Kimi Räikkönen ist seit 2004 nicht mehr so schlecht in eine Saison gestartet

Formel 1 2009

— 07.04.2009

Montezemolos Mönchskutte: Krisensitzung in Maranello

Hinter verschlossenen Türen wurde in Maranello der schlechteste Saisonauftakt seit 1992 analysiert - Kimi Räikkönen: "Es fehlt an Grip und Anpressdruck"

Zwei Tage nach der neuerlichen Nullrunde des Ferrari-Teams trommelte Präsident Luca di Montezemolo heute in Maranello die wichtigsten Entscheidungsträger zu einer Krisensitzung zusammen. Das war nach dem schlechtesten Saisonauftakt seit 1992, damals noch mit Jean Alesi und Ivan Capelli, auch bitter nötig.

Laut Montezemolo trafen die Mannen um Teamchef Stefano Domenicali im Umkleideraum zusammen, "wie das auch in den Tagen von Todt und Brawn immer war, wenn wir besonders schwierige Zeiten durchmachen mussten". Und noch etwas erinnert den Italiener an die "goldene Ära" vergangener Tage: "Das Team hält zusammen und ich habe großes Vertrauen, dass wir diese Krise überstehen werden."

Ungewöhnliche Maßnahmen

"Zu sagen, dass die Leute sehr wütend sind, wäre ein Euphemismus, aber die gleichen Leute sind auch sehr entschlossen, eine Reaktion zu zeigen", so Montezemolo. Bereits vor dem Grand Prix von Malaysia am vergangenen Wochenende hatte er für Australien Revanche angekündigt, doch unterm Strich fuhren Felipe Massa und Kimi Räikkönen wieder mit leeren Händen nach Hause: Massa wurde im Regenchaos Neunter, Räikkönen schied mit einem KERS-Defekt aus.

Montezemolo greift nun zu ungewöhnlichen Maßnahmen: "Ich hatte heute eine Mönchskutte dabei, damit alle verstehen, dass wir diese Saison mit Demut angehen müssen, und um zu verdeutlichen, dass ich uns nicht nach jedem Rennen in irgendeiner TV-Comedyshow sehen will. Aber Spaß beiseite: Diese Mannschaft ist bekannt für ihren ausgeprägten Stolz. Das wird uns dabei helfen, aus dieser Situation herauszukommen."

Die beiden Fahrer können am allerwenigsten dafür, schließlich sind sie für das unterlegene Material und die strategischen Fehlentscheidungen nicht verantwortlich. Dementsprechend enttäuscht ist Ex-Weltmeister Räikkönen: "Das war ein wirklich schlechter Saisonbeginn. Es ging in Melbourne in die Hose, es ging in Sepang in die Hose, sodass wir noch immer keine Punkte haben", seufzt der Finne zwei Tage nach dem Malaysia-Grand-Prix.

Räikkönen war trotz der Trainingsbestzeit am Freitag klar, dass es nicht für einen Sieg reichen würde. Dementsprechend wurde das Qualifying zu einer wahren Zitterpartie: Massa scheiterte wegen einer katastrophalen Fehleinschätzung des Kommandostandes schon in Q2, während das zweite Auto als 14. gerade mal so in die Top 16 und dann immerhin sogar ins Finale rutschte. Dort hatte der "Iceman" aber nicht den Funken einer Chance.

Schwachstelle Qualifying

"Wir wussten, dass das Qualifying das Schwierigste werden würde - da sind unsere Probleme größer als im Rennen", analysiert er. "Mit meiner Runde in Q3 war ich ganz zufrieden - das ist das, was wir im Moment drauf haben. Es fehlt uns an Grip und Anpressdruck, aber ich weiß, dass das Team hart daran arbeitet. Schon für den nächsten Grand Prix in Shanghai bekommen wir einige neue Teile, die etwas bringen sollten."

Räikkönen hofft, dass die FIA am 14. April die Diffusoren von Brawn, Toyota und Williams verbieten wird, denn die bescheren der derzeitigen Spitze in puncto Anpressdruck einen großen Vorsprung - Experten gehen von bis zu einer halben Sekunde pro Runde aus. Außerdem zeigt die Analyse der Performancedaten: Der Ferrari F60 ist weder auf den langen Geraden noch in den Kurven besonders schnell, sondern überall nur Durchschnitt.

"Man muss ja nur die Performance der Autos in den drei Sektoren in analysieren, um zu erkennen, dass wir auf die Spitze eine Menge verlieren. Vor allem im Mittelsektor waren wir zu langsam, wo es auf den Anpressdruck ankommt", sagt der 29-Jährige, der 2009 noch keine Zielflagge gesehen hat - auch in Australien war er wegen eines technischen Problems frühzeitig ausgeschieden. So schlecht war Räikkönen zuletzt 2004 auf McLaren-Mercedes in eine Saison gestartet.

Bitter für Ferrari ist auch, dass man zwar eines von nur vier Teams ist, die schon jetzt im Rennen mit KERS fahren, doch das System aus Maranello scheint nicht allzu konkurrenzfähig zu sein. Hinzu kommt die Unzuverlässigkeit: Am Freitag verkochten die Lithium/Ionen-Akkus in der malaysischen Hitze und am Sonntag setzte der Regen die Isolation außer Gefecht. Wetterfest scheint das Ferrari-KERS also nicht zu sein.

KERS-Probleme in Malaysia

"Im Moment haben wir damit noch einige Kinderkrankheiten", bestätigt Räikkönen. "Ich habe das in Malaysia am eigenen Leib erlebt. Am Freitag hatte ich am Ende des ersten Trainings das Cockpit voller Rauch und am Sonntag drang Wasser ins KERS ein, wodurch die Isolation kaputt ging und ich stehen bleiben musste. Zumindest am Start funktioniert KERS aber wirklich gut, wie wir am Sonntag gesehen haben."

"Das Rennen", fährt er fort, "war eine Lotterie. Wir wussten, dass es früher oder später zu regnen anfangen würde, aber wir haben nie die richtigen Entscheidungen getroffen, was das Wetter angeht. Beim ersten Boxenstopp wechselten wir gleich auf Regenreifen, weil wir dachten, dass es in den nächsten Minuten losgehen würde. Das war aber offensichtlich eine Fehleinschätzung. Auf der trockenen Strecke gingen die Reifen dann total ein."

Massas frühes K.O. im Qualifying, Räikkönens Fiasko mit dem verfrühten Wechsel auf Regenreifen - ohne Ross Brawn am Kommandostand erinnert Ferrari wieder an längst vergangene Chaostage vor der Ära Michael Schumacher. Just dieser Michael Schumacher soll jedoch für die Fehlentscheidungen mitverantwortlich gewesen sein, heißt es. Trotzdem findet Ex-Ferrari-Weltmeister Niki Lauda, dass man gerade dem Deutschen mehr Verantwortung übertragen sollte.

"Wenn ich bei Ferrari was zu sagen hätte, würde ich Michael auf den Kommandostand holen und nicht dahinter rumstehen lassen", fordert der ehemalige Ferrari-Berater im 'Express'. "Er würde bestimmt 100 Mal bessere Entscheidungen treffen als so mancher Ingenieur. Er war doch vor kurzem selbst noch Formel-1-Fahrer. Ich würde ihnen sagen: Nutzt seine Erfahrung! Setzt ihn da oben hin! Es gibt keinen Besseren."

Fotoquelle: xpb.cc

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