Max Mosley taktiert scheinbar gerade gegen die Teamvereinigung FOTA

Formel 1 2009

— 21.03.2009

Mosley erwartet anhaltenden Diffusor-Streit

Die Diskussionen um die Diffusoren von Williams, Toyota und Brawn ist noch längst nicht ausgestanden - Max Mosley als Profiteur des Streits?

Gerade in Zeiten abgespeckter Aerodynamik bekommt der Diffusor beim Bau eines Formel-1-Autos eine noch größere Bedeutung. Genau in diesem Bereich haben sich Williams, Toyota und Brawn mit cleveren Lösungen einen angeblichen Vorteil verschafft, der für viele Diskussionen gesorgt hat. Die drei Teams interpretierten das Regelwerk etwas kreativer und zogen das wichtige Element im zentralen Bereich etwas höher. "Auf unserer Sicht legal", hatte FIA-Regelhüter Charlie Whiting befunden.

Doch damit ist die Diskussion noch längst nicht ausgestanden. Sollte sich mindestens eines der betroffenen Teams in Melbourne weit vorne zeigen, sind Proteste quasi vorprogrammiert, denn nicht Whiting allein trifft die Entscheidungen, sondern die Rennkommissare vor Ort. "Es ist wirklich eine brisante Angelegenheit", sagte FIA-Chef Max Mosley dem 'Daily Telegraph'. Er fühle sich in der Zwickmühle. Ob man die Diffusoren nun für legal oder illegal halte, ein Streit sei programmiert: "Es wird schwierig."

Droht eine Berufungsentscheidung?

"Aktuell sagen die betroffenen Teams, dass sie die Bauteile 'aus diesem oder jenem Grund für legal' halten", sagte Mosley weiter. "Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten und die Teile einer genaueren Inspektion hätten unterziehen können, dann hätte ich wahrscheinlich das FIA-Berufungsgericht vor dem Australien-Rennen noch angerufen. Ich habe in dieser Woche sogar darüber nachgedacht. Aber die Zeit fehlt. Das wäre nicht fair. Ich bin aber sicher, dass es in Australien ein großes Thema werden wird."

Er könne sich vorstellen, dass man eine Lösung finde. Zum Beispiel könnten sich die Teams einhellig darauf verständigen, dass die Beuteile illegal seien und die betroffenen Teams ab dem ersten Europarennen in Barcelona angepasste Diffusoren verwenden müssten. "Aber dann kommen sie und werden fragen: 'Warum sollten wir das tun?' Und die anderen würden kommen und sagen: 'Warum sollten wir für vier Rennen einen Nachteil in Kauf nehmen?' Wahrscheinlich werden letztlich die Stewards entscheiden müssen."

Entsprechend könne der Streit danach seinen für die Formel 1 typischen Lauf nehmen. "Jene Seite, die benachteiligt wird, wird dann in Berufung gehen. Dann wird es vor dem FIA-Berufungsgericht ausgetragen. Das alles ist nicht unkompliziert. Ich bin da in alle Richtungen offen und kann mir beide Richtungen vorstellen. Aber irgendjemand muss sich da mal an einen Tisch setzen und das aus der Welt räumen. Das ist nicht mein Job."

Wird die FOTA gespalten?

Entsprechende Verfahren, die vom FIA-Berufungsgericht abgehandelt werden müssten, könnten die gesamte Saison überschatten. Der jeweils aktuelle WM-Stand dürfte nur unter Vorbehalt betrachtet werden, die Hoffnungen auf große Erfolge zum Beispiel der Underdogs von Brawn-Mercedes könnten schnell zerplatzen. Vielleicht kommt für Mosley die Diskussion um die Diffusoren aber gerade zum passenden Moment.

Nach den umstrittenen Entscheidungen des FIA-Weltrates am vergangenen Dienstag und dem anschließenden Zurückrudern bei der geplanten Einführung eines neuen Wertungssystems, ist bei dem FIA-Chef vermutlich jeder noch so kleine Keil beliebt, der die Teamvereinigung FOTA spalten könnte. Ein Streit der Teams untereinander über die Rechtmäßigkeit der Diffusoren könnte Mosley perfekt in die Karten spielen.

Die FOTA ist seit der Sitzung des Weltrates nicht allzu gut auf die Motorsportbehörde zu sprechen, denn immerhin ignorierte man fast alle Vorschläge, die die Teams aufgrund von umfassender Marktforschung angebracht hatten. "Sie wussten doch, dass wir eine Budgetlimitierung in Betracht ziehen", wehrte sich Mosley. "Sie hatten wahrscheinlich nur nicht erwartet, dass wir es in dieser Form tatsächlich umsetzen. Der Vorwurf war vor allem, dass wir sie nicht gefragt haben."

Mosley als Retter der Formel 1?

"Wir haben aber viel mit Force India und Williams gesprochen, die beide sehr kooperativ waren", trieb Mosley den nächsten Keil in die FOTA. "Ich habe nicht mit Red-Bull-Chef Mateschitz gesprochen, aber ich war der Ansicht, dass er wohl auch nichts dagegen hat. Wir mussten auf jeden Fall etwas tun. Alles, was wir hatten, waren die Teams, die sich damit gebrüstet haben, die Budgets um 50 Prozent gesenkt zu haben. Es reduziert sich von 300 bis 400 Millionen Dollar auf 150 bis 200 Millionen Dollar? Ich bin nicht sicher, ob die Teams in 2010 und 2011 überhaupt noch 150 bis 200 Millionen Dollar zusammenbekommen werden."

Als die FIA die Summe von knapp 33 Millionen Euro als Höchstgreze der Budgets ab 2010 nannte, staunten viele Beobachter. So wenig? "Das ist vorläufig", erklärte Mosley. "Ich persönlich denke, dass man auch mit 25 Millionen Pfund (rund 27 Millionen Euro) hinkommen könnte, aber alle meine Berater sagen, dass es mehr sein sollte. Wenn sich alle erstmal beruhigt haben, wird man erkennen, dass dies brilliant für die Formel 1 ist. Es ist immer noch viel mehr Geld als in anderen Rennserien."

Mosley beschrieb seine Sicht: "Was braucht man denn schon, um guten Rennsport zu machen? Alle denken, die Formel 1 sei ganz besonders. Aber ich verstehe nicht, warum dann ein LKW-Fahrer doppelt so viel Gehalt bekommen muss, wie ein ganz normaler LKW-Fahrer. Es muss immer alles so verschwenderisch sein. Ich finde, das muss nicht sein. Die neuen Regeln werden clevere Technik provizieren." Der Brite schränkte abschließend ein: "Es ist ein Vorschlag. Wenn ich falsch liege, ist es egal. Wenn ich richtig liege, ist es die Rettung der Formel 1."

Fotoquelle: xpb.cc

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