Adam Parr: Budgetobergrenze ja, zwei Reglements wie für 2010 geplant nein...

Formel 1 2009

— 02.04.2009

Teams lehnen Mosleys Parallelreglement ab

2010 soll mit einer freiwilligen Budgetobergrenze ein Parallelreglement kommen, doch die Teams lehnen das ab - Williams bevorzugt anderes Modell

Am 17. Mrz hat der FIA-Weltrat beschlossen, dass 2010 eine Budgetobergrenze von umgerechnet 33 Millionen Euro in der Formel 1 gelten wird. Diese soll zunchst auf freiwilliger Basis kommen: Es steht den Teams frei, weiterhin mehr Geld auszugeben, doch diejenigen, die sich an die Obergrenze halten, genieen zustzliche technische Freiheiten.

Diese Freiheiten sind: ein aerodynamisch effizienterer, dafr aber standardisierter Unterboden, verstellbare Flgel und freie Motorenentwicklung ohne vorgeschriebenes Drehzahllimit (derzeit 18.000 Umdrehungen pro Minute). Sollte durch diese Manahmen jedoch ein gravierendes Ungleichgewicht zwischen den Teams entstehen, dann darf die FIA jederzeit regulierend eingreifen. De facto wrden also zwei unterschiedliche Reglements gelten.

Wie 17 gegen elf Mann beim Fuball

Die Teams knnen damit wenig anfangen: "Uns kommt das ein bisschen so vor, als wrde im Fuball eine Erstligamannschaft mit elf Spielern gegen eine Zweitligamannschaft mit 16 oder 17 Spielern antreten mssen", kritisiert Toyota-Teamprsident John Howett im Gesprch mit 'Motorsport-Total.com'. Die Knigsklasse sei eben deswegen die Knigsklasse, "weil sie keine Einheitsserie ist - das war sie noch nie und das macht sie so besonders. Es wre traurig, das zu verlieren."

Howett kann sich auch schwer vorstellen, wie die FIA das Gleichgewicht zwischen den 33-Millionen-Euro- und den brigen Teams halten will. Mario Theissen verweist in diesem Zusammenhang auf das Chaos, das in Sachen quivalenzformel in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft stattfindet, die ebenfalls von der FIA reglementiert wird. Und vor allem fragen sich alle: Wie soll der Zuschauer in seinem Wohnzimmer zwei verschiedene Reglements durchblicken?

Viele vermuten hinter diesem Beschluss eine Machtdemonstration von FIA-Prsident Max Mosley, denn: "Ich glaube nicht, dass das das ist, was Max will. Ich glaube, niemand will zwei unterschiedliche Reglements, die knstlich in der Balance gehalten werden mssen", so Williams-Geschftsfhrer Adam Parr gegenber 'Motorsport-Total.com'. "Zwei unterschiedliche Reglements stellen ein groes Risiko dar, dass eine Gruppe im Vorteil sein knnte."

"Max glaubt, dass er das ausgleichen kann. Davon muss er uns aber erst einmal berzeugen", zeigt sich Parr skeptisch. Williams stehe zwar wie die meisten FOTA-Teams einer Budgetobergrenze nicht grundstzlich ablehnend gegenber, doch ber die Zahlen und vor allem ber die Umsetzung msse man sich noch einmal mit Mosley unterhalten, denn: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Variante mit der Budgetobergrenze fr uns durchfhrbar wre."

Howett kritisiert zu einfache Darstellungen

"Wir glauben nicht", wirft FOTA-Vizechef Howett in Richtung Mosley ein, "dass es zielfhrend ist, einzeilige Headlines in die Welt zu setzen, die falsch interpretiert werden knnen. Wir haben in fnf bis sechs Monaten sehr viel erreicht - da wird noch mehr kommen - und wir wollen nicht als machtbesessene Organisation wahrgenommen werden. Wir wollen die richtigen Entscheidungen treffen, um diesen Sport noch toller zu machen, als er ohnehin schon ist."

Da sei es der falsche Weg, mit Schnellschssen wie der "Winner-takes-it-all"-Regel, die in letzter Minute auf 2010 verschoben wurde, oder eben mit dem Parallelreglement alles auf den Kopf zu stellen. Doch die Teams wehren sich im Gegensatz zu frher keineswegs grundstzlich gegen einen Sparkurs in der Formel 1, sondern sie wnschen sich andere Manahmen als die Radikalkur der FIA. Aus genau diesem Grund wurde im Sommer 2008 die FOTA gegrndet.

"Wir haben in Sachen Einsparungen schon viel erreicht, aber die Show hat darunter nicht gelitten", hlt Parr fest. "Im Gegenteil: Das Rennen in Melbourne war viel spannender als vor einem Jahr - und das nicht nur wegen der Unflle! Wir haben einige tolle Zweikmpfe gesehen, wir haben ziemlich unterschiedliche Designs der Autos. Wir haben einige Autos mit KERS, einige ohne, wir haben verstellbare Flgel, Slicks - man erkennt die Formel 1 nicht wieder."

