Sébastien Buemi ist seit Deletraz 1995 der erste Schweizer in der Formel 1

Formel 1 2009

— 04.04.2009

Gute Kritiken für enttäuschten Buemi

Der einzige Rookie im Feld, Sébastien Buemi, überzeugt weiterhin, auch wenn er im Qualifying in Malaysia 20. und Letzter wurde

Den Titel Rookie of the Year hat Sébastien Buemi schon jetzt so gut wie in der Tasche, weil er 2009 der einzige Rookie im Formel-1-Feld ist. Aber der erste Grand-Prix-Schweizer seit Jean-Denis Deletraz 1995 möchte sich diese Anerkennung auch verdienen - und ist bisher auch auf dem besten Weg dazu. Gleich beim Debüt in Melbourne sammelte er zwei WM-Punkte.

Seine Arbeitsweise ist typisch für einen Schweizer: In den Freien Trainings tastet sich der 20-Jährige, der 2008 noch in Christian Horners Arden-Team GP2 gefahren ist, stets langsam an die für ihn neuen Strecken heran - ohne gravierende Fehler. Wenn es dann drauf ankommt, legt er zu. Diesen Plan wollte er auch im heutigen Qualifying in Sepang verfolgen, doch just im entscheidenden Moment unterlief ihm ein klassischer Anfängerfehler.

War Q2 wirklich in Reichweite?

"Q2 war das Ziel, aber ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe einen Randstein berührt, den ich besser nicht berühren hätte sollen. Da bin ich ausgeritten", erklärte Buemi gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Zurück an der Box stand ihm der Frust ins Gesicht geschrieben: "Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht, aber so ist das eben. Q2 wäre in Reichweite gelegen. In den ersten beiden Sektoren war ich viel schneller als davor."

Eigenen Angaben nach um dreieinhalb Zehntel - aber hätte das wirklich für den Top-16-Cut gereicht? Der Blick auf die Zeitentabelle zeigt: Von Teamkollege Sébastien Bourdais trennten ihn unterm Strich sechs Zehntelsekunden. Insofern ist auch folgende Aussage von Teamchef Franz Tost von außen nicht ganz nachzuvollziehen: "Bis zum Fahrfehler war Buemi im ersten Sektor schneller als Bourdais - um zwei Zehntel, wenn ich mich richtig erinnere."

Vielleicht war dabei der Wunsch Vater des Gedankens, denn Buemi ist teamintern wesentlich beliebter als der oftmals mürrische Bourdais. Insofern ist man mit dem Youngster auch nachsichtig: "Das ist Teil eines ganz normalen Prozesses. Wir dürfen nicht erwarten, dass ein Neuling keine Fehler machen darf. Er kann aus Fehlern ja nur lernen. Und um das Limit zu finden, muss man eben auch hin und wieder über das Limit hinausgehen. Das ist überhaupt kein Problem für mich", sagte Tost.

Buemi ist nach Christian Klien, Vitantonio Liuzzi, Scott Speed und Sebastian Vettel der fünfte Nachwuchspilot, der es aus dem Red-Bull-Juniorenkader von Helmut Marko in eines der beiden hauseigenen Formel-1-Teams geschafft hat. Marko war derjenige, der dem Schweizer unbedingt eine Chance geben wollte, während andere Stimmen innerhalb des Teams angeblich lieber den Routinier Takuma Sato oder Bruno Senna an Bord geholt hätten.

Wie eine große Familie

Doch nach fünf Wettbewerbstagen scheinen alle mit der Entscheidung zufrieden zu sein. Auch Buemi selbst fühlt sich im Team willkommen: "Toro Rosso ist ein sehr gutes Team. Sie zeigen mir alles, daher fühle ich mich gar nicht so neu. Sie wissen, wie man mit jungen Fahrern umgehen muss. Ich fahre schon lange für Red Bull, auch wenn Red Bull Racing ganz anders war als Toro Rosso", meinte der ehemalige Testfahrer des A-Teams.

Die Formel 1 ist für ihn nach der Formel-3-Euroserie, wo er Renault-Testfahrer Romain Grosjean knapp unterlegen ist, und der GP2 eine ganz neue Erfahrung. Abgesehen von der reinen Power hat ihn vor allem die Professionalität bislang am meisten beeindruckt: "In der Formel 1 arbeitet man mit viel mehr Leuten zusammen. Man muss sich auf viele Kleinigkeiten konzentrieren. Tut man das nicht, ist man Letzter", sagte Buemi nach dem heutigen Qualifying mit einem Schuss Selbstironie.

Obwohl er sich im Winter im Vorjahresauto intensiv auf die laufende Saison vorbereitet hat, ist er der erste Rookie der Formel-1-Geschichte, der zwischen den Rennen nicht testen darf: "Das Testverbot ist nicht gut für mich", so Buemi, der besonders darunter leidet, dass Toro Rosso das neue Red-Bull-Chassis erst spät zur Verfügung hatte. Trotzdem scheint er seinen erfahreneren Teamkollegen Bourdais einigermaßen im Griff zu haben.

An seinen Vorgänger Vettel erinnert der GP2-Gesamtsechste vor allem durch seinen Ehrgeiz. Anstatt sich über den siebenten Platz von Melbourne zu freuen, will er mehr - und das möglichst rasch. Dass er das nicht selbst in der Hand hat, ist ihm bewusst: "Für die nächsten Rennen werden wir einige Updates bekommen, mit denen wir konkurrenzfähiger sein sollten. Wir verbessern uns mit jedem Tag, aber wir müssen weiterhin hart arbeiten", sagte er abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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