Die Männer der Stunde: Polesetter Jenson Button mit Rubens Barrichello

Formel 1 2009

— 28.03.2009

Die Sensation ist perfekt: Erste Startreihe für Brawn!

Jenson Button und Rubens Barrichello demolierten im Qualifying in Melbourne die Konkurrenz - Sebastian Vettel starker Dritter - Topteams entzaubert

Es gibt sie nur noch selten, aber es gibt sie: Märchen in der Formel 1 - und Ross Brawn ist sozusagen der Autor der programmierten Sensation von Melbourne: Sein Ex-Honda-Team sicherte sich im Qualifying zum Grand Prix von Australien in beeindruckender Manier die erste Startreihe und bestätigte damit die fast schon unwirklichen Wintertestzeiten!

Teamchef Brawn vor den Augen seines ehemaligen "Wunderwuzzis" Michael Schumacher mit Tränen im Augenwinkel, Neo-Sponsor Richard Branson mit einem breiten Grinsen im Gesicht, Küsschen für Jenson Button von Vater John - es waren emotionale Szenen, die sich nach dem Top-10-Finale im Albert Park abspielten. Und während sich die Außenseiter, die jetzt keine mehr sind, über ihre Sternstunde freuten, kassierten einige etablierte Teams eine schallende Ohrfeige...

Erste Button-Pole-Position seit Melbourne 2006

Für Button war es die vierte Pole-Position seiner Karriere, seine erste seit Melbourne 2006. Der Brite fuhr im Finale bereits im ersten Run überlegen Bestzeit, wurde dann kurzfristig von seinem Teamkollegen Rubens Barrichello überflügelt, konnte aber noch einmal kontern: 1:26.202 Minuten! Damit gewann er das Stallduell um 0,303 Sekunden - was nach den viel knapperen Abständen in den Freien Trainings auf unterschiedliche Benzinmengen hindeuten könnte.

Das Brawn-Mercedes-Duo hatte bereits in Q1 und Q2 jeweils Doppelbestzeit hingelegt und war mit 0,628 Sekunden Luft nach hinten auch in Q3 eine Klasse für sich. Ein Doppelsieg scheint unter normalen Umständen vorprogrammiert zu sein. Aber der Teamchef warnt: "Natürlich werden unsere Gegner stark sein. Doch die Ausgangsposition ist gut." Und Brawn rang sichtlich mit seinen Emotionen: "Das ist einfach unglaublich. Ich bin sehr gerührt."

Erster Verfolger der neuen Formel-1-Supermacht war überraschend Sebastian Vettel im Red-Bull-Renault. Dieser Erfolg schmeckt besonders süß, weil Teamkollege Mark Webber zwar im ersten Run noch vor ihm gelegen war, sich schlussendlich aber mit Rang zehn zufrieden geben musste. Abstand zwischen den beiden: 0,416 Sekunden. Webber verschenkte eine wesentlich bessere Startposition im letzten Versuch mit einem fehlerhaften zweiten Sektor.

Heidfeld wieder klar hinter Kubica

Vierter wurde Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team/+ 0,712), der im Stallduell mit Nick Heidfeld (11.) trotz seines KERS-Nachteils auf 1:0 stellte. Kubica holte damit das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus und ließ Trainingsdominator Nico Rosberg (Williams-Toyota/+ 0,771) und Timo Glock (Toyota/+ 0,773) ebenso wie Vizeweltmeister Felipe Massa (Ferrari/+ 0,831) knapp hinter sich. Massa hatte mit dem Kampf um die ersten Startreihen heute nichts zu tun.

Vielmehr beschwerte er sich vor seinem letzten Run am Funk: "Ich habe das Gefühl, ich habe einen Reifenschaden!" Letztendlich ging aber alles gut und er wies sogar seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen (9.) um 0,130 Sekunden in die Schranken. Im Ferrari-Sandwich nistete sich Jarno Trulli (Toyota/+ 0,925) als Achter ein, nachdem er sich zuvor nicht ganz ohne Bauchweh durch Q1 und Q2 gezittert hatte.

