Die zweistöckigen Diffusoren könnten heute in Paris verboten werden

Formel 1 2009

— 14.04.2009

Diffusorstreit: Wie entscheidet die FIA?

In ein paar Stunden beginnt in Paris die Berufungsverhandlung hinsichtlich der Diffusoren - Marc Surer erwartet keine rückwirkenden Disqualifikationen

Eigentlich geht die Fachwelt davon aus, dass bei der heutigen Diffusoren-Berufungsverhandlung in Paris maximal das Reglement für die Zukunft präzisiert und den Konstruktionen von Brawn, Toyota und Williams ein Riegel vorgeschoben wird, doch anno 2009 ist die Formel 1 so unberechenbar, dass man sich mit solchen Prognosen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte.

Die Gegenseite - als aktive Protestler vertreten Ferrari, Renault und Red Bull die Anklägerseite - hat sich jedenfalls gut auf die Anhörung vorbereitet. Ins Spiel gebracht wird auch die Arbeitsgruppe Überholen (OWG), der Ferrari und Renault angehören, ebenso wie das heute nur passiv vertretene Team McLaren-Mercedes. Denn laut der Arbeitsgruppe verstoßen die Diffusoren gegen den Geist des neu eingeführten Reglements.

Byrne befürchtet weniger Überholmanöver

"Wenn alle Autos mit diesen Diffusoren ausgerüstet sind, wird es mit dem Überholen wieder schwieriger werden", wird OWG-Designer Rory Byrne von 'auto motor und sport' zitiert. Sein Argument: "Es geht gar nicht so sehr darum, ob sich die Turbulenzen durch die neuen Unterböden vergrößern. Wer aber mit solchen Diffusoren operiert, der tut sich selbst schwerer, hinter einem anderen Auto herzufahren."

Daneben befürchtet Byrne genau wie BMW Motorsport Direktor Mario Theissen eine millionenschwere Neuauflage des Entwicklungsrennens um den "Ground-Effect" - mit höheren Kurvengeschwindigkeiten, wie sie die FIA aus Sicherheitsgründen unterbinden will. Und: "Wir werden extreme Hinterradaufhängungen erleben, nur um die Eintrittslöcher in den Diffusor immer weiter vorne beginnen zu lassen. Ich sehe schon Hinterachskonstruktionen wie in den 1960er-Jahren vor mir."

Brawn und Co. argumentieren indes: Unsere Diffusoren interpretieren das Reglement klug, verstoßen aber nicht dagegen. Außerdem habe man innerhalb der Technischen Arbeitsgruppe bereits vor einem Jahr angefragt, ob man das Reglement nicht präzisieren sollte. Ausgerechnet Pat Symonds von Renault hat damals sein Veto eingelegt. Also buchstäblich gesehen legal, vom Geist her jedoch nicht wünschenswert? "Ich bin mir da nicht ganz sicher", analysiert Ex-Grand-Prix-Fahrer Marc Surer.

Löcher im Unterboden

"Es gibt definitiv Löcher im Unterboden, die nicht im Sinne des Reglements sind. Da könnte man schon einhaken", sagt der 'Motorsport-Total.com'-Experte und fügt an: "Dabei geht es aber nicht um einen klaren Verstoß, sondern um eine Grauzone." Aus Sicht von Byrne ist der Fall glasklar: "Das Reglement erlaubt keine voll umrandeten Löcher in dem vertikalen Übergang. Es spricht sogar von durchgehenden, nicht unterteilten Flächen im Unterboden."

Byrne nennt ein Referenzbeispiel: "2001 wurden am Williams in Imola Löcher im Unterboden entdeckt. Williams musste diese Löcher nach Einspruch der Technischen Delegierten der FIA schließen. Warum gilt heute nicht mehr, was damals galt?" Und auch Surer stellt sich grundsätzlich auf seine Seite: "Ich bin der Meinung, dass die Idee des Diffusors nicht beinhaltet, dass man auch irgendwo anders Luft absaugt."

"Die Frage ist: Werden sie das Reglement präzisieren oder werden sie sich für die Zukunft etwas überlegen? Denn eines ist sicher: Die Autos sind zu schnell - das war nicht so geplant", meint der Schweizer vor der heutigen Verhandlung. Allerdings kann er sich nicht vorstellen, dass die Rennergebnisse von Australien und Malaysia nachträglich gekippt werden, schließlich haben die Kommissare die Diffusoren dort für legal erklärt.

Renaults Schwingungstilger, Ferraris Unterboden

Surer verweist auf Renaults Schwingungstilger und Ferraris absenkbaren Unterboden - alles Designs, die verboten wurden, aber von den betroffenen Teams nur umgebaut werden mussten, ohne dass auf vergangene Ergebnisse eingegriffen wurde. Entscheidend ist aus Sicht des 57-Jährigen, dass Brawn, Toyota und Williams durch das Urteil der Kommissare zum Zeitpunkt deren Entscheidung mit legalen Autos gefahren sind.

"Wenn die Kommissare das Auto abnehmen, dann bist du mit einem reglementkonformen Auto gefahren. Was immer jetzt auch passieren mag, wird nicht rückwirkend sein", kündigt Surer an. Nur wenn gegen einen negativen Bescheid der Kommissare unter Berufung gefahren wird, können die Ergebnisse geändert werden: "Dann kannst du nachträglich disqualifiziert werden, weil du gegen das Reglement verstoßen hast, aber trotzdem gefahren bist."

Was auch immer heute am Place de la Concorde im FIA-Hauptquartier in Paris passieren wird, eines steht jetzt schon fest: Das Urteil könnte für die Weltmeisterschaft vorentscheidenden Charakter haben. Denn werden die Diffusoren für legal erklärt, dann haben drei Teams einen Vorsprung, von dem sie noch mindestens ein paar Wochen zehren werden, und werden sie verboten, dann könnte das Kräfteverhältnis neuerlich auf den Kopf gestellt werden...

Fotoquelle: xpb.cc

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