Michael Schumacher muss sich nach den ersten zwei Rennen Kritik anhören

Formel 1 2009

— 05.04.2009

Schumacher nach Fehlentscheidungen in der Kritik

Michael Schumacher ist für das Ferrari-Fiasko in Malaysia offenbar mitverantwortlich - Leise Kritik von Teamchef Stefano Domenicali

Seine Erfolgsbilanz als Rennfahrer ist makellos, fast alle relevanten Formel-1-Rekorde werden von ihm gehalten - aber auf der anderen Seite der Boxenmauer scheint Michael Schumacher kein Ausnahmekönner zu sein. Das ist zumindest das Urteil mancher Experten nach seinen Auftritten als Ferrari-Berater bei den Grands Prix in Australien und Malaysia.

Der siebenfache Weltmeister - geschätzte Jahresgage: fünf Millionen Euro - wurde von Ferrari gebeten, beim Saisonauftakt in Übersee beratend zur Seite zu stehen, um angesichts der drastischen Regeländerungen seine Erfahrung einzubringen. Doch just in Schumachers Beisein leistete sich das einstige Traumteam an diesem Wochenende einen überaus peinlichen Auftritt. Von der Disziplin unter einem Profistrategen wie Ross Brawn war jedenfalls nichts zu spüren.

Im Qualifying verspekuliert

Das fing schon im Qualifying an: Kimi Räikkönen und Felipe Massa gingen in Q1 gleich zu Beginn mit weichen Reifen auf die Strecke, legten eine Zeit vor, kamen zurück an die Box - und blieben dort. Doch der Sepang International Circuit wurde mit mehr Gummiabrieb auf dem Asphalt immer schneller, sodass sich der Ferrari-Poker um einen frischen Reifensatz mehr als Schuss ins Knie erwies. Denn während Räikkönens Zeit gerade mal so für den Cut reichte, schied Massa völlig überraschend aus.

"Da haben wir alle ziemlich dumm ausgesehen", gab Schumacher zu. "Wir haben am Freitag und Samstag alles sehr genau studiert, haben Zeitenanalyse betrieben und ausgerechnet, wo der Cut liegen müsste, ab wann man in die ersten 15 hineinkommt. Die Zeiten, die wir ausgerechnet haben, waren um 1:36.0 Minuten. Wir sind 1:35.4, 1:35.6 Minuten gefahren, ohne uns allzu groß anzustrengen. Damit war für uns das Thema gegessen."

In der TV-Kabine von 'Premiere' wunderte sich 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer über diese peinliche Panne: "Ferrari hat einen siebenfachen Weltmeister. Als erfolgreichster Rennfahrer aller Zeiten muss er das doch fühlen. Das wundert mich sehr, dass sie das verbockt haben." Auch andere Szenekenner übten mehr oder weniger öffentlich Kritik an Schumacher, von dem sich viele ein Eingreifen erwartet hätten.

Aber das wäre laut Schumacher gar nicht möglich gewesen: "In dem Moment, wo dann alle rausfahren und die Uhr nur noch zwei Minuten anzeigt, ist es natürlich zu spät, noch eine Entscheidung zu treffen", so der 40-Jährige. "Da kann man nichts mehr dran ändern, da muss man leider sitzen und zugucken, wie man Platz für Platz verliert und letzten Endes feststellt, dass man raus ist. Das war eine bittere Enttäuschung für uns alle."

Schumacher gab im Nachhinein unumwunden zu, dass er zu jenen Leuten im Team gehörte, die voll hinter der geplanten Strategie standen: "Für mich war es auch kein Thema. Ich wäre wahrscheinlich auch im Auto davon ausgegangen, dass das ausreichen sollte. Der Punkt war halt der, dass alle erst zwei Minuten vor Schluss rausgefahren und auf einmal grüne Sektorenzeiten gefahren sind. Da ist es zu spät, da kann man leider nicht mehr reagieren", ärgerte er sich.

Räikkönen auf verlorenem Posten

Im heutigen Rennen folgte schließlich die nächste Ferrari-Panne, als Räikkönen schon in Runde 18 an die Box kam und Regenreifen mit auf den Weg bekam. Die Konkurrenz setzte noch bis in die 20. Runde auf Trockenreifen - auf die sichere Variante, die sich als richtig herausstellen sollte. Denn der "Iceman" fuhr sich auf trockener Strecke das Profil ab und rutschte selbst bei einsetzendem Regen nur noch hilflos hin und her.

Doch Schumacher steht zu dieser Entscheidung: "Die Situation war relativ eindeutig - es sollte regnen", argumentierte er gegenüber 'RTL'. "Wir haben extra eine Wetterradarstation, die wir sekündlich verfolgen. Wir waren kurz vor dem Boxenstopp, es war Regen vorhergesagt und es fing auch leicht an zu regnen. Angesagt war, dass der große Regen gleich hinterherkommt, wenn es mal anfängt. Das ist leider nicht passiert."

"Es war ein Lotteriespiel, das wir bei Kimi nicht gewonnen haben", gestand der dreifache Malaysia-Sieger, der es aber im Nachhinein mit gleichem Wissensstand nicht anders machen würde: "Wenn man klare Informationen hat, darf man auch mal das Risiko eingehen. Auch die Fahrer haben gesagt, dass es leicht zu regnen anfängt. Also wechselten wir auf Regenreifen - aber das war in dem Moment die falsche Entscheidung."

Frage an Teamchef Stefano Domenicali: Wer hat die Entscheidung getroffen, mit Räikkönen so früh auf Regenreifen zu wechseln? "Das möchte ich nicht in der Öffentlichkeit diskutieren", entgegnete er - und fügte später bei der Frage nach Schumacher grinsend an: "Ich habe mit dieser Frage gerechnet, aber ich möchte sie nicht beantworten, denn ich habe auch die Frage nicht beantwortet, wer entschieden hat, Kimi so früh auf Regenreifen rauszuschicken."

In einem anderen Zusammenhang hatte der Italiener wenige Minuten zuvor zur peinlichen Ferrari-Vorstellung gesagt: "Ich muss sicherstellen, dass meine Leute die richtigen Entscheidungen treffen, denn so etwas können wir einfach nicht akzeptieren." Ob er damit die Renningenieure Chris Dyer, Rob Smedley und Andrea Stella meinte oder seinen hochbezahlten Starberater Schumacher, ließ Domenicali offen...

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.