Lewis Hamilton im Gespräch mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting

Formel 1 2009

— 10.04.2009

Whiting spricht erstmals über die Lügenaffäre

FIA-Rennleiter Charlie Whiting enthüllt brisante Details zur Lügenaffäre um Lewis Hamilton, der sich in Malaysia bei ihm entschuldigt hat

Zwölf Tage ist es her, dass Lewis Hamilton nach dem Grand Prix von Australien den FIA-Kommissaren Steve Chopping, Olafur Gudmundsson und Radovan Novak ins Gesicht gelogen hat. Der Hergang der Lügenaffäre ist inzwischen großteils bekannt, doch nun hat sich erstmals FIA-Rennleiter Charlie Whiting öffentlich dazu geäußert.

Gegenüber 'Autosport' bestätigte Whiting die bisherige Annahme, dass rein gar nichts passiert wäre, wenn McLaren-Mercedes nicht den Befehl an Hamilton, Jarno Trulli überholen zu lassen, abgestritten hätte. Zwar wäre der Weltmeister dann statt als Dritter nur als Vierter gewertet worden, doch die ganze Lügenaffäre hätte nie Tempo aufgenommen. Stattdessen drohen den Silberpfeilen nun weitere Sanktionen durch den FIA-Weltrat.

Trulli als Opfer der Lüge

Zur Erinnerung: Nach der Vettel/Kubica-Kollision in Australien war Trulli während der Safety-Car-Phase von der Strecke abgekommen. Hamilton ging bei dieser Gelegenheit - völlig legitim, weil der Toyota in der Wiese war - an ihm vorbei. Später zog Hamilton nach rechts. Trulli wertete dies als Zeichen, dass der McLaren-Mercedes-Fahrer ein Problem hat, und passierte zurück. Später stritten McLaren-Sportdirektor Dave Ryan und Hamilton ab, den Toyota absichtlich vorbeigelassen zu haben.

"Lewis hat zugegeben, dass er nicht auf der Ideallinie war", sagte Whiting gegenüber 'Autosport', "aber er meinte, er sei wegen Wrackteilen auf der Strecke besorgt gewesen." Außerdem soll der Brite durch die Safety-Car-Geschwindigkeitsanzeige auf seinem Display irritiert gewesen sein. McLaren-Mercedes legte außerdem Telemetriedaten vor, die belegen sollten, dass Hamilton nicht vom Gas gegangen ist.

Aber: "Als wir Lewis ganz klar gefragt haben, ob er zur Seite gefahren ist, um Jarno durchzulassen, antwortete er mit einem Nein. Die Frage wurde ihm mehr als einmal gestellt. Er beharrte darauf, dass er nicht verlangsamt und Trulli nicht vorbeigelassen hat." Die Kommissare nahmen also an, dass Trulli aus eigener Kraft an Hamilton vorbeigegangen ist - unter Gelb bekanntlich ein schweres Vergehen. Also wurde eine 25-Sekunden-Strafe über den Italiener verhängt.

Doch nach der Aussprache dieser Strafe wunderte sich Journalist Adam Cooper im Fahrerlager sehr, schließlich hatte ihm Hamilton noch vor der Anhörung erzählt, dass ihn das Team angewiesen habe, Trulli vorbeizulassen. Cooper suchte Whiting auf und gab dem Rennleiter den Tipp, die Sache noch einmal zu untersuchen. Whiting und FIA-Kollege Alan Donnelly hörten daraufhin den Boxenfunk an - und stießen auf die Widersprüche zur Schilderung bei der Befragung.

Zweite Anhörung in Malaysia

Also wurde für Malaysia eine zweite Anhörung vorbereitet, für die die Kommissare aus Australien extra noch einmal eingeflogen wurden. Nur Novak konnte nicht kommen - für ihn wurde Surinder Thatthi nachnominiert. Die entlarvten Lügner Hamilton und Ryan wurden mit der Audioaufzeichnung des Boxenfunks konfrontiert, wichen aber trotzdem nicht von ihrer Version ab. Allerdings wirkten sie zunehmend unsicher.

"Ich habe Lewis daran erinnert, dass ich ihn in Melbourne zweimal gefragt habe, ob er Trulli bewusst überholen hat lassen", so Whiting. Hamilton versuchte auszuweichen: "Er hatte keine Antwort für mich. Sie versuchten mit aller Kraft, vom eigentlichen Thema abzulenken und die Kommissare auf etwas anderes zu bringen. Das ist zumindest der Eindruck, den ich hatte." Spätestens jetzt war klar, dass Hamilton und Ryan absichtlich gelogen hatten.

Hamilton stellte sich später der Presse, gab sein Fehlverhalten zu und betonte, er habe auf Anweisung von Ryan gehandelt und sich in die Irre führen lassen. Außerdem ging er auch zu Whiting, um sich persönlich beim Rennleiter zu entschuldigen: "Er kam auf mich zu, um unter vier Augen mit mir zu sprechen. Er sagte, er wolle sich für alles, was er getan hat, entschuldigen, und dass er es nie mehr wieder tun würde - so etwas in der Art."

Whitings Aussage verdeutlicht noch einmal, wie klar Hamilton und Ryan gegen Artikel 151c des Internationalen Sportkodexes verstoßen haben, laut dem im Wesentlichen jedes Verhalten verboten ist, das im Widerspruch zu den Interessen des Sports steht. Nun liegt es am Weltrat, über weitere Sanktionen zu entscheiden. Angesichts der Tatsache, dass McLaren-Mercedes seit der Spionageaffäre vorbelastet ist, scheint ein hartes Urteil nicht ausgeschlossen.

Fotoquelle: xpb.cc

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