Red Bull jubelt: Webber verpasst Vettel eine Ladung Siegerchampagner...

Formel 1 2009

— 19.04.2009

Red Bull verleiht Flügel: Vettel gewinnt im Regen!

Sebastian Vettel feiert nach Monza seinen zweiten Sieg, beschert Red Bull einen Doppelsieg vor Brawn - Ferrari mit dritter Nullnummer en suite

Normalerweise ist es für einen Polesetter keine gute Nachricht, wenn es nach zwei trockenen Tagen zu regnen beginnt, doch die Fans von Sebastian Vettel werteten das schlechte Wetter heute in Schanghai einfach als gutes Omen, denn auch in Monza 2008 hatte der aufstrebende Superstar auf nasser Strecke von der Pole-Position aus gewonnen. Und die Geschichte sollte sich tatsächlich wiederholen...

Vettel feierte in seinem 29. Formel-1-Rennen den zweiten Sieg seiner Karriere und "entjungferte" damit nach Toro Rosso auch das zweite Red-Bull-Team! Den totalen Triumph der österreichischen "Roten Bullen" aus Milton Keynes komplettierte Mark Webber, der ebenfalls eine starke Leistung ablieferte, sich darüber aber nicht ganz so ausgelassen freuen konnte, schließlich hätte er dem Team am liebsten selbst den ersten Sieg beschert.

Brawn-Team erstmals geschlagen

Damit ist die Siegesserie des neuen Brawn-Mercedes-Teams vorerst durchbrochen, aber Jenson Button und Rubens Barrichello holten noch das Maximum aus der ersten Niederlage heraus, landeten auf den Plätzen drei und vier und sammelten damit wertvolle Punkte für die Weltmeisterschaft. Schwer geschlagen dafür Ross Brawns Ex-Team Ferrari: Im dritten Saisonlauf gab es die dritte Nullrunde - so schlecht ist Ferrari seit 1981 nicht mehr gestartet!

Doch der Reihe nach: Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) und Timo Glock (Toyota) entschieden sich aufgrund ihrer aussichtslosen Startpositionen für einen Start aus der Boxengasse, wodurch sie am Setup basteln und nachtanken durften. Das Rennen ging dann zunächst hinter dem Safety-Car los, weil FIA-Rennleiter Charlie Whiting nach einem bislang trockenen Wochenende den Fahrern Gelegenheit geben wollte, sich auf die Bedingungen einzustellen.

Doch wer glaubt, dass die Action erst mit dem Ende der Safety-Car-Phase nach acht Runden losging, der irrt! Die beiden Ferrari-Piloten und Adrian Sutil (Force-India-Ferrari) leisteten sich nämlich in der Zielkurve, in der offenbar besonders viel Wasser stand, kleine Ausritte, und später kamen Sutil, Nico Rosberg (Williams-Toyota) und Fernando Alonso (Renault) an die Box, um ihre zu Beginn recht luftig gefüllten Benzintanks mit Sprit zu versorgen.

Pech für leichten Alonso

Das Safety-Car machte Alonso klarerweise das Rennen kaputt, denn der Spanier wäre unter normalen Bedingungen in Runde zehn an die Box gekommen und hatte seine Strategie darauf ausgelegt, sich in diesen zehn Runden nach hinten einen Vorsprung zu verschaffen. Stattdessen ergab sich durch seinen Boxenstopp eine Doppelführung der Red-Bull-Renaults vor den Brawn-Mercedes-Piloten. Barrichello konnte sich jedoch nur kurz vor Button halten.

Vettel nutzte den Sichtvorteil des Führenden und setzte sich gleich im ersten Umlauf um dreieinhalb Sekunden ab, war von Anfang an der klar schnellste Mann im Feld. Doch im Gegensatz zur recht disziplinierten Spitze ging es weiter hinten ziemlich zur Sache: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) lieferte sich beispielsweise ein heißes Duell mit Kimi Räikkönen, dessen Ferrari er viermal (!) überholen musste, ehe er die Position endlich behalten konnte.

Hamilton glänzte zunächst mit überragendem Speed, leistete sich aber im Rennverlauf mehrere Fehler und schaffte daher kein zweites Meisterstück wie in der vergangenen Saison in Silverstone. Dafür sorgte Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari) völlig überraschend für Furore: Der eidgenössische Rookie setzte mit einem Überholmanöver gegen Räikkönen ein persönliches Highlight, lag immer auf Punktekurs.

Schmaler Grat: Buemi vs. Vettel

Am Ende gab es für Platz acht tatsächlich einen Zähler, obwohl er beinahe die Red-Bull-Sternstunde hätte platzen lassen: Buemi fuhr in der 20. Runde im strömenden Regen zu Beginn einer weiteren Safety-Car-Phase von hinten auf Vettel auf und rasierte sich dabei die Nase ab. Zum Glück blieben jedoch Vettels Hinterreifen heil. Für Buemi wäre ohne dieses Missgeschick sogar ein noch besseres Ergebnis möglich gewesen.

In der 14. Runde kam Webber trotz höherer Benzinlast vor Vettel an die Box. In der 18. Runde dann die erste große Schrecksekunde: Kubica fuhr vor der Zielkurve von hinten auf Jarno Trulli (Toyota) auf, hob regelrecht von der Strecke ab - Szenen, die frappierend an den Horrorcrash in Montréal 2007 erinnerten. Nach einem Reparaturstopp konnte zumindest Kubica weiterfahren, aber der Pole spielte für die Vergabe der Punkte keine Rolle mehr.