Heidfeld hatte den Finaleinzug zuvor wegen eines Fahrfehlers im letzten Versuch verpasst, ebenso wie Fernando Alonso (12./Renault), der in der vorletzten Kurve in die Wiese musste. Für die beiden wäre es aber auch unter normalen Umständen eng geworden. 13. wurde Kazuki Nakajima (Williams-Toyota), was angesichts der starken Performance von Rosberg und nach den Freien Trainings als kleine Enttäuschung gewertet werden muss.

Silberpfeile schwer geschlagen

Doch die größte Enttäuschung - nach den Wintertests nicht ganz unerwartet - lieferte McLaren-Mercedes ab: Weltmeister Lewis Hamilton schaffte in Q1 nur mit 49 Tausendstelsekunden Vorsprung auf Toro-Rosso-Ferrari-Rookie Sébastien Buemi als 15. den Einzug ins zweite Segment, doch in dem konnte er gar nicht mehr auf die Strecke gehen. Grund dafür war ein Getriebeproblem. Sollte das Getriebe gewechselt werden müssen, würde das eine Rückversetzung auf den letzten Platz bedeuten.

Heikki Kovalainen im zweiten Silberpfeil hatte zwar noch Gelegenheit, seine Zeit zu verbessern, biss sich aber in Q2 die Zähne aus und wurde 14. und Letzter der zu jenem Zeitpunkt noch fahrenden Piloten. Zuvor hatte es in Q1 keine Favoriten erwischt, aber den soliden Rookie Buemi, Nelson Piquet (Renault), die beiden Force-India-Mercedes sowie Sébastien Bourdais (Toro-Rosso-Ferrari). Letzterer verlor sein Stallduell gegen Buemi ebenso wie Adrian Sutil gegen Giancarlo Fisichella.

Eine interessante Szene spielte sich während Q3 ab: Die beiden Weltmeister Alonso und Hamilton, heute schwer geschlagen, trafen sich in der Boxengasse zum lockeren Plausch und staunten gemeinsam über die Brawn-Überlegenheit - von Spannungen aus der Vergangenheit war nichts mehr zu sehen. Generell hatte man das Gefühl, als würde sich das gesamte Fahrerlager vor Brawn, Button und Barrichello verneigen.

Ein Kapitel Formel-1-Geschichte

Die doppelte Pole-Position ist nämlich ein Stückchen Formel-1-Geschichte: Gleich beim ersten Versuch eines neuen Konstrukteurs auf den ersten Startplatz zu fahren, das ist seit Jackie Stewart auf Tyrrell-Ford 1970 in Mont-Tremblant niemandem mehr gelungen. Schlechtes Omen: Stewart schied tags darauf mit einer kaputten Radachse aus. Doch die Zuverlässigkeit des BGP 001 machte bisher einen sehr guten Eindruck.

Das kann man von Vettels Red-Bull-Renault RB5 nicht gerade behaupten, denn in den Freien Trainings waren gleich mehrmals unerwartete technische Probleme aufgetreten. Und noch ein Faktor könnte das Kräfteverhältnis, wie wir es im Qualifying gesehen haben, beeinflussen: die Benzinmengen. Die müssen jedoch noch heute veröffentlicht werden, sodass das Rätselraten der vergangenen Jahre ein Ende hat...

Alle Formel-1-Fans können sich morgen also auf einen spannenden Grand Prix von Australien (live ab 8:00 Uhr im Ticker) freuen. Gerade Melbourne hat immer wieder eigene Gesetze, sodass die Suppe noch lange nicht ausgelöffelt ist, auch wenn es heute nach einer klaren Sache ausgesehen haben mag. Laut Vorhersage wird Kaiserwetter herrschen. Aufpassen jedoch in Deutschland: In der Nacht auf Sonntag wird auf Sommerzeit umgestellt!

Fotoquelle: xpb.cc

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