In Sepang wurden viele Streckengebäude im Pagodenstil gebaut

Formel 1 2009

— 01.04.2009

Sepang-Vorschau: Die heiße Jagd im Pantherstaat

Vorschau auf den oft heißesten Grand Prix des Formel-1-Jahres: Oder kommt in Malaysia in diesem Jahr der große Wolkenbruch?

"Selamat Datang" steht in großen Buchstaben am internationalen Flughafen von Kuala Lumpur, das bedeutet "Willkommen". Willkommen geheißen wird am kommenden Wochenende auch wieder der Formel-1-Tross, denn am 5. April geht es in die zweite Runde der diesjährigen Formel-1-Weltmeisterschaft. Die Teams sind wieder zu Gast in Südostasien.

Die Hitze und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit von nicht selten bis zu 90 Prozent werden nicht nur den Menschen, sondern auch dem technischen Equipment zu schaffen machen. Die Herausforderung ist besonders groß, da die Motoren in Sepang bereits das zweite Rennwochenende absolvieren, während auch die Reifen im Qualifying und im Rennen die extremen Bedingungen durchstehen müssen. Vor allem die Tatsache, dass beide extrem unterschiedlichen Reifentypen im Rennen eingesetzt werden müssen, könnte für zusätzliche Spannung sorgen.


Beliebt bei Fahrern und Teams

Die meisten Formel-1-Fahrer, Teammitglieder und Fans kommen trotz der enormen Hitze sehr gerne nach Malaysia, denn der Sepang International Circuit zählt zu den schönsten im gesamten Formel-1-Kalender. Der Kurs liegt etwa drei Kilometer östlich des Flughafens und ist am einfachsten und billigsten mit einem Taxi über die Autobahn zu erreichen.

Etwa 75 Kilometer von der Hauptstadt Kuala Lumpur entfernt ist Sepang von tropischen Wäldern umgeben und die pagodenartigen Dächer der Tribünen verleihen der Anlage ein ganz besonderes Flair. Hat man dann auch noch das Glück, einen Platz hoch oben am Ende der Gegengerade zu ergattern, kann man beide Seiten des 5,543 Kilometer langen Kurses einsehen.

Das Projekt war von Anfang an ehrgeizig: Der Aachener Architekt Hermann Tilke entwarf die Strecke mit dem Vorteil, dass er das brachliegende Land frei nutzen konnte. Mit bis zu 16 Metern ist sie eine der breitesten Pisten im Kalender und besitzt quasi zwei Start- und Zielgeraden, die fast parallel verlaufen und die Zuschauerkapazität an der Strecke massiv erhöhen, wobei noch nie ein Rennen ausverkauft wurde, da die Ticketpreise nicht dem geringen Lohnniveau von Malaysia angepasst sind.

Kuala Lumpur, im Volksmund kurz "KL" genannt, ist auch ohne Grand Prix eine Reise wert. Die berühmteste Attraktion der Dreimillionenstadt sind sicher die Petronas Twin Towers, die 451,9 Meter hoch in den Himmel ragen. Ein Gang über die Skybridge, die im 42. Stockwerk die beiden Türme verbindet, und der Ausblick von der 84. Etage sind atemberaubend. Kein Tourist sollte sich das entgehen lassen.

An hohen Gebäuden mangelt es Kuala Lumpur keineswegs. Auf dem Menara Kuala Lumpur vor den Petronas Towers, dem Blickfang der Stadt, kann man in luftiger Höhe gemütlich speisen. Lohnenswert sind auch Besuche am Central Market, in Little India, Chinatown, das Sultan-Abdul-Samat-Gebäude oder auch Masijd Jame, der ältesten und schönsten Moschee Kuala Lumpurs. Keinesfalls versäumen sollte man auch die Batu-Hindu-Höhlen und den Thean-Hou-Tempel. Auf der Jalan Ampang vermitteln einem die alten Gebäude den Eindruck, um 100 Jahre zurückversetzt zu sein.

Wo feiert man am besten die Nacht durch?

