Die Helden des ersten Rennens: Jenson Button und Rubens Barrichello jubeln

Formel 1 2009

— 29.03.2009

Melbourne: Brawns neues Dreamteam schlägt zu!

Doppelsieg für Button/Barrichello beim Auftakt in Melbourne, aber nicht ohne Glück: Sebastian Vettel schießt starken Kubica ab - Hamilton erbt Podestplatz

Das Märchen ist tatsächlich wahr geworden: 114 Tage nach dem Ausstieg von Honda aus der Formel 1 feiert das Nachfolgeteam um Retter Ross Brawn im Albert Park von Melbourne einen umjubelten Doppelsieg und schreibt damit Grand-Prix-Geschichte. Denn zum ersten Mal seit Wolf 1977 in Buenos Aires gelang es einem neuen Rennstall, gleich beim ersten Antreten zu gewinnen!

Bei Honda in Japan dürften sich einige Manager angesichts des heutigen Ergebnisses ordentlich in den Hintern beißen, aber das interessierte in der australischen Dämmerung - gestartet wurde erst um 17:00 Uhr Ortszeit - niemanden. Die Königsklasse hat ihr neues Dreamteam: "Ross, du bist eine Legende", jubelte Sieger Jenson Button nach der Zieldurchfahrt - und freute sich über das Glück von Teamkollege Rubens Barrichello in der Schlussphase.

Die Formel 1 steht Kopf

Dritter wurde nach Start aus der Boxengasse - bis zur späteren Strafe durch die Rennkommissare - Jarno Trulli im Toyota, Vierter Weltmeister Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), der somit fünf wertvolle Punkte für seine Titelverteidigung sammelte. Resümee: Die Formel 1 steht seit "Down Under" 2009 Kopf, das traditionelle Kräfteverhältnis der vergangenen Jahre ist zumindest vorerst Geschichte. Das bekam Ferrari heute am allerdeutlichsten zu spüren.

Doch der Reihe nach: Polesetter Button legte mit seinem Brawn-Mercedes einen wahren Raketenstart hin und setzte sich auch ohne KERS gleich auf den ersten paar Metern deutlich ab. Weniger gut erging es Barrichello, der ganz schlecht wegkam und weit zurückfiel. Dadurch wurde es in der ersten Kurve eng - und weil niemand nachgeben wollte, kam es zu einer Viererkollision zwischen Barrichello, Mark Webber (Red-Bull-Renault), Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) und Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes).

Webber und Heidfeld mussten daraufhin Reparaturstopps einlegen und spielten im weiteren Rennverlauf praktisch keine Rolle mehr, während Kovalainen mit einer gebrochenen Radaufhängung zwar noch bis an die Box fuhr, dort aber aussteigen musste. Mit dem Glück des Tüchtigen auf seiner Seite war Barrichello der einzige Beteiligte, der die Situation überstand - wenn auch mit einer lockeren rechten Frontflügelendplatte, die er sich später an Räikkönens Ferrari ganz abrasierte.

Button von Anfang an tonangebend

Button kam aus der ersten Runde mit unfassbaren 3,9 Sekunden Vorsprung (!) zurück und hatte Sebastian Vettel (Red-Bull-Renault), Felipe Massa (Ferrari), Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team), Kimi Räikkönen (Ferrari), Nico Rosberg (Williams-Toyota) und Barrichello im Schlepptau. Für die beiden gut gestarteten Ferraris setzte es jedoch einen frühen Rückschlag, weil sich ihre Entscheidung, auf weichen Slicks ins Rennen zu starten, als falsch herausstellte.

Die Pneus bauten nämlich so schnell ab, dass Massa und Räikkönen zunächst massiv einbrachen und dann ihre Boxenstopps vorziehen mussten - übrigens genau wie Hamilton, der bis zu seinem Reifenwechsel aber zumindest mit einigen tollen Überholmanövern für Furore sorgen konnte. Ganz so spannend wie sonst war diese Anfangsphase jedoch insofern nicht, weil man die Benzinmengen der verschiedenen Fahrer kannte und sich somit einen Reim auf die Pace machen konnte.

Durch Massas verschlissene Reifen setzten sich Button und Vettel an der Spitze wie ein D-Zug von den Verfolgern ab - schon nach 13 Runden hatten sie nach hinten mehr als eine halbe Minute Puffer! Interessant allerdings, dass Vettel den Rückstand bei gut vier Sekunden stabilisieren konnte, was auch an der etwas höheren Benzinlast des ansonsten überlegenen Brawn-Mercedes lag. Die Spannung blieb aber zunächst aufrecht.

Anfängerfehler von Nakajima

In Runde zwölf kam Kubica wie erwartet als erster Fahrer zum regulären Boxenstopp, während Rosberg auf den dritten Platz aufrückte und die Pace seines Boliden unter Beweis stellte - schon im Freien Training hatte er ja drei Bestzeiten absolviert. Auch Teamkollege Kazuki Nakajima robbte sich in jener Phase von hinten immer näher an das Paket hinter Button/Vettel heran. In der 16. Runde steuerten Vettel und Rosberg dann die Box an.

Weil bei Rosberg links vorne gepatzt wurde und die Standzeit mehr als 21 Sekunden betrug, war Nakajima plötzlich sogar auf Podiumskurs - aber in der 18. Runde ging seine Unerfahrenheit mit ihm durch, als er in der schnellen Linkskurve vor der ersten Zwischenzeit außen auf den Randstein kam, das Heck verlor und mit der Nase voran in die Mauer einschlug. Wegen der Wrackteile auf der Strecke musste das Safety-Car aktiviert werden.

