"Ich sage euch, Jungs, gegen diesen Brawn müssen wir etwas unternehmen!"

Formel 1 2009

— 20.04.2009

FOTA-Teams ergreifen Partei für Brawn

Flavio Briatore will Ross Brawn die FOM-Gelder verweigern, doch innerhalb der Teamvereinigung FOTA scheint er dafür keine Rückendeckung zu haben

Renault-Teamchef Flavio Briatore hat am vergangenen Wochenende in Schanghai im eigentlich bereits zu den Akten gelegten Diffusorstreit noch einmal ordentlich nachgetreten. Höhepunkt seiner Entgleisungen war die Ankündigung, dass er sich innerhalb der Teamvereinigung FOTA dafür einsetzen will, Brawn nicht an den FOM-Geldern zu beteiligen.

Dabei geht es um den Streit, ob Ross Brawn genauso am Einnahmentopf der Formel 1 mitnaschen darf, wie es seinen Vorgängern von Honda zugestanden wäre. Die FOTA hat diesbezüglich Anfang März in Genf bereits signalisiert, dass die gegnerischen Teams von ihrem Vetorecht keinen Gebrauch machen werden - im Interesse des Sports. Doch nun will Briatore von dieser (noch nicht unterzeichneten) Vereinbarung nichts mehr wissen.

30 Millionen Euro stehen auf dem Spiel

Der Streit dreht sich laut Briatore um ungefähr 30 Millionen Euro, die entweder an Brawn gehen oder unter allen anderen Teams aufgeteilt werden. Dass der Renault-Teamchef diese wegen des innovativen Brawn-Diffusors verweigern will, entbehrt jeder Logik, schließlich war es einst sein eigener Chefingenieur Pat Symonds, der Brawns Vorstoß, dass Diffusorschlupfloch im Reglement zu stopfen, innerhalb der Technischen Arbeitsgruppe unterbunden hat.

Auf die teilweise sehr persönlichen Aussagen seines ehemaligen Chefs angesprochen, meinte Brawn in Schanghai nur grinsend: "Flavio ist ein flamboyanter Junge, nicht wahr? Die Einzeiler hat er halt drauf." Und er fügte an: "Ich möchte darüber lieber nicht sprechen. Ich finde es schade, dass er das in die Öffentlichkeit bringt. Das sind eigentlich interne FOTA-Angelegenheiten. Aber auf diesen Still möchte ich mich nicht einlassen."

Bereits am Donnerstag hatte der Brite erklärt: "Ich bedaure, dass diese Meinungsverschiedenheit so ein Ausmaß erreicht hat. Wir alle müssen lernen, wie wir mit diesen Dingen umgehen sollen. Ich kann beide Seiten verstehen, aber ich denke wirklich, dass die Entscheidung des Berufungsgerichts akzeptiert werden sollte. Es ist wie bei einer Schiedsrichterentscheidung im Fußball: Manchmal profitiert man davon, manchmal nicht."

Brawn scheint im Fahrerlager wesentlich mehr Anhänger zu haben als der tobende Briatore: "Flavio ist Flavio. Für die entscheidenden Details hat er nicht viel übrig", sagte etwa Williams-Geschäftsführer Adam Parr, während 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer telefonisch mitteilte: "Ich glaube, er lenkt nur von seinen eigenen Problemen ab. Renault hat kein konkurrenzfähiges Auto, auch diffusorbereinigt nicht. Jetzt schlägt er wild um sich und lenkt vom eigentlichen Problem ab."

Silberpfeile halten zu Brawn

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh findet den Briatore-Vorstoß hinsichtlich der Einnahmenverteilung gar "ziemlich heuchlerisch. Das sieht doch nach außen so aus: Jetzt, wo sie erfolgreicher sind als erwartet, wollen wir ihnen das versprochene Geld nicht mehr geben. Ich meine, wir brauchen innerhalb der FOTA ein wenig Besonnenheit. Nach Bahrain haben wir ein FOTA-Treffen, bei dem wir uns alle wieder beruhigen sollten."

Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der sich in Form der schnellen Motorenlieferungen sehr für Brawn stark gemacht hat, führt die ganze Diskussion auf eine alte Fahrerlagerweisheit zurück: "Nach dem ersten Sieg kommen sie alle, um dir zu gratulieren, aber nach dem zweiten Sieg verpassen sie dir schon einen Schlag ins Gesicht! Wir haben das auch schon erlebt, das ist ganz normal. Die Formel 1 ist eben ein hartes Wettbewerbsumfeld."

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen will sich zu dem Streit ums Geld gar nicht öffentlich äußern und verweist wie Whitmarsh auf das FOTA-Treffen nach Bahrain. Dort gilt es, die entstandenen Risse zu kitten, denn eine starke Teamvereinigung ist für die Verhandlungen mit Bernie Ecclestone und der FIA zwingend notwendig. Diesbezüglich ist es übrigens hilfreich, dass sich Brawn die Verbalattacken von Ferrari-Anwalt Nigel Tozzi in Paris nicht zu sehr zu Herzen genommen hat.

"Ich habe das nicht persönlich genommen, aber meine Frau schon", meinte der Ex-Ferrari-Mitarbeiter augenzwinkernd. "Wenn Stefano (Domenicali; Anm. d. Red.) so etwas gesagt hätte, wäre ich verärgert gewesen, aber Tozzi ist nur ein beauftragter Rechtsanwalt, der seinen Job macht, auch wenn ich glaube, dass seine Methoden nicht mehr zeitgemäß sind. Er wollte mich einschüchtern, aber stattdessen wurde mir durch seine Attacken klar, dass er gar keine Argumente hat."

Fotoquelle: xpb.cc

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