Erklärungsbedarf: Martin Whitmarsh wird von den Medien scharf kritisiert

Formel 1 2009

— 05.04.2009

Zerbricht McLaren-Mercedes an der Lügenaffäre?

Nach der Lügenaffäre von Melbourne: Lewis Hamilton will angeblich weg von den Silberpfeilen, Teamchef Martin Whitmarsh geht es an den Kragen

Das weltmeisterliche Dreamteam von McLaren-Mercedes könnte infolge der Lügenaffäre von Melbourne, über die wir ausführlich berichtet haben, zerbrechen. Vor dem Grand Prix in Sepang gab es einige dramatische Entwicklungen: Angeblich will Lewis Hamilton das Team verlassen - und von Teamchef Martin Whitmarsh wird der Rücktritt gefordert.

Bestätigt ist inzwischen, dass Managervater Anthony Hamilton zwischen Melbourne und Sepang Kontakt zu verschiedenen FIA-Offiziellen aufgenommen hat, darunter auch der Präsident des Automobilweltverbandes, Max Mosley. Laut 'Times' soll sich Hamilton im Namen seines Sohnes von der unehrlichen Vorgehensweise von McLaren-Mercedes distanziert und den Wunsch geäußert haben, den Arbeitgeber zu wechseln.

Was genau ist die Rolle der FIA?

Dass die FIA grundsätzlich involviert war, ist kein Geheimnis mehr, schließlich fand das öffentliche Geständnis von Hamilton jun. am Freitag im offiziellen Medienzentrum statt, wo normalerweise nur die FIA-Pressekonferenzen abgehalten werden. Außerdem war Alan Donnelly anwesend, der innerhalb der FIA als rechte Hand von Mosley gilt. Mosley selbst konnte wegen seines Besuchs bei der Portugal-Rallye nicht nach Sepang kommen.

Doch Whitmarsh zweifelt den Wahrheitsgehalt des 'Times'-Berichts an: "Ich habe Anthony gefragt, ob das stimmt, und Anthony hat uns gesagt, dass Lewis nicht mit Max gesprochen hat. Am Freitagmorgen haben Anthony und ich gemeinsam mit Max gesprochen, aber mir wurde gesagt, dass Lewis das nicht getan hat." Die Haltung der Hamiltons zu McLaren-Mercedes habe sich demnach in den vergangenen Tagen nicht verändert.

"Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Bericht wahr ist. Ich glaube es nicht", so der Teamchef. "Wir wissen, dass wir aus unseren Fehlern lernen müssen, dass auch ich lernen muss. Auch ich habe einen Fehler gemacht. Aber alles, was Lewis und Anthony sagen, deutet darauf hin, dass sie zu schätzen wissen, was dieses Team für sie getan hat. Ich kann keine Signale erkennen, dass sie das Team verlassen wollen."

Doch selbst wenn sich die Gerüchte um Hamilton als haltlos herausstellen sollten, könnte nach dem von Dave Ryan noch ein weiterer Kopf rollen, nämlich der von Whitmarsh selbst! "Ich verstehe, dass die britischen Medien infolge dessen, was ich am Donnerstagnachmittag gesagt habe, meinen Rücktritt fordern", erklärte Whitmarsh gestern Abend. "Ich gebe zu, dass ich einen Fehler gemacht habe, aber es war mein natürlicher Instinkt, mein Team zu schützen und zu verteidigen."

Er habe sich vor den Medieninterviews nicht genug mit der Situation befasst, gab der Brite zu: "Ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht. Ich entschuldige mich dafür bei den Medien - und natürlich auch bei den Fans, bei den Kommissaren, bei der FIA und beim FIA-Weltrat. Wenn man so einen Fehler macht, dann ist es nicht verwunderlich, dass ein Rücktritt gefordert wird. Das liegt in der Natur eines solch hochrangigen Jobs."

Whitmarsh denkt nicht an Rücktritt

Er habe tatsächlich über Rücktritt nachgedacht, "denn in so einer Situation ist das ganz klar. Aber ich denke, es ist meine Aufgabe, das Team durch diese schwierige Zeit zu führen", so Whitmarsh, der klarstellte: "Dieses Wochenende werde ich nicht zurücktreten. Langfristig werde ich mir meine Zukunft gründlich überlegen, aber das habe ich nicht nur selbst in der Hand. Es liegt an den Teilhabern des Teams, sich eine Meinung zu bilden und zu entscheiden, was das Beste ist."

Mercedes-Sportchef Norbert Haug stärkte Whitmarsh den Rücken: "Ich stehe in permanentem Kontakt mit Stuttgart und berichte direkt an Dr. Zetsche. Natürlich werden wir uns an einen Tisch setzen und reden, aber ich habe volles Vertrauen in Martin. Er ist ein guter Kerl und er führt dieses Team ganz großartig." Die Behauptung, McLaren produziere eine Katastrophe nach der anderen, ließ Haug nicht im Raum stehen: "Wir sind vergangenes Jahr immerhin Weltmeister geworden!"

Gleichzeitig dementierte Whitmarsh, dass man Ryan suspendiert habe, um die FIA zufrieden zu stellen: "Die FIA hat uns nicht um einen Sündenbock oder irgendetwas in diese Richtung gebeten", betonte der 50-Jährige. Er hielt aber fest, dass er nach wie vor viel von Ryan halte und dass es "die schwierigste Entscheidung meines professionellen Lebens" gewesen sei, den langjährigen Teammanager kurzfristig vor die Tür zu setzen.

"Davey hat sich eine Fehleinschätzung geleistet, eine sehr schwerwiegende. Das weiß er", sagte Whitmarsh. "Das hat er nicht vorsätzlich gemacht, aber es war eine Reaktion auf seinen Fehler an der Boxenmauer. Er hat sich immer damit gebrüstet, keine Fehler zu machen. In Melbourne hat er einen gemacht, das hat ihn geärgert und das hat seine Entscheidung beeinflusst, als er die Situation hätte bereinigen sollen. Dafür muss er nun die Konsequenzen tragen."

Whitmarsh, erst seit Anfang März offiziell Nachfolger von Ron Dennis, ist völlig klar, dass Ryan ein überaus wichtiges Teammitglied war: "Er hat dieses Team ehrlich gesagt geleitet. Es gibt mehrere Leute, die Führungsfiguren innerhalb des Teams sind, aber Davey hat es geleitet. Er hat operative Entscheidungen getroffen, er hat alles umgesetzt. Es fällt mir sehr, sehr schwer, mir eine Zukunft ohne Davey vorzustellen."

Fotoquelle: xpb.cc

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