Nach dem Restart flog Nelson Piquet (Renault) bei einer Attacke gegen Rosberg auf der Geraden bei Start und Ziel ab, ohne dass er den Gegner auch nur berührt hätte. Wie sich später zeigte, war das eine Folge der während der Safety-Car-Phase massiv abgekühlten Reifen. Im Mittelfeld ging es dann wegen der großen Unterschiede zwischen den beiden Reifenmischungen drunter und drüber, ehe Massa in der 31. Runde relativ früh die Serie der zweiten Boxenstopps eröffnete.

Ferrari und Melbourne, das passt nicht...

Für die Ferraris waren das die letzten Handlungen in Normalform, denn in der zweiten Rennhälfte holte Massa und Räikkönen wieder der Albert-Park-Fluch aus dem Vorjahr ein: Massa wurde mit technischen Problemen langsamer und musste in der 46. von 58 Runden aufgeben, während sich Räikkönen nicht nur einen überflüssigen Fehler erlaubte, fünfmal an die Box kommen musste und zum Schluss noch vor der Zieldurchfahrt entnervt ausstieg.

Indes wurde es im Finish an der Spitze noch einmal knapp, denn mit einer Serie an schnellen Runden verkürzte Kubica seinen Rückstand auf die beiden Führenden immer weiter. Als "Zwischenpuffer" Barrichello an dritter Stelle liegend seinen letzten Boxenstopp absolvieren musste, hatte Kubica als neuer Dritter nur noch vier Sekunden Rückstand auf Button - bei fünf zu fahrenden Runden. Zumindest Platz zwei schien damit greifbar.

Doch anstelle dank BMW Power und besserer Reifen problemlos an Vettel vorbeizugehen, kam es zur rennentscheidenden Szene: Kubica setzte sich vor Kurve drei außen neben den Deutschen, war mit der Nase voran, aber Vettel steckte nicht nach, bremste spät, ließ seinem Gegner auf der Außenbahn keinen Platz - und fuhr dem BMW Sauber F1.09 seitlich rein. "Sorry, Guys", meldete er sich gleich danach bei seiner Crew am Boxenfunk.

An ein Weiterfahren nicht zu denken

Kubica sah ein paar Meter weiter ein, dass an ein Fortsetzen des Rennens nicht mehr zu denken war, während Vettel mit drei Rädern zunächst auf der Strecke blieb. Denn: Es waren nur noch drei Runden zu fahren und das Safety-Car wurde auf die Strecke geschickt - was theoretisch ein Überholverbot bedeutet. Vettel ersparte sich dann aber die Diskussionen um die Auslegung dieser Regel, indem er mit einer ganzen Schlange Verfolger im Heck schlussendlich doch zur Seite zog und aufgab.

Hinter dem Safety-Car überquerte Button als Erster die Ziellinie, gefolgt von Barrichello, der durch Vettels missglückte Attacke den zweiten Platz erbte und das Märchen von Melbourne mit viel Glück perfekt machte. Dritter wurde Trulli nach einer starken Rennperformance von Toyota. Auch Teamkollege Timo Glock sorgte mit einigen beherzten Zweikämpfen für Furore. Nur einmal unterlief ihm dabei ein Fehler, als er sich bei einer Attacke gegen Alonso drehte.

Glock wurde als Fünfter abgewinkt und nimmt damit vier Punkte mit nach Hause; Sechster wurde Alonso, Siebenter Rosberg, der in der Schlussphase einen möglichen Podestplatz wegen der drastisch abbauenden Reifen verlor, und Achter Debütant Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari) aus der Schweiz. Buemi fuhr wie am Freitag und Samstag fehlerlos, zeigte einen soliden Speed, profitierte von den Ausfällen und wurde dafür belohnt.

Sutil schlägt Fisichella

Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) hatte heute keine realistische Chance auf Punkte, begeisterte aber mit einem tollen Manöver gegen seinen Stallgefährten Giancarlo Fisichella und ließ den Italiener als Zehnter auch um zwei Positionen hinter sich. Insgesamt sahen 13 Autos die Zielflagge - Lokalmatador Webber wurde nach einem verkorksten Nachmittag Letzter -; gewertet wurden aber wegen der zurückgelegten Distanz 16 der 20 gestarteten Teilnehmer.

Am Grünen Tisch gab es dann noch ein Nachspiel: Wegen Überholens während der Safety-Car-Phase wurde Trulli mit einer 25-Sekunden-Strafe belegt. Dadurch fiel er vom dritten auf den zwölften Platz zurück. Hamilton rückte auf das Podium auf, Sébastien Bourdais (Toro-Rosso-Ferrari) erbte einen Punkt. Außerdem kassierte Vettel (wegen Kollision) eine Rückversetzung in der Startaufstellung für Malaysia und Red Bull eine 50.000-Dollar-Strafe, weil Vettel nach dem Crash nicht sofort stehen blieb.

Schon in einer Woche in Malaysia kann es auf einer ganz anderen Strecke schon wieder ganz anders aussehen, aber die ersten Punkte sind einmal vergeben: Button führt klarerweise in der Fahrer-WM mit zehn Punkten, Brawn hat bei den Konstrukteuren mit 18 Zählern die Nase vor McLaren-Mercedes (6) und Toyota (5). Aber: Hinsichtlich der Legalität der Diffusorteams Brawn, Toyota und Williams fällt erst am 14. April die endgültige Entscheidung.

Fotoquelle: xpb.cc

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