Nick Heidfeld hatte sich das erste Qualifying der Saison anders vorgestellt

Formel 1 2009

— 28.03.2009

Heidfeld: "Der Diffusor ist das Entscheidende"

Nick Heidfeld analysiert im Interview sein Qualifying, er erklärt, was das Erfolgsgeheimnis von Brawn ist und spricht über die Feinheiten im Albert Park

Obwohl er im Gegensatz zu Robert Kubica KERS an Bord hatte, bezog Nick Heidfeld im heutigen Qualifying in Melbourne die nächste Niederlage gegen seinen Teamkollegen. Am Ende wurde es der elfte Platz, den er als Enttäuschung wertet. Seinen WM-Traum begräbt der Deutsche trotzdem noch nicht, denn sollten die Diffusoren von Brawn, Toyota und Williams doch noch verboten werden, könnte seiner Meinung nach alles kippen, wie er am Samstagabend im Mediengespräch erklärte.

Frage: "Nick, ich bitte um eine kurze Zusammenfassung des Qualifyings!"
Nick Heidfeld: "Ich bin natürlich nicht ganz zufrieden, denn ich hatte schon damit gerechnet, in die Top 10 zu kommen. Auch wenn es gestern und heute Morgen nicht so gut aussah, hatten wir schon den Eindruck, dass wir stärker sind als das, was die Positionen nach außen ausgesagt haben. Das hat sich ja bestätigt. Als Elfter schrammte ich knapp an den Top 10 vorbei. Ich habe den letzten Sektor nicht richtig hinbekommen. Die Zeiten liegen relativ eng beisammen, daher hat es nicht gereicht."

Von Red Bull und Williams überrascht

Frage: "Hast du die Ergebnisse so erwartet?"
Heidfeld: "Nein. Ich habe Brawn vorne erwartet, Red Bull nicht so weit vorne und Williams auch nicht ganz so stark. Ferrari habe ich ein bisschen stärker gesehen, aber nicht viel."

Frage: "Wäre es vielleicht klüger gewesen, doch wie Teamkollege Robert Kubica auf KERS zu verzichten?"
Heidfeld: "Wir haben uns darüber natürlich vorher Gedanken gemacht, aber ich denke nach wie vor, dass das der richtige Weg war und ist. Hier fahren wir zum ersten Mal ein Auto mit und ein Auto ohne KERS. Das war bei den Tests leider nicht möglich. Gerade in der Anfangsphase gibt es noch viele Sache, die man optimieren und lernen muss, aber ich glaube, dass es der richtige Weg ist und in diesem Jahr wahrscheinlich auch noch öfter sein wird."

Frage: "Wie zufrieden bist du mit den Reifen?"
Heidfeld: "Ich denke, dass da alle die gleichen Probleme haben, wenn ich mir die Longruns der anderen Teams anschaue - Longruns in Anführungszeichen, denn richtige Longruns gab es gestern nicht, weil man Runden spart. Die harten Reifen funktionieren auf den Longrun tendenziell besser, aber da besteht die Gefahr, dass sie die Temperatur nicht halten. Die weichen bauen recht stark ab. Tendenziell werden wir morgen eher mit den harten Reifen fahren."

Frage: "Wie hoch ist der Einfluss der Streckentemperaturen? Es ist ja etwas kühler als sonst, weil später am Abend gefahren wird..."
Heidfeld: "Das macht schon einen Unterschied, wobei die Streckentemperaturen an diesem Wochenende gar nicht so unterschiedlich waren. Aber trotzdem muss man das ganz klar miteinberechnen."

Sichtprobleme in der Dämmerung

Frage: "Siehst du in der Dämmerung Probleme in Sachen Sicht?"
Heidfeld: "Heute war es nicht so schlimm wie gestern, obwohl wir da auch um 17:00 Uhr gefahren sind. Ich habe mein Visier etwas tiefer abgeklebt, damit ging es schon besser. Gestern war ich schon ein bisschen behindert - vielleicht war es auch anders bewölkt. Besonders übel war es in der ersten und dritten Kurve, weil die Sonne so tief stand. Heute war es in Ordnung."

Frage: "Felipe Massa sagt, dass die Strecke rutschiger ist als sonst. Siehst du das auch so?"
Heidfeld: "Ja - aber wenn man die Brawn-Fahrer fragt, werden die bestimmt was anderes sagen (lacht; Anm. d. Red.)! Das ist leider sehr abhängig davon, wie die Performance des Autos ist."

Frage: "Glaubst du, dass Brawn schon alles gezeigt hat heute? Oder haben die noch Potenzial?"
Heidfeld: "Ich glaube, die haben alles gezeigt."

Frage: "Wo waren die schneller? Bist du mal hinter denen gefahren?"
Heidfeld: "Nein. Ich habe aber von verschiedenen Fahrern gehört, dass sie es nur ein, zwei Kurven lang einschätzen konnten - und dann waren sie weg! Es ist schon extrem."

Frage: "Habt ihr einen verstellbaren Frontflügel?"
Heidfeld: "Hat den irgendeiner nicht?"