Wer nach all den Besichtigungstouren noch Kraft hat, sich ins Nachtleben zu stürzen, kann in Kuala Lumpur problemlos bis zum Morgengrauen feiern. Auf der Jalan Bukit Bitang reiht sich Diskothek an Pub und Nachtclub. Um sich für das Nachleben zu stärken, bietet die Stadt zahllose kulinarische Möglichkeiten. Die malaysische Küche ist durchaus auch etwas für Feinschmecker.

Wer es etwas ruhiger mag, ist in den zahlreichen Themenparks am richtigen Ort. An den riesigen Pools in der Sunway-Lagune oder am See im Mines-Beach-Resort kann man wunderbar entspannen und das tropische Klima sowie die Gastfreundlichkeit der Menschen genießen.

Fans, die Fahrer einmal aus der Nähe sehen wollen und sich nicht jeden Tag vor das Pan Pacific Hotel am Flughafen KLIA stellen wollen, sollten vor dem Rennen nach Langkawi, Penang oder ins thailändische Phuket fahren, wo die meisten Piloten einen kurzen Urlaub machen, um sich an das ungewohnte Klima zu gewöhnen.

Die 85 Millionen Euro teure Strecke selbst ist seit ihrem Debüt im Jahr 1999 bekannt für ihre abwechslungsreichen Rennen. Dafür sorgte nicht nur der Architekt Tilke, der eine extrem breite Strecke mit Überholmöglichkeiten schaffte, sondern auch das Wetter, das immer wieder für Durcheinander sorgt. Und wenn es regnet, dann regnet es kurz und heftig, wie man das in den Tropen eben gewöhnt ist. Auch wenn seit Ende März die Regenzeit schon vorbei ist, ist die Regenwahrscheinlichkeit im April immer noch sehr hoch.

Malaysia stellte neue Rekorde in vielerlei Hinsicht auf. Mit 75.000 überdachten Zuschauerplätzen bietet der Kurs von Sepang den Zuschauern so viel Luxus wie keine andere Formel-1-Rennstrecke. Dank Kunstrasen und hunderter Palmen kommt Urlaubsfeeling auf, wenn die Formel-1-Motoren schweigen und nicht gerade das Militär mit Düsenjägern Demonstrationsflüge unternimmt. 6.000 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Veranstaltung reibungslos verläuft und es keine Parkplatzprobleme gibt.

Gute Karten haben jene Piloten, die topfit sind. Rund vier Liter müssen die Fahrer schon Tage vorher tagtäglich trinken, um für die Schweißschlacht von Sepang gerüstet zu sein. Die Mechaniker gönnen sich immer wieder vor großen Ventilatoren eine Auszeit und selbst die VIP-Gäste verbringen lieber den Großteil ihrer Zeit in den vollklimatisierten Räumen anstatt sich der drückenden Schwüle auszusetzen.

Tribünen bleiben oftmals leer

Zwar hat man den Rennstart in diesem Jahr auf 17 Uhr Ortszeit (11 Uhr MESZ) verschoben, doch weil aufgrund der Zeitverschiebung, der Reisestrapazen und des für Europäer ungewohnten feucht-warmen Klimas kaum Fans aus Europa nach Malaysia reisen, setzen die Organisatoren auf Besucher aus dem asiatischen Raum. Die Begeisterung für die Formel 1 in Malaysia ist zwar groß, die Malaysier können sich aber zumeist keine Eintrittskarte leisten. Das ist auch der Grund, warum die Tribünen oftmals ziemlich leer sind.

Dabei hat der 5,543 Kilometer lange Kurs, den die Piloten am Sonntag 56 Mal umrunden werden, jede Menge zu bieten, was zu einem interessanten Rennverlauf sorgt: Drei der insgesamt 15 Kurven sind sehr langsam, vier Kurven, die im dritten Gang durchfahren werden, vier Kurven, die im vierten Gang gefahren werden und zwei Kurven, welche sehr schnell im fünften Gang durchfahren werden. Außerdem weist der Kurs zwei lange parallele Geraden auf, die beide rund 800 Meter lang sind.

Wegen der engen Kurven und der langen Geraden ist es nicht leicht, für die Strecke das passende Setup zu finden. Die Herausforderung ist es, die Autos auf die unterschiedlichen Ansprüche abzustimmen, sprich genügend Geschwindigkeit auf den Geraden zu haben, gleichzeitig aber auch ausreichend Abtrieb für die Kurven zu besitzen.

