John Howett ist davon überzeugt, dass Toyotas Diffusor den Regeln entspricht

Formel 1 2009

— 30.03.2009

Toyota hat keine Angst vor dem Berufungsgericht

Toyota-Teampräsident John Howett erklärt, warum er nicht mit weiteren Diffusorproblemen rechnet, und er spricht über die Auswirkungen auf die FOTA

Wenn das Internationale Berufungsgericht der FIA am 14. April in Paris das nächste Mal zusammenkommt, werden die Toyota-Anwälte gleich in doppelter Funktion kämpfen: Erstens geht es darum, den dritten Platz von Jarno Trulli in Melbourne zu retten, der ihm wegen Überholens während einer Safety-Car-Phase genommen wurde, und zweitens um die strittigen Diffusoren.

Bekanntlich setzt Toyota ähnlich wie Brawn und Williams beim hinteren Ende des Unterbodens auf ein Konzept, das sich von dem der anderen Teams unterscheidet und das Reglement besser interpretiert. Der Zeitvorteil soll bei etwa 0,5 Sekunden pro Runde liegen. Das bestreiten die drei Teams zwar vehement, konkrete Zahlen aus Vergleichstests kann aber niemand liefern: "So etwas haben wir nie gemacht", so Toyota-Teampräsident John Howett gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Start in Melbourne war nie in Gefahr

Ferrari, Renault und Red Bull haben in Melbourne gegen Toyota, Brawn und Williams Protest eingelegt, doch der wurde von den FIA-Rennkommissaren abgeschmettert. Dagegen gingen die protestierenden Teams in Berufung, sodass eine endgültige Entscheidung erst am 14. April fahren wird. Aber was wäre passiert, wenn die Kommissare dem Protest stattgegeben hätten? "Dann wären wir unter Protest trotzdem gefahren", meint Howett.

Im Endeffekt läuft es auf das Gleiche hinaus - auf den 14. April. Dort werden Ferrari, Renault und Red Bull voraussichtlich argumentieren, dass die strittigen Diffusoren streng genommen nicht gegen den Wortlaut des Reglements verstoßen, sehr wohl aber gegen dessen Geist. Die Anwälte von Toyota, Brawn und Williams wiederum haben die Aufgabe, eine starke Verteidigung zu präsentieren. Laut Howett sollte das ein Selbstläufer sein.

Der Brite geht davon aus, dass die FIA die Diffusoren auch in letzter Instanz als legal ansehen wird: "Wir haben die Regeln genau studiert. Uns war bewusst, dass bei so signifikanten Regeländerungen das Risiko besteht, dass andere das Reglement nicht so wie wir lesen und dass sie dann unglücklich sein könnten. Daher haben wir uns im Vorfeld bei mehreren Leuten versichert, dass unsere Auslegung korrekt ist", so Howett. Unter anderem habe FIA-Inspektor Charlie Whiting seinen Segen gegeben.

Brawn am illegalsten?

Im Fahrerlager hört man, dass von den drei beschuldigten Teams Toyota mit der "legalsten" Variante unterwegs ist, dann kommt Williams - und Brawn soll mit seinem Konzept, das mit einem "Doppeldecker" eigentlich nicht viel zu tun hat, am meisten gefährdet sein. Howett verneint: "Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Meine Meinung ist, dass einige, die Protest eingelegt haben, das Konzept nicht verstehen, das dahinter steckt."

Unsinn ist seiner Meinung nach auch die Behauptung von BMW Motorsport Direktor Mario Theissen, wonach man diese Richtung in der Entwicklung der Diffusoren nicht einschlagen sollte, um nicht wieder Ground-Effect-Autos zu bekommen: "Das sehe ich anders, schließlich haben wir keine Schürzen mehr. Außerdem haben die aktuellen Autos weniger Anpressdruck als die letztjährigen", meint Howett und stützt damit eine Aussage von Sam Michael gegenüber 'Motorsport-Total.com'.

Kein Informationsfluss von Grove nach Köln

Apropos Michael: Dessen Williams-Team fährt mit Kundenmotoren von Toyota - reiner Zufall, dass die Unterbodenregel in Grove genauso ausgelegt wurde wie in Köln? "Wir liefern die Motoren, aber auf der Strecke sind wir Gegner", winkt Howett entschieden ab. "Man sieht im Fernsehen und auf Fotos, dass die Designs der drei betroffenen Teams sehr unterschiedlich sind - genau wie bei den anderen sieben Teams auch."

Ein weiterer Aspekt der Diffusordiskussion ist, dass sich unter den Teams in Melbourne zwei Fronten gebildet haben: auf der einen Seite Toyota, Brawn und Williams, auf der anderen Ferrari, das BMW Sauber F1 Team, Renault und Red Bull. Neutral verhalten und nicht protestiert haben lediglich McLaren-Mercedes, Toro Rosso und Force India. Da liegt die Frage an den FOTA-Vizechef Howett nahe, ob das die Teamvereinigung spalten könnte.

"Ich glaube nicht, dass uns das spalten kann, solange alles professionell abläuft", sagt er. "Als wir die FOTA gegründet haben, wurde vereinbart, dass wir in strategischen Belangen hinsichtlich der Zukunft der Formel 1 zusammenarbeiten, aber auf der Rennstrecke weiterhin Konkurrenten bleiben. Solange die Prozeduren des Internationalen Sportkodexes eingehalten werden, hat das alles mit unserer Mitgliedschaft in der FOTA nichts zu tun."

Fotoquelle: xpb.cc

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