Mario Theissen ist zufrieden mit der heutigen Leistung von Nick Heidfeld

Formel 1 2009

— 05.04.2009

Theissen: Dickes Lob für Heidfeld

Mario Theissen analysiert den Grand Prix von Malaysia: Warum Nick Heidfeld verdient Zweiter wurde und wie stark er sein Team derzeit einschätzt

"In Melbourne haben wir unglücklich einen Podestplatz oder vielleicht sogar einen Sieg verloren, hier haben wir glücklich einen Podestplatz gewonnen", sagte BMW Motorsport Direktor Mario Theissen nach dem zweiten Rang von Nick Heidfeld beim Grand Prix von Malaysia. "Quick Nick" hatte zuvor ein besonders cleveres Rennen hingelegt.

Denn mit dem schwersten Auto im Feld konnte er so lange draußen bleiben, bis sich der Wechsel auf Regenreifen mit einem Tankstopp kombinieren ließ - und auch im Regen lieferte er eine tadellose Vorstellung ab. Daher ist Theissen mit der Wortwahl "glücklich" auch nicht ganz zufrieden: "Glücklich bedeutet, dass sowohl die Pitcrew wie auch der Fahrer unter schwierigsten Bedingungen eine fehlerfreie Leistung geboten haben. Reines Glück war das nicht."

Heidfelds Strategie für Regen prädestiniert

"Uns war angesichts der Wettervorhersage klar, dass das Rennen einen anormalen Ausgang haben wird. Die einzige Chance, da nach vorne zu fahren, ist ein Start mit einem vollen Tank. In dem Fall hat die Kalkulation exakt gepasst. Die meisten Autos mussten vor Nick reinkommen und noch mal Trockenreifen fassen. Andere haben Intermediates gefasst und mussten mehrmals reinkommen, während Nick genau solange draußen geblieben ist, bis er auf Regenreifen wechseln konnte. Das hat ihn sehr gut ins Rennen zurückgebracht", so der 56-Jährige.

Und weiter: "Noch schwieriger war dann die Phase auf Regenreifen. Er ist extrem lange - länger als jeder andere - auf Regenreifen gefahren. Die waren wirklich am Ende. Nick wollte immer wieder reinkommen. Wir waren über zehn Runden bereit, ihn mit frischen Reifen zu versorgen, haben aber mit ihm diskutiert und er ist draußen geblieben, bis die rote Flagge kam, obwohl das Auto nahezu unfahrbar war. Da muss ich sagen: Hut ab, da sieht man die Routine und auch die Qualitäten, die Nick im Regen hat. Das war eine Superleistung."

Heidfeld war nach 31 Runden der einzige Fahrer mit nur einem Boxenstopp. Wäre er früher an die Box gekommen, um einen anderen Reifensatz abzuholen, hätte ihn das wahrscheinlich auf den fünften Platz zurückgeworfen. Daher ist Theissen froh, dass sein Fahrer den Besuch an der Box so lange wie möglich hinauszögerte: "Wir haben ihm gesagt, dass es für seine Position im Rennen von Vorteil ist, wenn er draußen bleibt, aber die Entscheidung kann nur der Fahrer treffen. Das ist sicherheitsrelevant."

Mit vier Punkten ist Heidfeld nun WM-Fünfter, während Teamkollege Robert Kubica nach der Kollision mit Sebastian Vettel in Australien und dem heutigen Motorschaden noch mit leeren Händen dasteht. Der Pole beklagte sich bereits nach der Aufwärmrunde über merkwürdige Motorengeräusche, kam dann am Start fast nicht vom Fleck und musste seinen F1.09 schließlich mit aus den Auspuffrohren kommenden Flammen abstellen.

Erster Motorschaden seit 2007

"Robert ist enttäuscht, das kann ich verstehen", bedauerte Theissen das Pech seiner letztjährigen Nummer eins. "Es sieht nach einem Motorschaden aus. Wir hatten ein Leck im Pneumatiksystem. Ich fürchte, dass der Motor nicht mehr zu gebrauchen ist. Das Problem ist noch nicht ganz geklärt, aber es hat nichts mit der Verlängerung der Laufzeit zu tun, denn der Motor hat noch nicht mehr Kilometer drauf als die Motoren im letzten Jahr. Sollten wir wechseln müssen, dann müssten wir mit den restlichen sieben Motoren etwas sparsamer haushalten."

Zunächst einmal hat das BMW Sauber F1 Team aber ohnehin ganz andere Sorgen, denn gemeinsam mit Red Bull ist man zwar die Nummer eins, aber nur hinter der "Diffusorenliga" mit Brawn, Toyota und Williams. Theissen: "Brawn ist die Nummer eins, Toyota die Nummer zwei. Dann kommen einige Teams auf gleicher Höhe - Williams, Red Bull, Ferrari und wir." Den Nachteil durch den konventionellen Diffusor schätzt der Deutsche auf "mehr als eine halbe Sekunde".

"Von der Performance her war es sehr schwierig, in die Phalanx der Autos mit zweistufigem Diffusor einzubrechen. Das haben wir gestern im Qualifying gesehen, in Melbourne genauso. Das Thema muss schleunigst in die eine oder andere Richtung gelöst werden, damit wir alle auf der gleichen Basis operieren. Wenn man diese Autos rausnimmt, sind wir konkurrenzfähig. Ohne Diffusornachteil wären wir vorne dabei", gab Theissen zu Protokoll.

Unabhängig von der Entscheidung des Internationalen Berufungsgerichts der FIA am 14. April haben in Hinwil längst die Arbeiten an einem eigenen Doppeldecker-Diffusor begonnen. Trotzdem rechnet Theissen nicht damit, beim Europaauftakt in Barcelona aus eigener Kraft siegfähig zu sein: "Man kann schon etwas machen, aber man kann so einen großen Rückstand nicht in ein paar Wochen aufholen. Die anderen Teams entwickeln ja auch weiter", meinte er abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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