Lewis Hamilton gibt zu, dass er die Kommissare in Melbourne angelogen hat

Formel 1 2009

— 03.04.2009

Hamilton entschuldigt sich: "Bin kein Lügner!"

Lewis Hamilton schiebt die Schuld für seine Lüge in Melbourne auf Dave Ryan: "Ich wurde von meinem Teammanager fehlgeleitet"

Nach dem drastischen Medienecho in Großbritannien, wo Lewis Hamilton gestern sogar auf den Titelseiten in großen Lettern als Lügner beschimpft wurde, war heute eine Reaktion von McLaren-Mercedes gefordert - und die kam prompt: Zuerst wurde Teammanager Dave Ryan als Sündenbock geopfert, dann entschuldigte sich Hamilton selbst vor laufenden Kameras.

"Ich möchte mich bei all meinen Fans entschuldigen, die an mich glauben und mich seit Jahren unterstützen", sagte Hamilton im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Sepang International Circuit. "In den vergangenen drei Jahren haben sie gesehen, wie ich wirklich bin. Ich bin kein Lügner, ich bin kein unehrlicher Mensch! Ich bin nur ein Teamplayer." Und genau das wurde ihm eigenen Angaben nach zum Verhängnis.

Fehlentscheidung Sekunden nach dem Rennen

"Ich hatte in Melbourne ein großartiges Rennen", so der Weltmeister. "Als ich aus dem Auto stieg, gab ich sofort die TV-Interviews. In denen erklärte ich, was während des Rennens geschehen war. Gleich danach wurden wir zu den Rennkommissaren gerufen. Während wir auf die Kommissare warteten, wurde ich von meinem Teammanager fehlgeleitet und angewiesen, Informationen zurückzuhalten. Das habe ich dann auch getan."

Konkret geht es bei diesen Informationen um Auszüge aus dem Boxenfunk, die später von der FIA 1:1 veröffentlicht wurden. Denn Ryan und Hamilton wurden gefragt, ob Hamilton den Toyota von Jarno Trulli während der fraglichen Safety-Car-Phase absichtlich habe passieren lassen. Beide verneinten. Das stellte sich später als glatte Lüge heraus. Also wurde die Strafe gegen Trulli zurückgenommen und Hamilton nachträglich disqualifiziert.

Diesmal war der Zickzackkurs also keineswegs Schuld der FIA-Kommissare, wie Hamilton heute eingestehen musste: "Ich möchte mich bei den Kommissaren dafür entschuldigen, dass wir ihre Zeit verschwendet haben und sie dumm aussehen haben lassen. Das alles tut mir sehr, sehr leid - für mein Team, für Dave, der viele Jahre lang ein hervorragendes Teammitglied war. Ich glaube nicht, dass er böse Absichten hatte. Er ist ein guter Kerl."

Außer Ryan, der ihn fehlgeleitet haben soll, und Hamilton selbst wusste laut der offiziellen Version niemand über die Lüge bei den FIA-Kommissaren. Damit ist das McLaren-Mercedes-Team aus dem Schneider, dem ansonsten unter Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes möglicherweise weitere Konsequenzen gedroht hätten. Hamilton selbst beruft sich darauf, dass er sich nur an seine Befehle gehalten habe.

Immer auf das Team gehört

"Jedes Mal, wenn ich informiert wurde, etwas zu tun, habe ich es auch getan", gab der 24-Jährige zu Protokoll. "Ich sehe ein, dass das diesmal ein gewaltiger Fehler war, aus dem ich lernen werde. Das alles setzt mir enorm zu." Hamilton entschuldigte sich auch bei den Journalisten, mit denen er gestern noch nicht sprechen wollte: "Es tut mir leid und ich kann euch versprechen, dass so etwas nie wieder vorkommen wird."

"Mich hierher zu stellen, fällt mir nicht leicht", teilte der McLaren-Mercedes-Pilot weiter mit. "Es ist nicht leicht, aufzuzeigen, nach vorne zu treten und zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat. Ich habe einen gemacht. Ich schulde es meinen Fans und meinen Leuten, das zuzugeben. Aber ich möchte erneut sagen, dass ich fehlgeleitet wurde. Es ist manchmal ganz leicht, fehlgeleitet zu werden. So war das und deswegen stehe ich jetzt hier."

Er habe sich bei der Anhörung vor den FIA-Kommissaren aufgrund der wissentlichen Lüge "beschämt" und "sehr unwohl" gefühlt, so Hamilton: "Ich glaube, die Kommissare haben das gemerkt." Und er fügte an: "Das ist auf jeden Fall das Schlimmste, was ich in meinem Leben bisher durchgemacht habe. Es ist eine sehr, sehr peinliche Situation", suchte der amtierende Weltmeister gar nicht erst nach irgendwelchen Ausreden.

Fotoquelle: xpb.cc

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