Heute in Melbourne: Sponsor Richard Branson mit Erfolgsteamchef Ross Brawn

Formel 1 2009

— 28.03.2009

Like a Virgin: Bransons große Pläne für Brawn

Das Brawn-Team könnte noch dieses Jahr in Virgin umbenannt werden - Traumstart für die Partnerschaft mit Milliardär Richard Branson

Milliardär Richard Branson ist wahrscheinlich einer der charismatischsten und bekanntesten Geschäftsmänner der Welt - die Welt hat ihn schon auf Heißluftballons und Segelbooten freundlich lächeln gesehen. Nun ist der 58-Jährige also auch in der Formel 1 vertreten - mit seiner Virgin-Gruppe als Sponsor des Brawn-Teams.

Und Branson hätte es gar nicht besser treffen können, denn Jenson Button und Rubens Barrichello bescherten ihm gleich im ersten Qualifying in Melbourne die Startpositionen eins und zwei. Die Bilder gingen um die Welt, die - derzeit noch recht kleinen - Virgin-Logos immer mittendrin. Das bedeutet einen hohen Gegenwert am Beginn einer Partnerschaft, die "in den nächsten drei bis vier Wochen" noch massiv ausgebaut werden soll.

Emotionale Momente für Brawn

Es waren fast surreale Szenen, die sich im Albert Park abspielten: Während sich hinter ihm längst die Journalisten und Fotografen wie bei einem Rockkonzert in der ersten Reihe drängelten, starrte Teamchef Ross Brawn noch ungläubig auf den Zeitenmonitor. Der Brite ließ sich nach außen nichts anmerken, wirkte verkrampft, unterdrückte seine Emotionen. Dann huschte ihm doch ein entspanntes Lächeln übers Gesicht. Ein paar Meter weiter: Branson und Geschäftsführer Nick Fry.

Für Brawn ging mit dem heutigen Erfolg ein Traum in Erfüllung, doch dass das Team weiterhin seinen Namen tragen wird, steht noch nicht fest: "Sie wollen den Namen nicht für etwas verschwenden, was nichts bewirbt", hatte Branson bereits vor dem Qualifying im Rahmen einer Medienrunde erklärt. Auf die Frage, ob er es für möglich halte, den Namen von Brawn in Virgin zu ändern, antwortete er knapp: "Das ist sicher eine Möglichkeit."

Überhaupt werde man die Partnerschaft redimensionieren: "Das Team war in den vergangenen Wochen gelinde gesagt abgelenkt. Wenn wir länger Zeit gehabt hätten, könnten wir heute schon einen kompletteren Deal präsentieren." Unterschrieben wurde der Vertrag erst am Freitag, als Branson in den Flieger nach Melbourne stieg. Wie kurzfristig alles zustande kam, beweist die Tatsache, dass noch nicht einmal die erste Zahlung überwiesen wurde.

Krise bringt Virgin in die Formel 1

Kontakt zu Brawn bestand "seit zwei oder drei Monaten", sagte Branson, der sich früher immer aus der Formel 1 heraushalten wollte: "Ich verfolge den Zirkus schon seit Jahren, aber ich habe mich nie dazu verleiten lassen, weil es so ein teurer Sport war." Jetzt sehe er den Zeitpunkt wegen der Weltwirtschaftskrise, die eine Gesundschrumpfung der Budgets bewirkt, und wegen der kostensenkenden Regeländerungen als richtig an.

"Wir haben jetzt das Beste aus allen Bereichen: einen fantastischen Ingenieur, mit Virgin eine großartige Marke und eine Partnerschaft, die sich in den nächsten Jahren zu etwas Aufregendem entwickeln könnte", gab Branson zu Protokoll. Und er betonte: "Das ist erst der Anfang - wir werden das alles noch ausbauen." Spätestens beim Europaauftakt sollen die für den Saisonauftakt nur hastig aufgemalten Virgin-Logos auf dem BGP 001 deutlich größer werden.