Aufgrund der herumliegenden Wrackteile aktivierte die Rennleitung erneut das Safety-Car, was dem führenden Button beinahe alles zerstört hätte, denn die Brawn-Strategie war in jener Phase darauf ausgerichtet, mit weniger Benzin einen Vorsprung herauszufahren. Doch auch wenn dieser Vorteil dahin war, so reagierte das Team blitzartig, holte beide Autos zeitgleich zum Doppelstopp rein und hielt den Schaden damit in Grenzen.

Souveräne Vorstellung von Vettel

Beim Restart in Runde 23 führte Vettel vor Button und Webber - und es zeichnete sich bereits ab, dass der Sieg nur über Red Bull oder Brawn führen würde. Vettel geigte dann erneut groß auf, holte sich wieder einen komfortablen Vorsprung von 15 Sekunden und profitierte obendrein vom Duell zwischen seinen beiden Verfolgern, die viel riskierten und jeweils einmal neben die Strecke mussten. Damit war im Grunde genommen schon vor dem zweiten Boxenstopp alles geritzt.

Vettel ließ nichts mehr anbrennen, fuhr mit der Coolness eines Michael Schumacher völlig fehlerfrei und brachte nach 56 Runden 10,9 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen ins Ziel. Teamchef Christian Horner am Kommandostand war die Nervosität in den letzten Runden anzusehen, aber als dann alles in trockenen Tüchern war, war die Erleichterung groß - da störte es auch niemanden, dass fälschlicherweise "God save the Queen" statt der österreichischen Hymne gespielt wurde...

Quasi im Vorbeigehen absolvierte Vettel heute die 6.000 deutsche Führungsrunde in der Formel 1, nachdem er bereits gestern die 80. Pole-Position herausgefahren hatte. Für die übrigen Deutschen lief es aber weniger gut: Glock sammelte nach seinem Start aus der Boxengasse als Siebenter immerhin zwei versöhnliche WM-Punkte, doch ansonsten ging die Bundesrepublik heute leer aus - obwohl das gesamte Quintett gewertet wurde!

Sutil wirft drei mögliche Punkte weg

Adrian Sutil (Force-India-Mercedes) lag nach einem Dreher seines Kumpels Hamilton schon an sechster Stelle, hätte endlich wieder mal WM-Punkte sammeln können, doch dann brach ihm das Heck aus und er krachte in die Mauer. Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) konnte sich nach einer Kollision mit Glock nie richtig in Szene setzen und Nico Rosberg (Williams-Toyota) fiel nur durch sein waghalsiges Experiment mit Intermediates auf, das völlig in die Hose ging.

Viel schlimmer als die Deutschen erwischte es aber Ferrari: Räikkönen musste sich zu Beginn demütigen lassen, als er viermal von Hamilton und sogar von Buemi mit dem Kundenmotor überholt wurde, und der Arbeitstag von Felipe Massa endete während der zweiten Safety-Car-Phase, als an dritter Stelle liegend sein V8-Motor einfach abstarb. Immerhin gab das Team in der Konstrukteurs-WM dank Räikkönens zehnter Position die rote Laterne ab.

In der letzten Phase des Rennens war vorne alles klar: zwei Red Bulls vor zwei Brawns und zwei Silberpfeilen. Heikki Kovalainen sicherte sich als Fünfter die ersten Punkte der Saison, gefolgt von Hamilton, Glock und Buemi. Alonso, der Buemi lange unter Druck gesetzt hatte, schrammte am Ende um 7,8 Sekunden an einem zählbaren Resultat vorbei. Insgesamt sahen 16 Fahrer die Zielflagge, 17 kamen in die Wertung.

Keine Ruhmesblätter: Piquet & Nakajima

Erwähnenswert ist noch die bedauerliche Vorstellung von Nelson Piquet (Renault), der gleich zweimal Schrott fabrizierte und damit keine Werbung in eigener Sache betrieb, was sein Standing bei Teamchef Flavio Briatore angeht. Ähnlich erging es Kazuki Nakajima (Williams-Toyota), der von den Kameras öfter neben als auf der Strecke eingefangen wurde und 13 Runden vor Schluss an der Garage aus dem Cockpit steigen musste.

In der Fahrer-WM hat das Brawn-Duo den Vorsprung auf die Verfolger weiter ausgebaut: Button hat nun 21 von 25 möglichen Zählern auf dem Konto und führt vor Barrichello (15), Vettel und Glock (je 10). Titelverteidiger Hamilton liegt mit vier Punkten nach drei von 17 Rennen auf dem achten Zwischenrang. Bei den Konstrukteuren hält Brawn (36) die Spitze vor Red Bull (19,5) und Toyota (18,5). Die Etablierten der vergangenen Jahre liegen abgeschlagen zurück.

Weiter geht es schon am nächsten Wochenende in Bahrain. Der kurze Zeitabstand zwischen den beiden Rennen bedeutet, dass die Teams kaum Zeit haben, um neue Teile zu entwickeln. Das heißt, dass eine signifikante Veränderung des Kräfteverhältnisses eine Überraschung wäre. Ziel von Brawn und Co. muss also sein, den Diffusorvorteil weiterhin in Punkte umzumünzen, bevor die Konkurrenz in Europa nachziehen kann.

Fotoquelle: xpb.cc

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