"Das ist aufregend und dramatisch. Genau so sollte es sein. Aber wir mssen noch mehr tun", fhrt er fort. "Wir als Teams haben die bisherigen Einsparungen durch zwei Mechanismen erreicht: Den Stopp von Aktivitten wie Testfahrten und die Erhhung der Lebensdauer von Motor und Getriebe. Das waren massive Kostenpunkte. Wir verwenden dieses Jahr nur noch acht Motoren pro Saison. Frher waren es mehr als 50."

Williams fordert Budgetobergrenze

Parr ist aber klar, dass das noch nicht alles gewesen sein kann, gerade im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld. Daher denkt er schon an die nchste Stufe: "Das muss die Budgetobergrenze sein", so der Brite. "Denn wenn man die technischen Einschrnkungen noch enger zieht, dann ist erstens der Fortschritt pro ausgegebenem Euro vernichtend klein und zweitens wrde es den Charakter der Formel 1 verndern. Das wollen wir vermeiden."

"Es gibt zwei Welten: Einmal eine wie jetzt, mit allen finanziellen Freiheiten, aber sehr restriktiven technischen Reglements, und einmal eine Welt mit finanziellen Einschrnkungen, aber vielen technischen Freiheiten. Letzteres wre uns lieber", meint Parr. Allerdings legt er groen Wert darauf, dass die Budgetobergrenze nicht wie von Mosley vorgeschlagen an ein Parallelreglement gekoppelt sein sollte. Wenn, dann mssen seiner Meinung nach fr alle gleiche Voraussetzungen gelten.

"Eine Budgetobergrenze", philosophiert Parr, "ist im Grunde nichts anderes als ein limitiertes Budget. Wir bei Williams haben keine unbegrenzten Ressourcen. Sollten wir zum Beispiel unseren Diffusor umbauen mssen, dann mssten wir dafr erstmal Geld finden." Man stelle sich vor, es wrde bereits das 33-Millionen-Euro-Limit gelten, dann msste Williams einen etwaigen Umbau des Diffusors vom geplanten Budget abziehen - ohne Chance, das Geld woanders wieder einzunehmen...

Skepsis herrscht freilich nach wie vor hinsichtlich der Kontrollierbarkeit einer Budgetobergrenze. Wer soll feststellen, wenn zum Beispiel Toyota ein geheim angefertigtes Modell nicht in Kln, sondern irgendwo in Japan in einen unbekannten Konzernwindkanal schiebt? Wie werden nicht finanziell geregelte Kooperationen mit externen Zulieferern gehandhabt? Hier gibt es noch einige Fragen zu klren. Aber Parr glaubt, dass das nicht unmglich ist.

Parr glaubt an das Gute in den Konzernmanagern

"Aus zwei Grnden", wie er sagt: "Erstens knnen die Teams nicht mehr zu ihren Konzernchefs gehen und sagen, sie brauchen so und so viel Geld, wenn die Budgetobergrenze darunter liegt. Das verndert die Mentalitt des Geldausgebens schon mal. Und ich denke nicht, dass die Chefs der groen Automobilhersteller die Regeln systematisch untergraben wrden. Das sind ehrliche Menschen, die das nicht wollen."

Und selbst wenn jemand das Reglement untergraben sollte, wre der Zustand ausgeglichener als jetzt, denn: "Nehmen wir mal an, Team A hat in der Vergangenheit 300 Millionen Euro ausgegeben und Williams 100. Dann kommt eine Budgetobergrenze von 100 Millionen Euro. Selbst wenn es Team A durch sehr clevere Tricks schafft, in Wahrheit 110 Millionen Euro auszugeben, ist die Differenz dennoch von 200 auf zehn Millionen Euro geschrumpft."

Laut Parr ist es auerdem fast unmglich, einen solchen Zehn-Millionen-Euro Betrug unter den Tisch fallen zu lassen: "Zehn Millionen Euro sind 120 Mitarbeiter. Es ist schwierig, so etwas fr mehrere Jahre geheim zu halten." Seiner Meinung nach wrde irgendwann irgendjemand plaudern - schlielich kennt man sich in der Formel 1 und es kommt nicht selten vor, dass Ingenieure und Mechaniker von einem Team zum anderen wechseln.

Verwundert zeigt sich Parr indes ber die Aussage von Mosley, er habe mit Williams ber die 33-Millionen-Euro-Regel fr 2010 gesprochen und Williams sei dafr: "Da gibt es ein Missverstndnis", so der Geschftsfhrer des Teams. "Wir haben Max nur gesagt, dass wir fr grundstzlich fr eine Budgetobergrenze sind." Aber gegen den konkreten Entwurf mit Parallelreglement fr 2010. Ob der jemals in Kraft treten wird, darf derzeit stark bezweifelt werden...

Fotoquelle: Williams

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