Der neue Teamchef Martin Whitmarsh erlebt gleich zu Beginn schwierige Zeiten

Formel 1 2009

— 06.04.2009

Darum musste Ryan suspendiert werden

McLaren-Mercedes-Teamchef Martin Whitmarsh erklärt, warum er Sportdirektor Dave Ryan feuern musste, Lewis Hamilton aber nicht

Nach "Spygate" im Jahr 2007 hat McLaren-Mercedes nun wieder einen handfesten Skandal, "Liegate". Dabei geht es um die Tatsache, dass Sportdirektor Dave Ryan und Lewis Hamilton nach dem Grand Prix von Australien den FIA-Kommissaren ins Gesicht gelogen haben - über den genauen Hergang wurde in den vergangenen Tagen ausführlich berichtet.

Es folgten auch prompt Konsequenzen: Ryan ist seinen Job los, Hamilton seine sechs Punkte. Bei den Silberpfeilen hieß es immer: Niemand ist größer als das Team. Nachdem beide gelogen haben, könnte man meinen, dass auch Hamilton suspendiert werden sollte. Doch das ist nicht geplant: "Ich ziehe keine weiteren Maßnahmen in Betracht", sagt Teamchef Martin Whitmarsh und begründet: Ryan habe bis Freitagmorgen alles abgestritten, Hamilton habe sich den Vorwürfen gestellt.

Ist Hamilton schon genug gestraft?

"Das Team und Lewis wurden bestraft. Uns wurden die Punkte abgezogen. Lewis hat zugegeben, dass er nicht komplett unschuldig ist. Das war sehr mutig. Er wurde also gleich doppelt bestraft, denn er hat die Punkte verloren und er wurde in der Öffentlichkeit beschämt", so Whitmarsh. "Lewis ist Weltmeister und damit ein Botschafter. Es ist unsere Aufgabe, ihn zu führen. Darin haben wir versagt." Und mit "wir" ist ausnahmsweise nur Ryan gemeint...

Superstar Hamilton zu feuern, ist klarerweise völlig undenkbar. Aber Whitmarsh kann auch plausibel begründen, warum gegen einen respektierten Mitarbeiter Sanktionen ergriffen wurden und gegen einen anderen nicht: "Davey war als Sportdirektor das hochrangigere Mitglied des Teams. Das musste ich in Betracht ziehen. Es war seine Aufgabe, Lewis zu führen. Darin hat er versagt und das hat zur Suspendierung geführt."

Dennoch: "Es war die schwierigste Entscheidung meines professionellen Lebens. Ich musste nicht nur einen engen Kollegen und einen Freund suspendieren, sondern eine langjährige Stütze dieses Teams. Ich hatte keine andere Wahl. Es war so eine Sache, wo man nur verlieren kann: Tut man es, dann präsentiert man einen Sündenbock, tut man es nicht, dann heißt es, dass man die Sache nicht ernst genug nimmt", so der Brite.

"Ich glaube, es war die richtige Entscheidung", fügt er an und betont, dass er dafür alleine geradesteht - weder die FIA noch Ron Dennis hätten ihn unter Druck gesetzt, ein "Bauernopfer" zu erbringen, wie von den Medien spekuliert wird: "Es heißt, dass ich unter Druck war, diese Entscheidung zu treffen. Dem war nicht so." Und: "Ron weiß, dass ich diese Entscheidung treffen musste. Ich habe mit ihm telefoniert, aber er hat in dieser Sache nicht die Fäden gezogen."

Natürlich fiel die Entscheidung, Ryan vor die Tür zu setzen, niemandem bei McLaren-Mercedes leicht, schließlich gehörte der Familienvater zu den Urgesteinen, die schon seit Dennis' Anfängen mit von der Partie waren. Erst kürzlich wurde er vom Teammanager zum Sportdirektor befördert. Dass es nicht einfach ist, einen solchen Mitarbeiter von einen Tag auf den anderen intern abzufedern, versteht sich von selbst.

Ryan hinterlässt ein großes Loch

Whitmarsh weiß, dass diesbezüglich eine große Herausforderung auf seine Mannschaft zukommt: "Das Team ist zusammengerückt, denn Davey hinterlässt ein riesiges Loch. Es gibt keine Liste davon, was er alles gemacht hat, aber es war eine ganze Menge. Da ist es erforderlich, dass McLaren und Mercedes-Benz noch enger zusammenrücken und das Beste daraus machen." Ein Nachfolger wurde bisher nicht nominiert.

"Davey", bricht der Teamchef eine Lanze für seinen ehemaligen Mitarbeiter, "hatte 35 Jahre lang eine blütenweiße Weste. Das sehe nicht nur ich so, sondern die meisten Menschen in diesem Fahrerlager. Er hat nun in der Hitze des Gefechts einen Fehler gemacht. Ich glaube, er wollte damit nur den richtigen Rennausgang sicherstellen, aber ich glaube nicht, dass er die Kommissare auch davor schon einmal angelogen hat."

Indes kursieren in Großbritannien Gerüchte, wonach sich Hamilton mit seinem Vater Anthony an FIA-Präsident Max Mosley gewandt haben soll, um seinem Ärger über McLaren-Mercedes Ausdruck zu verleihen. Angeblich soll der Weltmeister sogar den Wunsch deponiert haben, das Team zu verlassen. Mercedes-Sportchef Norbert Haug streitet Hamiltons Rücktrittsgedanken gar nicht erst ab: "Wenn so etwas passiert, gehen einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf."

Whitmarsh will allerdings nichts von einem Vieraugengespräch zwischen Hamilton und Mosley wissen: "Am Freitagmorgen haben Anthony und ich gemeinsam mit Max gesprochen. Das weiß ich", gesteht der 50-Jährige. "Aber mir wurde gesagt, dass Lewis selbst nicht mit Max gesprochen hat. Der Aufhänger der Story ist ja, dass Lewis mit Max gesprochen haben soll. Ich glaube nicht, dass das passiert ist."

Fotoquelle: xpb.cc

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