagen Teile ausprobieren und riskieren dabei nicht die Meisterschaftspunkte unserer Fahrer oder dergleichen. Die Topteams müssen sich hingegen sehr wohl überlegen, was sie künftig am Freitag anstellen wollen."

Während die Frontrunner derzeit intensiv über einen KERS-Einsatz zum Saisonauftakt Gedanken machen, hat Force India schon längst entschieden - vorerst wird die Mannschaft ohne Zusatzboost auskommen müssen. "Der Wagen ist darauf ausgelegt, das gleiche KER-System wie McLaren zu benutzen. Man könnte das als 'Plug & Play' beschreiben. Wir hatten in Silverstone schon ein System an Bord, aber dabei ging es nur um die Installation an sich."

"Wir gehen davon aus, dass KERS im Saisonverlauf sehr wohl den Unterschied ausmachen wird", erläuterte Roberts. "Anfangs wird das noch nicht so eine große Rolle spielen, denn die Teams müssen sich erst einmal damit auseinander setzen. Wir werden es in Australien nicht im Auto haben, denken aber wohl zum Europaauftakt noch einmal ernsthaft darüber nach. Anschließend wird es wohl bei einigen weiteren Rennen zum Einsatz kommen, bei anderen dagegen sicher nicht."

Kleinere Budgets als Vorteil für Force India?

Doch während die neue Saison noch nicht einmal begonnen hat, wirft das Jahr 2010 bereits seine Schatten voraus. "Die weiteren Geschichten für 2010 - seien es Budgetobergrenzen oder neue Regeln - könnten uns ebenfalls in die Karten spielen. Ich weiß nicht, wie Formel-1-Teams in ein paar Jahren aussehen werden. Ich könnte mir allerdings denken, dass sie eher die Größe von Force India haben werden und nicht den Umfang eines Toyota-Rennstalls."

Könnten diese Neuerungen große Auswirkungen auf die Formel 1 haben, so sind die kurzfristigen Änderungen am WM-Modus für Force India eher zweitrangig: Um Siege wird man 2009 aller Voraussicht nach ohnehin nicht kämpfen. "Manche Teams werden um jeden Preis den Fahrertitel anstreben. Das wiederum bedeutet, dass sie eine andere Herangehensweise zeigen und möglicherweise die Zuverlässigkeit riskieren werden", meinte Roberts.

"Das führt dann dazu, dass sie einige Rennen nicht beenden können oder Dinge tun, die sie später vielleicht bereuen werden. Die Jungs, die um die Podestplätze kämpfen, wird das alles vermutlich wesentlich mehr betreffen als uns", so der Brite abschließend. "Aber darüber habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht. Ich habe mich voll und ganz darauf konzentriert, den Wagen auf die Strecke zu bringen und ihn sukzessive zu verbessern..."

Fotoquelle: xpb.cc

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