Körperlich gehört der Kurs mit zu den anstrengendsten Rennstrecken. Daran ist nicht nur das für Europäer unglaublich ermüdende Klima schuld, sondern auch die Streckenführung. Zwei Kurven zerren mit der dreifachen Erdanziehungskraft an der Nackenmuskulatur der Fahrer, sieben weitere Kurven belasten die Fahrer immerhin mit 2 G oder darüber.

Der Asphalt ist eben, das Gripniveau hoch. Die Bremsen werden nicht überdurchschnittlich belastet. Der Vollgasanteil beträgt 65 Prozent, der Benzinverbrauch bewegt sich auf mittlerem Niveau. Wäre da nicht die enorme Hitze, so wäre das Rennen für die Autos nicht überdurchschnittlich anfordernd.

Malaysia-Grand-Prix-Zeitreise:
2008:
Nach einer Pleite zum Saisonauftakt in Melbourne kann Ferrari beim Grand Prix in Malaysia zurückschlagen. Kimi Räikkönen sichert sich einen souveränen Erfolg während sein Teamkollege Felipe Massa weiter vom Pech verfolgt wird. Der Brasilianer scheidet zur Halbzeit nach einem Dreher aus. Weil McLaren-Mercedes beim Boxenstopp von Lewis Hamilton patzt, der Brite viel Zeit verliert und letztlich Fünfter wird, ist die Bahn frei für zwei aufstrebende Youngster. Robert Kubica und Heikki Kovalainen sichern sich die weiteren Podestplätze. Nick Heidfeld bietet den Zuschauern eine schöne Show. Zuerst stürmt der Mönchengladbacher beim Start nach vorn, fällt dann wieder zurück, um schließlich als Sechster ins Ziel zu kommen. Sebastian Vettel (Toro Rosso) und Adrian Sutil (Force India) stellen ihre Autos mit Hydraulikproblemen ab. Nico Rosberg (Williams) und Timo Glock (Toyota) krachen früh im Rennen zusammen.

2007:
Ferrari ist an diesem Wochenende eigentlich das dominierende Team, aber dennoch endet der Grand Prix von Malaysia mit einem Doppelsieg für McLaren-Mercedes: Von den Startpositionen zwei und vier schieben sich Fernando Alonso und Lewis Hamilton in der ersten Kurve ganz nach vorne. Hamilton liefert sich einen sehenswerten Zweikampf mit Felipe Massa (Ferrari), im Zuge dessen sich Massa in die Botanik dreht und zurückfällt, während sich vorne Alonso immer weiter absetzen kann. Die Silberpfeile fahren ihren Doppelsieg sicher nach Hause, gefolgt von Kimi Räikkönen (Ferrari), Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) und Massa. Alexander Wurz (Williams) zeigt im Rennen die meisten Überholmanöver, wird aber trotzdem nur Neunter.

2006:
Polesetter Giancarlo Fisichella kann Renault-Pilot und Teamkollege Fernando Alonso die Schau stehlen und sichert sich vor dem Spanier den Sieg. Für Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) ist das Rennen nach einer Kollision mit Christian Klien (Red Bull Racing) vorläufig gelaufen, Nico Rosberg (Williams-Cosworth) strandet nach einem Motorschaden ebenso wie Nick Heidfeld im BMW Sauber F1.06. Jenson Button im Honda sichert sich den dritten Rang vor Juan-Pablo Montoya im zweiten McLaren-Mercedes. Ferrari ist klar unterlegen und kommt mit Felipe Massa und Michael Schumacher auf den Plätzen fünf und sechs ins Ziel. Ralf Schumacher holt als Achter im Toyota einen Punkt.

2005:
In Malaysia beginnt Renault-Pilot Fernando Alonso seine Siegesserie. Ungefährdet fährt der Spanier dem Erfolg entgegen, im Hinterfeld aber gibt es einige Scharmützel. So geraten Giancarlo Fisichella (Renault) und Mark Webber (Williams) aneinander. Schwach hingegen die Vorstellung von Ferrari: Michael Schumacher rettet als Siebenter zwei Punkte, kommt aber nie richtig in Fahrt. Die Bridgestone-Reifen haben einen Verschleiß, der keine besseren Leistungen ermöglicht. Die Überraschung des Rennens ist Jarno Trulli, der Toyota den ersten Podestplatz in der Formel 1 beschert. Auch Nick Heidfeld (Williams) kann mit Rang drei überzeugen.