Experimente mit dem verstellbaren Frontflügel

Frage: "Force India."
Heidfeld: "Aha. Ich habe den genutzt und werde das vielleicht auch im Rennen tun. Beim Testen ist mir aufgefallen, dass es etwas bringt, den Flügel steiler zu stellen, wenn man auf jemanden aufläuft. So kann man die Balance beibehalten."

Frage: "Für die Autoabstimmung nutzt du es nicht?"
Heidfeld: "Doch, aber man darf es ja nur zweimal pro Runde ändern - einmal in die eine Richtung und dann wieder zurück zum Ursprung."

Frage: "Du hast für KERS und den Frontflügel zwei neue Knöpfe im Cockpit. Macht das das Fahren komplizierter oder nicht?"
Heidfeld: "Jein. Es ist mehr, aber es ist nicht kompliziert - es geht problemlos."

Frage: "Hast du Sicherheitsbedenken wegen KERS? Das habt ihr ja gestern bei der GPDA-Sitzung besprochen..."
Heidfeld: "Was wir in der GPDA besprechen, geben wir nicht nach außen, deswegen werde ich das nicht kommentieren. Ich fühle mich aber sicher mit KERS. Wir hatten am Anfang bekanntermaßen einmal einen Zwischenfall, aber seitdem hat es so was nicht mehr gegeben. Hier fahren es einige Teams und wir hatten es bei den Tests sehr oft drin. Im Moment sehe ich kein sicherheitsrelevantes Problem."

Frage: "Wie gehst du damit um, dass die nächsten zwei Rennen zunächst unter Vorbehalt zu betrachten sind, weil die Diffusorfrage nicht geklärt ist?"
Heidfeld: "Das tangiert mich nicht. Du konzentrierst dich auf deinen Job und versuchst, das Beste daraus zu machen. Alles andere bringt ja nichts. Natürlich ist die Hoffnung da, dass die Diffusoren als illegal erklärt werden - nicht weil ich unfair bin, sondern damit die keinen Vorsprung haben."

WM-Traum lebt weiter

Frage: "Sind sieben Zehntelsekunden Rückstand im zweiten Qualifying zu viel?"
Heidfeld: "Jeder Rückstand ist zu viel, auch wenn es nur fünf Hundertstel sind..."

Frage: "Zu viel, als dass man noch um den WM-Titel mitkämpfen könnte?"
Heidfeld: "Nein, dafür ist es noch viel zu früh, denn wenn die anderen Teams den Unterboden abschrauben müssen oder wir etwas Vergleichbares bekommen, dann sieht die Welt wieder ganz anders aus. Die Frage ist, wie die Entscheidung ausfällt."

Frage: "Ihr müsst doch eigentlich sofort damit anfangen, so einen Diffusor zu bauen, oder?"
Heidfeld: "Heute wäre zu spät - nicht für das Bauen, aber um sich damit auseinanderzusetzen. Am besten vor einem Monat!"

Frage: "Meinst du, dass die anderen umgekehrt auch an einer anderen Lösung bauen, falls sie rückrüsten müssen?"
Heidfeld: "Ja, mit Sicherheit. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die nichts hier hatten. Beziehungsweise wenn sie nichts hier hatten, dann war das wohl beabsichtigt. Denen war ja auch klar, dass da vielleicht protestiert wird. So hätten sie sagen können: 'Oh, wir haben keinen anderen Diffusor hier.' Ich weiß nicht, ob es so war, aber ich könnte es mir vorstellen. Ich wäre ehrlich gesagt froh, wenn wir auch solche Teile hätten, weil die schneller sind - und bis zum jetzigen Zeitpunkt werden sie von den Stewards als legal eingestuft."

Der Diffusor als Erfolgsgeheimnis?

Frage: "Ist es nicht naiv, zu glauben, dass Brawn nur wegen des Diffusors so schnell ist? Ist es nicht vielmehr das gute Gesamtkonzept des Autos mit einigen anderen Tricks?"
Heidfeld: "Der Diffusor ist ganz klar das Entscheidende. Laut den Informationen, die ich habe, ist es in erster Linie der Diffusor, der bei Brawn ins Gesamtkonzept eingebettet ist. Uns wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, das so nachzubauen, weil wir gar nicht alles an unserem Auto so kurzfristig ändern können."

"Das Brawn-Auto muss auch ansonsten ein gutes Auto sein, sonst würden sie nicht mit so viel Abstand vorne stehen. Auf der anderen Seite sind die Informationen von verschiedenen Ingenieuren so, dass der Zeitvorteil vorsichtig geschätzt mindestens eine halbe Sekunde beträgt. Das ist eine Welt. Zieht man das ab, sieht es ganz anders aus."

Frage: "Heute werden nach dem Qualifying erstmals die Gesamtgewichte von Autos mit Fahrern bekannt gegeben. Kann man davon ausgehen, dass jedes Auto mit Fahrer und ohne Benzin genau 605 Kilogramm wiegt?"
Heidfeld: "Ja."

Frage: "Glaubst du nicht, dass einzelne Autos mit KERS schwerer sind als das Mindestgewicht?"
Heidfeld: "Nein, sicher nicht. Das halte ich für ein Ammenmärchen."

Fotoquelle: xpb.cc

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