Fernando Alonso blickt der Reifennutzung in China skeptisch entgegen

Formel 1 2009

— 16.04.2009

Alonso: "Die Reifen sind ein Witz"

Fernando Alonso kritisiert die Reifenauswahl für das Rennen in Schanghai scharf: "Es gibt auch andere Möglichkeiten, sich lächerlich zu machen"

Renault konnte in den ersten beiden Saisonrennen zwar immerhin vier Punkte holen, doch ist der neue R29 noch längst nicht auf dem Niveau der aktuell besten Formel-1-Teams. Erst in Barcelona wollen die Franzosen einen neuen Doppeldiffusor parat haben. Doch nicht die mangelnde Performance den Boliden macht Topstar Fernando Alonso zurzeit die größten Sorgen, sondern die Reifenauswahl für den kommenden Grand Prix. In Schanghai erklärte der Spanier seine Bedenken der Presse.

Frage: "Fernando, die Entscheidung bezüglich der Diffusoren ist gefallen. Ihr werdet an diesem Wochenende noch mit dem alten Bauteil fahren. Was für ein Gefühl hast du dabei?"
Fernando Alonso: "Ich kümmere mich nicht sonderlich darum, denn es ist nicht in unserer Hand, sondern die Entscheidung der FIA oder des dortigen Berufungsgerichts. Ich als Fahrer verstehe zu wenig davon, denn ich bin kein Techniker und bin nicht ganz sicher, wie die Regeln formuliert sind. Aber natürlich sehe ich, dass Brawn, Toyota und Williams schneller sind als wir."

"Es wird einige Zeit dauern, um aufzuholen und genauso schnell wie die anderen zu sein. Es geht nicht nur um den Diffusor als mögliches Wunderteil, welches dann ganz plötzlich das Auto deutlich schneller macht. Man muss das Auto komplett etwas neu designen, beim Frontflügel angefangen. Die Luft muss etwas anders zum Heck geführt werden. Es ist nicht nur der Diffusor, sondern eine andere Philosophie beim Bau des Autos."

Hat Brawn den Titel schon in der Tasche?

Frage: "Es wird nun einige Monate dauern. Ist die Meisterschaft somit schon zugunsten von Brawn entschieden?"
Alonso: "Wir werden sehen. Ich persönlich hoffe das natürlich nicht, weil ich mir wünsche, dass die Meisterschaft bis zum allerletzten Moment spannend bleibt. Aber es stimmt schon, dass Brawn in den kommenden Rennen viele Punkte sammeln kann und dann ist für uns zum Aufholen vielleicht schon zu spät."

"Aber so ist es jetzt nun einmal. Wir haben ein starkes Team und wir haben das Potenzial, unser Auto schnell zu entwickeln. Brawn ist zwar schnell, aber die Teams, die jetzt ihre Autos neu designen müssen, sind die besten Teams der Formel 1: Ferrari, Renault, McLaren-Mercedes und das BMW Sauber F1 Team. Wir können das schaffen, denn wir haben ein starkes Team."

Frage: "Wird es denn bei euch schon an diesem Wochenende einen Fortschritt geben? Wenigstens einen kleinen mit den neuen Teilen?"
Alonso: "Ich denke, wir werden ab jetzt an jedem Rennwochenende Fortschritte machen können. Wir werden Schritt für Schritt stärker. Man kann beim Diffusor nun neue Felder erkunden und Zeitgewinne ausfindig machen. Einige Teams sind schon seit fünf Monaten am Feintuning. Für uns beginnt das jetzt erst und wir werden in vielen Bereichen Fortschritte machen können. Ich bin sicher, dass man bei uns bei jedem Grand Prix einen Schritt erkennen wird."

Frage: "Die Fahrergwerkschaft GPDA hat nach dem Sepang-Debakel mit den Veranstaltern gesprochen. Was ist dabei herausgekommen?"
Alonso: "Die GPDA kümmert sich um die Sicherheit bei den Rennen und es gab wegen der späten Startzeiten sowohl in Melbourne als auch im Regen von Sepang einige Probleme mit der Sicht. Wir wollen mal schauen, ob wir das für das kommende Jahr verbessern können."