"Die Idee, zehn Millionen Pfund oder Dollar in ein Sponsoring zu pumpen, war in der Vergangenheit nicht attraktiv für Virgin, also haben wir es nicht gemacht. Das mussten wir auch nicht", so der charismatische Abenteurer. "Auf jedem Flughafen stehen Virgin-Jets, auf jedem Bahnhof stehen Virgin-Züge - unser Name ist auch so präsent. Aber einem Außenseiterteam zu helfen, wenn es Hilfe braucht, das klang für mich verlockend."

Ecclestone war der Motor hinter dem Deal

Branson entschied sich zwar dagegen, das Honda-Team selbst zu übernehmen, und ließ Brawn den Vortritt, doch als Sponsor wird er 2009 zu "vier oder mehr" Rennen kommen. Außerdem wissen wir inzwischen: Hätte es mit Brawn nicht geklappt, dann hätte sich Bernie Ecclestone die Chance nicht nehmen lassen, die Marke Virgin als Seriensponsor zu akquirieren. Mit dem Elektronikkonzern LG gibt es bereits einen ähnlichen Deal.

Ecclestone war übrigens derjenige, der Branson als Erster mit Honda und Brawn ins Gespräch gebracht hat. Dabei ist der Virgin-Boss eng mit Adrian Reynard befreundet, einem in Motorsportkreisen überaus bekannten Fachmann. Hier schließt sich der Kreis: Reynard war 1999 einer der Gründungsteilhaber des BAR-Rennstalls, als dieser aus Tyrrell hervorging. 2006 wurde aus BAR Honda, 2009 aus Honda Brawn - und nun Virgin?

Sinn machen würde das, denn Branson will das Formel-1-Engagement nutzen, um für sein "sauberes" Benzin die Werbetrommel zu rühren. Dessen Entwicklung soll umgerechnet 750 Millionen Euro gekostet haben. Man stelle sich vor: Ein Virgin-Auto gewinnt mit Virgin-Benzin einen Grand Prix in einer umweltfreundlichen Weltmeisterschaft - diese Vision scheint der paradiesische Apfel zu sein, den Ecclestone Branson schmackhaft gemacht hat.

"Sauberes" Benzin in der Formel 1?

"Vor eineinhalb Jahren haben wir bekannt gegeben", so der grauhaarige Unternehmer, "dass wir all unsere Gewinne aus unseren 'unsauberen' Geschäftszweigen in die Entwicklung des 'sauberen' Benzins stecken werden. Wir haben dieses Benzin jetzt. Es wäre eine fantastische Möglichkeit, der Welt in der Formel 1 zu beweisen, dass dieses Benzin in ganz normalen Autos funktioniert." Er habe deswegen bereits Gespräche mit Mercedes geführt.

Für die Belegschaft in Brackley, die immer noch 700 Mitarbeiter umfasst, kommt der Virgin-Deal übrigens zu spät. Im Zuge der von Brawn eingeleiteten Umstrukturierung werden 275 Mitarbeiter abgebaut - ein entsprechendes Rundschreiben wurde bereits ausgeschickt. Honda wird die Abfindungen zahlen - und die sollen nicht schlecht sein: "Das Paket, das sie uns anbieten, ist ganz gut", wird ein Betroffener vom 'Banbury Guardian' zitiert.

Übrigens: Branson mag zwar ein unternehmungslustiger Mensch sein, aber in ein Formel-1-Auto wird er wahrscheinlich nie steigen. Vom aktiven Motorsport hat er seit einem Einladungsrennen im Rahmenprogramm der Königsklasse in Silverstone genug: "Ich war damals so langsam, dass die Leute geglaubt haben, ich sei Erster - dabei war ich so weit hinten! Das Auto selbst zu fahren, muss ich mir also nicht unbedingt antun..."

Fotoquelle: xpb.cc

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