Norbert Haug (links) im Gespräch mit Toyota-Teamchef John Howett

Formel 1 2009

— 17.04.2009

McLaren-Mercedes von der Realität eingeholt

Mercedes-Sportchef Norbert Haug sagt klipp und klar: "Im letzten Jahr zu gewinnen war für uns einfacher, als jetzt einen Punkt zu holen"

Bei McLaren-Mercedes brennt weiterhin nicht nur politisch (Stichwort Lügenaffäre), sondern auch sportlich der Hut: Mit dem neuen Interimsdiffusor fuhr Lewis Hamilton zwar am Freitagmorgen in Schanghai Bestzeit, doch in der zweiten Session fiel der Weltmeister auf den 13. Platz zurück. Auch Heikki Kovalainen wurde mit einer Sekunde Rückstand nur Neunter.

Das legt den Verdacht nahe, dass zum Auftakt mit wenig Benzin für die Galerie gefahren wurde. Mercedes-Sportchef Norbert Haug bestätigt dies: "Wir sind ein anderes Programm als heute Morgen gefahren, auch gewichtsmäßig." Allerdings habe man nicht krampfhaft auf die Stoppuhr geschaut, sondern es ging dabei um das bestmögliche Ausschöpfen der Trainingszeit, denn: "Wenn man sich in der Früh gleich die Reifen kaputt macht, lernt man gar nichts." Also wenig Benzin.

"Die Trauben hängen hoch", seufzt der Deutsche und verweist auf die Ferrari-Durststrecke zwischen Jody Scheckter 1979 und Michael Schumacher 2000: "Ferrari hat mal mehr als 20 Jahre gebraucht, um wieder Weltmeister zu werden. Mir persönlich sind 20 Monate schon zu viel!" Und Haug führte neuerlich aus, dass die Brawn-Performance "kein Wunder" ist, sondern ein Produkt immenser Ressourcen kombiniert von der Nichtbeteiligung am WM-Kampf 2008.

Aber er redet grundsätzlich nicht um den heißen Brei herum: "Die Ausrede, dass es nur der Diffusor ist, gibt es nicht. Wir sind derzeit aerodynamisch einfach zu schwach. Da müssen wir klipp und klar nachrüsten, aufholen, hart arbeiten. Diese Devise ist ganz klar ausgegeben. 2006 sind wir auch schon mal daneben gelegen und hatten keine Siege, aber 2007 und 2008 haben wir sehr, sehr viel gewonnen. Da müssen wir wieder hin. Das Reden hilft da nichts, sondern wir müssen arbeiten."

Man muss dem 56-Jährigen zugestehen, dass er gar nicht erst versucht, die aktuelle Situation schönzufärben. Stattdessen punktet er bei Journalisten wie auch bei den Fans mit ehrlichen Statements wie: "Im letzten Jahr den Grand Prix zu gewinnen war für uns einfacher, als jetzt einen Punkt zu holen. So sieht die Realität aus." Aber gleichzeitig lässt er den Kopf nicht hängen: "Das wird wieder anders werden!"

Und was ist im Qualifying für euch drin? "Wir müssen realistisch sein und sagen, dass mehr als das zweite Qualifying wahrscheinlich nicht geht. Das wäre die sechste oder siebente Startreihe", so Haug. "Dann schauen wir mal. Wir hoffen auf unser Technikpaket, auf unsere Leistung, auf KERS - vielleicht können wir überholen. Das hat bisher sehr gut funktioniert und vielleicht können wir ein bisschen Profit daraus schlagen. Aber wir sind nicht über Nacht zum Favoriten geworden."

Fotoquelle: xpb.cc

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