Der beste Schluck Champagner seines Lebens: Ross Brawn auf dem Podium

Formel 1 2009

— 29.03.2009

Gerührter Brawn träumt vom WM-Märchen

Nach dem unglaublichen Doppelsieg seines Ex-Honda-Teams in Melbourne richtet Ross Brawn den Blick nun auf das nächste Projekt

Die Hauptaufgabe der Journalisten im Pressezentrum war es dieses Wochenende in Melbourne, sich immer neue Superlative für die unfassbare Performance des Brawn-Teams einfallen zu lassen. Es ist eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch: Vor 114 Tagen von Honda für tot erklärt, feierte der Rennstall heute einen aufgrund der Pace des BGP 001 verdienten Doppelsieg.

"Ich bin noch ganz baff. Das war etwas ganz Besonderes", sagte der stolze Teamchef Ross Brawn, als er champagnerdurchnässt mit der Trophäe für den siegreichen Konstrukteur in der Hand vom Podium zurückkam und im Fahrerlager auf die wartenden Reporter traf. "Ich bin in der glücklichen Lage, das schon oft erlebt zu haben, aber heute war es wirklich etwas ganz Außergewöhnliches. Ich kann es nicht in Worte fassen."

Kein Spaziergang im Park

Wie nach der Doppelpole im Qualifying und der Veröffentlichung der Benzinmengen erwartet geriet Brawn im Rennen eigentlich nie in Gefahr. Jenson Button fuhr von der ersten bis zur letzten Runde perfekt und feierte einen souveränen Sieg, während Rubens Barrichello ein bisschen Glück hatte: Der Brasilianer ließ sich am Start in eine Kollision verwickeln, touchierte später Felipe Massas Ferrari und profitierte am Ende auch noch von Sebastian Vettels Rammstoß gegen Robert Kubica.

"Rubens hatte am Start diesen Zwischenfall, bei dem sein Auto beschädigt wurde, und Jenson achtete die ganze Zeit auf die Reifen. Und dann war da noch das Safety-Car, das auch nicht gerade geholfen hat", winkte Brawn ab, als er von einem Journalisten auf den "Spaziergang im Park" angesprochen wurde. Und: "Vettel war sehr schnell und blieb in Schlagdistanz. Das haben wir nicht auf die leichte Schulter genommen."

Die vielleicht größte Angst war angesichts der Überlegenheit auf der Strecke, dass der BGP 001 oder der Mercedes-V8-Motor vor Ende der 58 Runden den Dienst quittieren könnten. Aber die beiden Boliden liefen zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Für Brawn war das eine große Erleichterung: "Das war unsere erste Renndistanz heute! Es hat geklappt", sagte er fast ungläubig und fügte an, dass er sich nun "ein paar Gläschen Champagner" gönnen werde.

Stärkste Gegner: Red Bull und BMW

Von den Gegnern schätzt Brawn "Red Bull und BMW" im Moment am stärksten ein - sein Ex-Team Ferrari und McLaren-Mercedes erwähnte er mit keinem Wort. Doch bei aller Euphorie nach dem heutigen Doppelsieg ist dem Altmeister klar, dass es nicht immer in dieser Tonart weitergehen wird: "Die Konkurrenz darf man nicht unterschätzen, die werden sehr schnell aufholen. Aber Träume darf man doch haben! Wer weiß, vielleicht gibt es noch ein Märchen..."

Was er damit meint, ist klar: den Gewinn des WM-Titels! "Wir haben offensichtlich ein sehr gutes Auto und der Sieg sollte den Jungs das nötige Selbstvertrauen verleihen", unterstrich der 54-Jährige. Bitter für Honda: Die Japaner hätten nur ihr Engagement nicht beenden dürfen, um in der Formel 1 endlich auf WM-Kurs zu gelangen. Dennoch hatten sie genug Größe, um Brawn bereits vor dem Rennen telefonisch zur tollen Premiere zu gratulieren: "Sie sind sehr zufrieden", grinste der Teamretter.

Wie zutreffend der Satz "Wie Phoenix aus der Asche" in Zusammenhang mit Brawn ist, beweist übrigens auch eine andere Geschichte: Als der neue Mann der Stunde in der Formel 1 vor dem Start von einer TV-Reporterin darauf angesprochen wurde, dass ihm der schwarze Overall mindestens genauso gut steht wie der rote aus Ferrari-Zeiten, entgegnete er grinsend: "Ich konnte mir die Farbe nicht aussuchen, denn wir haben die Dinger erst vor zwei Wochen gekauft..."

Fotoquelle: xpb.cc

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