Diffusorgegner unter sich: Christian Horner, Mario Theissen und Flavio Briatore

Formel 1 2009

— 17.04.2009

Diffusorstreit: Kommt da noch was?

Eigentlich sollte man meinen, der Diffusorstreit sei ausgestanden, doch das ist nicht in Stein gemeißelt - McLaren-Mercedes mit neuem Design

Mit der Entscheidung des Internationalen Berufungsgerichts der FIA, das am Mittwoch die Proteste von Ferrari, Renault und Red Bull gegen die umstrittenen Diffusoren von Brawn, Toyota und Williams zurückgewiesen hat, sollte der Diffusorstreit in der Formel 1 eigentlich beendet sein. Tatsächlich könnte es aber noch eine Runde geben.

Denn das BMW Sauber F1 Team war zwar in Paris anwesend, um der Berufungsverhandlung beizuwohnen, doch der von den Deutschen erst in Malaysia abgewiesene Protest wurde dort formell gesehen nicht behandelt. Abgewiesen wurden bisher nur die Proteste von Ferrari, Renault und Red Bull gegen die Entscheidung der FIA-Kommissare in Australien. Theoretisch könnte das BMW Sauber F1 Team gegen die Entscheidung von Malaysia ebenfalls in Berufung gehen.

Entscheidung steht noch aus

"Wir haben uns noch nicht entschieden", sagt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen und verweist auf die noch ausständige Urteilsbegründung in voller Länge, die er erst abwarten möchte. Damit vertritt er einen ähnlichen Standpunkt wie Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Der kann zwar auf FIA-Ebene keine weitere Berufung mehr in die Wege leiten, hat aber zumindest theoretisch noch die Option, vor ein ordentliches Gericht zu gehen.

Theissen sagt über das FIA-Urteil: "Wir sind enttäuscht. Andererseits müssen wir das so akzeptieren - und das tun wir auch. Wir arbeiten nun an unserem eigenen Konzept, was eine große Herausforderung ist, denn der Diffusor ist nicht einfach ein Stück Kohlefaser unter dem Auto. Er funktioniert nur, wenn er ins gesamte Aerokonzept integriert ist, also müssen wir unser Aerokonzept neu designen und neu entwickeln."

Als erstes Team hat McLaren-Mercedes dem Urteil von Paris Rechnung getragen: Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen fuhren heute Morgen in Schanghai erstmals mit einem zusätzlichen Flap am Ende des Unterbodens, durch den der Diffusor wuchtiger und länger daherkommt und somit effizienter sein sollte. Von einem klassischen Doppeldecker kann noch keine Rede sein, doch es handelt sich immerhin mal um eine provisorische Vorstufe.

Auch Renault soll bereits am Diffusor gearbeitet und neue Teile entwickelt haben. Trotzdem ist Teamchef Flavio Briatore im Fahrerlager derjenige, der sich via 'Gazzetta dello Sport' am lautesten beschwert: "Die Fahrer in unseren Teams sind Weltmeister, während die Weltmeisterschaft jetzt zwischen einem Fahrer, der schon fast in Rente war (Barrichello), und einem netten Kerl, der ein Betonpfosten ist (Button; Anm. d. Red.), entschieden wird."

Briatore fuchsteufelswild

"Ich weiß nicht, wo da die Glaubwürdigkeit bleibt. Den Rückstand auf die Diffusorteams aufzuholen, ist jetzt unmöglich", schimpft Briatore. "In drei oder vier Grands Prix wird alles entschieden sein. Warum sollen sich die Leute das dann noch im Fernsehen antun, wenn Button mit 60 Punkten gegen Nakajima mit 50 fährt und ein anderer 80 Punkte hat? Da höre ich mir die Rennen lieber gleich im Radio an, weil ich mir das nicht anschauen will."

Außerdem bringt er neuerlich das Kostenargument ins Spiel: "Da reden wir einerseits von einer Budgetgrenze von 30 Millionen, aber andererseits geben wir 15 Millionen für KERS aus und zehn für einen neuen Diffusor. Da bleiben mir noch fünf für die Reisekosten und für die Gehälter." Nur sollte die Frage erlaubt sein: Was können Brawn, Toyota und Williams dafür, dass die Teams, die die Entwicklung verschlafen haben, jetzt um teures Geld nachrüsten müssen?

Im Interesse des Sports, der nach dem sehr politisch geprägten Saisonauftakt ein bisschen Ruhe gut vertragen könnte, kann man nur wünschen, dass es im Diffusorstreit keine weitere Runde geben und dass sich die Aufregung der Berufungsverlierer bald legen wird. Denn einen auf sportlicher Ebene errungenen WM-Triumph würden die Fans Ferrari, Renault und Co. bestimmt höher anrechnen als einen am Grünen Tisch...

Fotoquelle: xpb.cc

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