Reifen: Die einen zu hart, die anderen zu weich

Frage: "Machst du dir wegen der ultraweichen Reifen an diesem Wochenende Sorgen?"
Alonso: "Ja, sehr sogar. Das ist die schlechteste Entscheidung seit langer Zeit. Der Reifen ist für Schanghai einfach lächerlich. Bridgestone oder die FIA haben diese Entscheidung getroffen, aber sie sollten dies überdenken. Wir sehen doch lächerlich aus im Fernsehern und auch bei den Zuschauern vor Ort. Es ist doch ein Witz, wenn uns die Leute im Fernsehen sehen, wie wir sechs Sekunden langsamer um die Piste zuckeln."

"Nach unseren Berechnungen werden wir die Reifen nach fünf oder sechs Runden wechseln müssen. Der Asphalt hier ist heftiger als jener in Melbourne und in Melbourne haben diese Reifen gerade einmal neun Runden gehalten. Wenn sie unterhaltsam sein wollen, das Feld aufmischen wollen und Überholmanöver provozieren wollen, dann können sie es bessern machen. Eine echt lustige Lösung. Vielleicht können sie uns ja mit Regenreifen fahren lassen oder so. Dann sieht es noch lustiger aus, wegen des großen Unterschieds beim Speed. Ich weiß es echt nicht mehr. Das macht mir Sorgen und es macht mich traurig, denn es wird sehr merkwürdig wirken."

Frage: "Sind die Fahrer nicht bezüglich der Reifenwahl gefragt worden?"
Alonso: "Nein. Wir haben unsere Bedenken nach dem Australien-Rennen geäußert, denn der Unfall zwischen Sebastian Vettel und Robert Kubica lag im großen Geschwindigkeits-Unterschied begründet. Er hat versucht zu überholen, aber Vettel konnte den Wagen mit diesen Reifen nicht kontrollieren: Er konnte nicht bremsen, nicht einlenken, gar nichts konnte er machen. Robert hatte anschließend einen hfetigen Einschlag, weil sein Auto beschädigt war. Dann haben wir unsere Bedenken geäußert und nun bekommen wir auf einer noch schlimmeren Strecke diese Reifen schon wieder. Das sollten wir schleunigst abstellen."

Frage: "Ist es nur die Kombination dieser ultraweichen Reifen mit der Strecke, oder sind es auch die kühleren Temperaturen?"
Alonso: "Es sind diese Reifen auf dieser Art von Strecke mit den langen, schnellen Highspeed-Kurven. Die superweichen Reifen werden schon in Kurve eins zerstört und in Kurve zehn ist vom Gummi nichts mehr übrig."

Der Witz: Ein Reifen für zehn Kurven

Frage: "Wird es mit den härteren Reifen bei kühleren Temperaturen ebenfalls Probleme geben?"
Alonso: "Ja, bestimmt auch. Der eine wird zu hart sein und der andere zu weich. Den richtigen Reifen haben sie zuhause gelassen! Der normale weiche Reifen ist zuhause. Genau das gleiche ist in Australien auch passiert. Man macht das wohl, um die Show zu verbessern und mehr Überholmanöver zu haben. Aber wie ich schon sagte: Wenn wir solchen Spaß haben wollen, dann können wir alle auch Nummern ziehen und derjenige, der die 15 zieht, bekommt Regenreifen. Das wäre wenigstens lustig, aber so macht es keinen Spaß."

Frage: "Welche neuen Teile werdet ihr am Auto haben?"
Alonso: "Ich weiß es noch gar nicht, denn wir hatten das entsprechende Meeting noch nicht. Einige der neuen Teile werden erst in allerletzter Minute hier eintreffen. Ich denke, es wird wie in Australien und Malaysia sein. Also werden es Kleinigkeiten bei der Aerodynamik sein. Ich weiß aber auch, dass es ein paar mechanische Verbesserungen an der Hinterachse geben wird, um den Grip zu erhöhen. Genau dort lag unser größtes Problem bei den ersten beiden Rennen. Bei jedem Rennen werden wir Schritte machen und hoffentlich können wir die Lücke schließen. Im Moment haben wir Probleme, in Q3 einzuziehen. Wir müssen weiter aufholen."

Frage: "Wirst du auch bei den kommenden Rennen KERS einsetzen?"
Alonso: "Auch darüber werden wir zu diskutieren haben. Wir planen es eigentlich schon, KERS auch bei den nächsten Rennen zu nutzen. Aber wir sind da sehr offen. Wir müssen alles genau betrachten und verstehen, die Ergebnisse analysieren und es vielleicht erst einmal einen Tag lang testen. Wenn wir es dann für den nächsten Tag ausbauen müssten, wäre das auch machbar. Wir sind da offen für alles."

Fotoquelle: xpb.cc

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