2004:
In Malaysia deutet Michael Schumacher endgültig an, dass Ferrari 2004 überlegen ist. Der Weltmeister sichert sich Pole-Position, kommt am Start auch am besten Weg. Der sensationelle Trainingszweite Mark Webber im Jaguar bleibt dagegen fast stehen. Juan-Pablo Montoya im Williams etabliert sich schnell als zweite Kraft, zu einem Kampf an der Spitze kommt es aber nicht. Dahinter jedoch entbrennt ein Kampf um den verbleibenden Podestplatz. Letztlich kann Jenson Button im BAR-Honda seine erste Zielankunft unter den ersten Drei feiern. Vierter wird Rubens Barrichello vor Jarno Trulli (Renault), David Coulthard (McLaren-Mercedes), Fernando Alonso und Felipe Massa, der den ersten Saisonpunkt für Sauber einfährt. Nick Heidfeld fällt im Jordan mit Getriebeproblemen aus.

2003:
Fernando Alonso im Renault startet als jüngster Rennfahrer von seiner ersten Pole-Position aus. Michael Schumacher muss sich nach einer Kollision mit Jarno Trulli im zweiten Renault einen neuen Frontflügel abholen und zudem eine Zeitstrafe absitzen. Antonio Pizzonia im Jaguar ruiniert Juan-Pablo Montoya das Rennen, als er dem Williams-Piloten ins Heck kracht. Das Rennen gewinnt Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes dank guter Boxenstoppstrategie und fehlerfreie Fahrt von Rubens Barrichello im Ferrari und dem fiebrigen Fernando Alonso. Ralf Schumacher wird Vierter, sein Bruder nach Aufholjagd noch Sechster.

2002:
Der Grand Prix beginnt mit einer Karambolage zwischen Juan-Pablo Montoya und Michael Schumacher am Start, die beide weit zurückwirft. Bei brütender Hitze nützt Ralf Schumacher die Gelegenheit, setzt sich vom Feld ab und gewinnt dank fantastischer Performance von Michelin ungefährdet. Hinter ihm setzten Montoya und Schumacher zu einer furiosen Aufholjagd an, die dem Duo noch die Plätze zwei und drei einbringt.

2001:
Im Regenchaos geht Ferrari zuerst wie viele andere unter. Michael Schumacher und Rubens Barrichello fliegen parallel von der Rennstrecke, dann muss Schumacher an der Box hinter seinem Kollegen warten, bis dieser abgefertigt ist, um auch selbst Regenreifen aufziehen zu können. Doch die roten Boliden bahnen sich ihren Weg nach vorne wie ein heißes Messer durch die Butter. Am Ende holt Michael Schumacher seinen sechsten Sieg in Folge vor Teamkollege Barrichello. Acht der 22 Fahrzeuge sehen das Ziel nicht.

2000:
Mit roten Perücken feiert das Ferrari-Team mit Michael Schumachers Sieg den Gewinn des Konstrukteurstitels. Jaguar-Pilot Johnny Herbert verabschiedet sich mit einem Bruch der Hinterradaufhängung aus der Formel 1 und verletzt sich am Knie.

1999:
Michael Schumacher feiert nach sechs Rennen Pause nach seinem Silverstone-Crash ein bemerkenswertes Comeback und lässt die Konkurrenz im Qualifying wie im Rennen alt aussehen. Den Sieg schenkt Schumacher aber seinem Teamkollegen Eddie Irvine, der zu dieser Zeit noch um den Titel fährt. Beide Autos werden jedoch wegen eines angeblich illegalen Windabweisers aus der Wertung genommen. Damit ist Mika Häkkinen Weltmeister - bis Ferrari die Punkte am grünen Tisch wieder zurückerhält und die Entscheidung erst in Japan fallen wird.

Fotoquelle: xpb.cc

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