Kaum zu glauben, aber wahr: Robert Kubica hat ein Gewichtsproblem...

Formel 1 2009

— 18.04.2009

Die Diskussion um das Mindestgewicht

Seit KERS ist das Mindestgewicht der Formel-1-Autos ein heißes Thema, doch im Moment zeichnet sich noch keine neue Regelung ab

Laut FIA-Reglement müssen die Formel-1-Autos "zu jedem Zeitpunkt" eines Rennwochenendes mit Fahrer und Flüssigkeiten über 605 Kilogramm wiegen. Das war in den vergangenen Jahren eine fast belanglose Vorschrift, weil die Boliden ohnehin so leicht gebaut werden, dass es nur darum ging, wie viel Ballastgewicht in Form von Wolframplatten wo platziert werden konnte.

Doch durch die Einführung des Energierückgewinnungssystems KERS wurden die 605 Kilogramm plötzlich zum Thema, weil eine derzeitige KERS-Einheit zwischen 30 und 40 Kilogramm wiegt - und damit stehen zumindest die kräftiger gebauten Piloten im Feld vor dem Problem, dass sie entweder das Mindestgewicht überschreiten oder keinen Ballast mehr zur Verfügung haben, um die Gewichtsverteilung zu optimieren.

Mehr Gewicht = langsamere Rundenzeit

Letzteres Handicap ist schon schlimm genug, doch eine Überschreitung des Mindestgewichts kommt auf keinen Fall in Frage: Zehn Kilogramm mehr Gewicht bedeuten auf der Stoppuhr je nach Streckencharakteristik zwischen drei und vier Zehntelsekunden - in einer Formel 1, die so umkämpft ist wie 2009, ein absolutes Tabu. Aus eben diesem Grund setzt etwa das BMW Sauber F1 Team bei Fliegengewicht Nick Heidfeld auf KERS, aber bei Robert Kubica nicht.

Also wurde innerhalb der Technischen Arbeitsgruppe der Vorschlag eingebracht, das Mindestgewicht zu erhöhen, um Kubica, Mark Webber und Co. nicht mehr zu benachteiligen. Aber: "Wir waren eines von nur drei oder vier Teams, das das unterstützt hat", berichtet Williams-Technikchef Sam Michael. "Auch wenn wir derzeit keine schweren Fahrer haben, so könnten wir in fünf Jahren wieder welche haben. Daher wünsche ich mir ein gerechtes System."

Eines ist klar: Ein Felipe Massa mit seinen 59 Kilogramm wird herzlich wenig Interesse daran haben, seinen schwereren Konkurrenten zu helfen, für einen Webber oder Adrian Sutil mit 75 Kilogramm sieht die Welt aber ganz anders aus. Und auch der auf 71 Kilogramm abgespeckte "Hungerhaken" Kubica sagt klipp und klar: "In der Vergangenheit konnte ich viel mit Ballast herumspielen, aber wenn KERS an Bord ist, geht das nicht mehr."

Es geht nicht nur um eine etwaige Überschreitung des Mindestgewichts, sondern auch darum, möglichst viel Spielraum für das Optimieren der Gewichtsverteilung zu schaffen. Denn wenn Heidfeld zehn Kilogramm mehr verschieben kann als Kubica, wirkt sich das auf die Balance klarerweise aus. Aber der Pole glaubt nicht, dass bald etwas passieren wird: "Die Formel 1 hat im Moment andere Sorgen, als die schwereren Fahrer den leichteren anzugleichen..."

Red Bull pro mehr Mindestgewicht

Innerhalb der Technischen Arbeitsgruppe wurde offenbar bereits über den Vorschlag diskutiert, die Fahrereinheit samt Sitzschale künftig auf ein einheitliches Gewicht zu bringen - auch wenn BMW Motorsport Direktor Mario Theissen von einer solchen Initiative noch nie etwas gehört hat. Anscheinend ist es jedoch so, dass die Teams, die derzeit Fliegengewichte beschäftigen, gegen eine solche Regeländerung sind.

"Ich will Red Bull hier nicht unterstützen, aber ich stimme ihnen zu", klärt Michael über die Vorgänge hinter den Kulissen auf. "Innerhalb der Technischen Arbeitsgruppe wurde der Vorschlag von einigen Teams mit der Begründung abgelehnt, dass schwere Fahrer kräftiger sind und dadurch einen Vorteil haben. Mark Webber sagt, das ist Unsinn - und ich meine, er hat Recht. Die Autos haben heutzutage Powersteering, da ist das kein Argument mehr."

Die Gewichtsverteilung ist gerade mit dem neuen Reglement so wichtig wie noch nie, weil durch die Einführung der breiteren Frontflügel und durch das Verschwinden der Rillen in den Reifen die Vorderachse im Verhältnis zur Hinterachse deutlich mehr Grip hat als in der Vergangenheit. Das bedeutet, dass für die leichten Fahrer viel Ballastgewicht zum Ausgleichen der Balance ein noch größerer Vorteil geworden ist.

Deswegen will Bridgestone 2010 schmälere Vorderreifen einführen. Theissen begrüßt dies als positiven Schritt in die richtige Richtung: "Das wird in Verbindung mit der Erhöhung des Mindestgewichtes dafür sorgen, dass dieses Gewichtsverteilungsproblem verschwindet, das heute die größeren Fahrer behindert. Unsere Techniker sagen, dass das reichen wird, um wieder in die Gewichtsverteilung zu kommen, in der wir waren."

Fotoquelle: xpb.cc

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