Polesitter Jenson Button hatte nach dem Qualifying allen Grund zum Strahlen

Formel 1 2009

— 28.03.2009

Jubelnder Button: "Es ist einfach wunderbar!"

Jenson Button über seine erste Pole seit drei Jahren, seinen Glauben in das Brawn-Team und die Gründe, warum ihn der Erfolg nicht überrascht

Das Formel-1-Märchen geht weiter: Vor ein paar Wochen wussten Jenson Button, Rubens Barrichello und das bisherige Honda-Team gar nicht, ob sie überhaupt noch eine Zukunft in der Formel 1 haben. Bei den Testfahrten fuhr das neue Brawn-Team der Konkurrenz dann davon. Manch einer munkelte danach, dass sich das Bild noch relativieren wird, wenn im Qualifying von Melbourne die Karten auf den Tisch kommen. Doch Brawn ist weiter auf dem Höhenflug: Button und Barrichello holten die Doppelpole. In der Pressekonferenz sprach Polesitter Button über die Bedeutung dieses Erfolgs. Und er erklärte, warum er für ihn nicht überraschend kam:

Frage: "Jenson, du stehst zum ersten Mal seit Melbourne 2006 auf der Pole Position. Aber es hatte auch jeder darauf getippt, dass du auf der Pole oder in der ersten Reihe stehst. Es war also sicher einfach..."
Jenson Button: "Ich wünschte, es wäre so. Die vergangenen fünf oder sechs Monate waren für uns beide so schwierig. Wir wussten nicht, ob wir ein Cockpit oder eine Zukunft haben werden und jetzt hier auf der Pole zu stehen, ist einfach wunderbar. Ich muss mich wirklich bei dem Team, bei Ross Brawn und bei Nick Fry bedanken, dass sie das möglich gemacht haben. Wir verdienen es, hier zu stehen, nach den harten Zeiten, die wir hatten."

Frage: "Was hast du gedacht, als du ins Qualifying gestartet bist? Du warst zwar schnell, aber andere waren dicht dran."
Button: "Heute morgen schien die Pace auf beiden Reifentypen gut zu sein und ich war recht zufrieden. Wir kannten die wahre Pace der anderen nicht, das zeigt sich erst im Qualifying. In Q1 und Q2 schienen sie ein bisschen näher an uns dran zu sein, als ich erwartet hatte. Sie waren ein oder zwei Zehntelsekunden hinter uns, aber aus irgendwelchen Gründen hatte ich Probleme, wenn ich wenig Benzin an Bord hatte. Das Auto war nicht so, wie ich wollte, aber als wir Benzin zugetankt hatten, hat es sich besser angefühlt. Das ist gut, denn das sollte uns im Rennen helfen."

Frage: "Du hast ein schweres Jahr hinter dir und hast nun hier ein konkurrenzfähiges Auto. Erzähl uns von dieser Entwicklung und von deiner Runde."
Button: "Es ist lange her, dass wire in konkurrenzfähiges Auto hatten. 2006 konnte ich es hier zuletzt auf die Pole stellen. Es war sehr schwer. Es gibt viele Leute, die trotzdem zu einem stehen - das ist fantastisch. Aber es gibt auch Leute, die das nicht tun und die nicht mehr an dich glauben. Das Wichtigste ist, dass wir als Team an uns glauben. Alles andere ist egal. Wir haben mit diesem Auto bewiesen, was wir können."

"Ich denke, dass sowohl Rubens als auch ich an diesem Wochenende bisher einen guten Job gemacht haben. Denn wir sind mit dem Auto ja noch gar nicht so viel gefahren. Man kann zwar sagen, dass das Auto sehr gut ist, aber man muss einige Runden damit fahren und es in den Griff bekommen. Dies ist ein großartiger Moment. Es ist nicht der wichtigste Moment des Wochenendes, aber ein guter Anfang."

Frage: "Du hast es geschafft, zum ersten Mal seit 1970 für ein neues Team gleich im ersten Rennen die Pole zu holen. Was bedeutet das für dich und das Team?"
Button: "Das ist fantastisch und es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Das Team bildet eine fantastische Einheit, es hat einen harten Winter zusammen durchgestanden, besser als ich ihn durchgestanden habe. Sie haben beweisen, dass sie zusammenhalten. Sie haben ein Auto gebaut, das jetzt schon gut ist, aber ich bin sicher, dass wir es noch besser machen können. Wir werden daran arbeiten, es ist hochverdient und ich kann dem Team nur danken. Wir werden dort jetzt viele glückliche Gesichter sehen, aber nicht nur im Team. Viele Leute haben diese Reise mit uns gemacht, deshalb ist es schön, hier zu stehen."

Frage: "Hättest du dir jemals erwartet, dass die Pole möglich ist, auch nach den guten Tests?"
Button: "Die Tests waren gut. Ich hatte ja nur drei Tage im Auto und es ist recht ungewöhnlich, dass man sich danach schon so wohl fühlt im Auto. Aber man will sich nicht zu früh freuen. Die Leute sagen einem immer, dass man nicht darüber nachdenken sollte, um die Pole oder um den Sieg zu fahren. Aber warum sollte man das nicht tun, es ändert ja nichts. Man muss positiv gestimmt ins Wochenende gehen. Und man muss niemanden wissen lassen, was man denkt."

"Ich bin optimistisch in dieses Wochenende gegangen und ich denke, dass es bei Rubens auch der Fall war. Denn wir haben ein gutes Auto und wir haben ein Team, das uns in die erste Startreihe bringen kann. Bisher war es ein gutes Wochenende. Andere Teams waren stärker, als ich erwartet hatte, deshalb war es etwas schwieriger als gedacht. Aber man braucht den Wettbewerb auch. Es ist einfach toll, auf der Pole Position zu stehen. Das ist mir zuletzt vor drei Jahren gelungen."

Frage: "Wenn du überrascht warst, dass andere Teams näher an euch dran waren als erwartet - warst du dir dann sicher, dass du und Rubens die Pole untereinander ausmacht?"
Button: "Das hofft man immer. Aber nach den Tests hatte ich schon erwartet, dass unsere Pace gut ist. Das war sie dann ja auch. Ich habe zwar nicht erwartet, dass unser Vorsprung größer ist, aber wenn ein anderes Auto nur ein oder zwei Zehntelsekunden hinter dir ist, denkst du schon 'Das ist knapp'. Aber nein: Ich habe wirklich nicht erwartet, dass Rubens und ich viel schneller als alle anderen sind. Doch es schien, als ob einige Autos das gleiche Tempo fahren können und das hat mich mehr als alles andere überrascht. Vier oder fünf Autos sind die gleiche Rundenzeit gefahren und sie waren nur zwei Zehntel hinter mir."

Frage: "Melbourne müsste eigentlich eine deiner Lieblingsstrecken sein?"
Button: "Nicht wirklich eigentlich. Das Qualifying ist für mich auch schon früher ganz gut gelaufen. Ich kann nur hoffen, dass das Rennen besser wird als 2006. Ich gehe davon aus. Es war einfach großartig, nach dem Wiegen an der Box vorbeizulaufen und das Lächeln in den Gesichtern all der Jungs zu sehen. Ich wusste nicht, dass das Lächeln noch da ist. Denn es ist zwei Jahre her, dass wir nach einem Rennen sagen konnten: 'Wow, das war fantastisch'. Ich muss ihnen für die harte Arbeit in den schwierigen Monaten und in der Saisonvorbereitung danken. Ich freue mich riesig auf das Jahr. Es ist toll, was man erreichen kann, wenn man das richtige Paket und ein Team hat, an das man glauben kann."

Frage: "Du bist ein alter Hase in der Formel 1. Wie außergewöhnlich ist die Performance des Autos und des Teams unter diesen Umständen? Übersteigt das sogar den eigenen Glauben?"
Button: "Das Gute für uns war, dass wir beim ersten Test in Barcelona eine sehr gute Vorstellung davon hatten, wo das Auto mechanisch und aerodynamisch hin musste. Das war wichtig, denn wir konnten ja nur sechs oder sieben Tage mit dem Auto testen. Das Gute an diesem Team ist: Wenn sie ein Auto bauen, findet man schon am ersten Tag, an dem man es fährt, die Grenzen heraus. Das ist toll und genau das, was man beim Testen braucht. Natürlich mussten wir in der Vergangenheit mit Autos arbeiten, die nicht so konkurrenzfähig sind. Doch dieses Auto war schon bei der ersten Ausfahrt gut."

"Wenn man zwei sehr schwierige Jahre hinter sich hat, beginnt man auch, über Kleinigkeiten nachzudenken. Man muss in jedem einzelnen Bereich nachlegen, um die Lücke nach vorn zu schließen. Wenn man an der Spitze fährt, vergisst man diese Kleinigkeiten vielleicht und konzentriert sich eher auf das Gesamtbild. Dass wir hier mit einem konkurrenzfähigen Auto antreten, ist für uns hoffentlich der Start in eine gute Saison. Wir wissen aber auch, dass wir das Auto noch in manchen Bereichen verbessern müssen. Aber diese Bereiche sind bei uns vielleicht kleiner als bei anderen Teams."

Ausblick auf das Rennen

Frage: "Die Lichtverhältnisse werden morgen auch ein Thema sein. Was sagst du als Fahrer dazu?"
Button: "Es wird schwierig mit dem Schatten und der tiefstehenden Sonne. Denn das ist keine normale Rennstrecke, sondern ein Park. Es gibt viele Bäume und es ist schwierig, wenn die Sonne durch die Bäume scheint. Kurve drei war bisher sehr schwierig. Es ist hart, aber für die, die vorn starten, ist es einfacher als für die, die hinten starten."

Frage: "Was könnte morgen zudem Probleme bereiten: Die Reifen oder gar die Bremsen?"
Button: "Ich hatte mit beiden gewisse Probleme. Die Bremsen sind hier ein bisschen ein Problem, weil die Strecke recht uneben ist. Das Bremspedal hat hier teilweise erst spät gegriffen. Aber das sollte in Ordnung sein, ich kann damit umgehen. Was die Reifen angeht: Es ist schwer, die härtere Mischung bei kühleren Temperaturen optimal zum Arbeiten zu bringen. Und es ist schwer, Graining bei den weichen Reifen zu vermeiden. Das wird morgen ziemlich hart werden. Das richtige Reifenmanagement wird im Rennen eine große Rolle spielen und daran haben wir auch gearbeitet."

Frage: "Das beste Auto mit KERS steht auf P7. Überrascht dich das oder kannst du erklären, warum das hier in Melbourne so ist?"
Button: "Die Frage ist: Wo wären sie ohne KERS? Das können wir nicht beantworten. Wir setzen KERS aus offensichtlichen Gründen nicht ein. Wir können es uns nicht leisten. Wir können uns nicht leisten, es zu entwickeln, deshalb haben wir kein System, das für uns passt. Aber von dem was ich gehört habe, erhoffen sich die Leute, die KERS fahren, auf Strecken mit langen Geraden einen Vorteil von zwei oder drei Zehnteln. Auf dieser Strecke gibt es keine langen Geraden. Vielleicht sind sie in Malaysia mit KERS im Vorteil, aber da müssen wir erst noch abwarten."

Fotoquelle: xpb.cc

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