Sebastian Vettel gab heute in Bahrain recht selbstbewusste Töne von sich

Formel 1 2009

— 23.04.2009

Vettel: "Wir sind zum Gewinnen hier"

Sebastian Vettel spricht vor dem Grand Prix von Bahrain über WM-Chancen, strauchelnde Favoriten und seinen Teamkollegen Mark Webber

Seit seinem zweiten Grand-Prix-Sieg vor einer Woche in China ist Sebastian Vettel in der Formel 1 der Mann der Stunde. So versammelten sich heute im Fahrerlager in Bahrain ungewöhnlich viele ausländische Journalisten, um sich mit ihm zu unterhalten. Dabei sprach der Red-Bull-Pilot unter anderem über seine WM-Chancen und über einen Anruf von Bernie Ecclestone, den er beinahe nicht angenommen hätte...

Frage: "Sebastian, bist du nach dem Sieg in China jetzt ein Titelanwärter?"
Sebastian Vettel: "Die Saison besteht aus 17 Rennen und 14 davon sind noch zu fahren. Da ist im Grunde genommen jeder ein Titelkandidat. Natürlich hängt viel vom Gesamtpaket ab, aber es ist wohl sonnenklar, weswegen wir hier sind und was unser Ziel ist. Es war schon immer Red Bulls Ziel, es ganz nach oben zu schaffen. Dieses Jahr ist uns dank der Regeländerungen ein großer Schritt in die richtige Richtung gelungen. Die Saison ist aber noch lang, da kann noch alles passieren. Wir müssen jedes Rennen einzeln betrachten und das Beste herausholen, aber wir sind natürlich zum Gewinnen hier."

Kein Regen erwartet

Frage: "Glaubst du, dass 'Kates schmutzige Schwester' (Vettels Spitzname für den RB5; Anm. d. Red.) hier genauso konkurrenzfähig sein wird wie in China?"
Vettel: "Wir werden sehen. Die Strecke hier ist ganz anders. Topspeed ist wichtig, die Teams mit KERS haben vielleicht einen Vorteil, Bremsen und Reifen müssen richtig eingesetzt werden, die Luft ist heiß und trocken. Fahrzeug und Fahrer werden sehr beansprucht. Wir müssen uns gut vorbereiten, damit wir ganz vorne mitkämpfen können."

"Regnen wird es wahrscheinlich nicht, auch wenn man nicht einmal das sagen sollte, denn den MotoGP-Saisonauftakt in Katar mussten sie auch wegen Regens absagen. Trotzdem ist ein Sandsturm wahrscheinlicher als Regen. Aber warten wir ab, denn das Auto war in Australien, Malaysia und China im Trockenen wie auch im Regen konkurrenzfähig. Wir haben also offensichtlich ein gutes Auto, aus dem wir jetzt das Beste herausholen wollen."

"Das Ziel ist, ein paar Punkte zu sammeln, aber die Brawns bleiben Favoriten, denn die hatten in den ersten zwei Rennen und auch in China eine sehr gute Pace. Nur im Regen waren sie nicht ganz so schnell. Auch die anderen darf man nicht unterschätzen. Es kursieren Gerüchte, dass einige neue Teile gebracht haben. Bisher haben wir schon gelernt, dass ein paar Kleinigkeiten schon einen großen Unterschied machen können, weil alles sehr eng beisammen liegt."

Frage: "Ferrari hat nach drei Rennen noch keine Punkte. Damit sind ihre WM-Chancen wohl dahin, oder?"
Vettel: "Das würde ich nicht sagen. Man weiß ja nicht, was passieren wird. Wenn sie ein Update bringen und auf einmal vorne sind, dann können Ferrari und auch McLaren-Mercedes ganz schnell wieder da sein. Die treten an, um Weltmeister zu werden, auch wenn beide einen schlechten Saisonbeginn hatten. Sie haben aber die Erfahrung und die Ressourcen, um früher oder später zurückzuschlagen."

Frage: "Euer Auto ist ohne Doppeldiffusor so schnell. Man sagt, dass ihr genauso schnell oder noch schneller als Brawn sein werdet, wenn ihr den neuen Diffusor bekommt..."
Vettel: "Wir werden sehen. Das Ziel ist, alle zu schlagen. Das ist nicht einfach. Das Geheimnis des Doppeldiffusors ist, ihn zum Funktionieren zu bringen. Es geht nicht darum, einfach einen Doppeldiffusor ans Auto zu schrauben, sondern das gesamte Auto muss als Einheit zusammenspielen. Alleine das Anschrauben ist schwierig, weil man das Heck des Autos ändern muss - in manchen Fällen weniger, in anderen wie dem unseren mehr, weil wir eine ganz andere Hinterradaufhängung haben."

Frage: "Hättest du nach deinem Teamwechsel geglaubt, nach drei Rennen in so einer Position zu sein?"
Vettel: "Im Vorjahr waren meine Zweifel natürlich noch größer, denn ich fühlte mich bei Toro Rosso sehr wohl. Wenn man so ein Team verlässt, dann freut man sich einerseits auf die neue Herausforderung, aber andererseits will man nicht wirklich weg. Ich habe mich so entschieden und jetzt bin ich sehr glücklich darüber."

Weiterentwicklungen nicht absehbar

Frage: "Kommt es überraschend für dich, so gut dazustehen?"
Vettel: "Man muss schon zugeben, dass die großen Favoriten Probleme haben und jederzeit zurückschlagen können. Unser Ziel ist der Sieg und im Moment haben wir ein sehr starkes Auto. Aber niemand weiß, wie sich die Saison weiterentwickeln wird. Wir nehmen jedes Rennen einzeln und versuchen, die Punkteausbeute zu maximieren. In Australien und Malaysia bin ich leer ausgegangen, aber das Auto war eigentlich besser - da hätten wir mehr rausholen können. China war ein gutes Rennen - so kann es weitergehen. Bahrain ist erst das vierte Rennen. Mal schauen."

Frage: "Bernie Ecclestone spricht in den höchsten Tönen von dir. Hast du schon mit ihm gesprochen?"
Vettel: "Ja. Er hat mich angerufen und mir gratuliert. Es war ein Anruf mit unterdrückter Nummer, wo ich normalerweise nicht gerne rangehe, aber dann meldete sich Bernie. Er war gut gelaunt und hat Witze gemacht. Ich war darauf nicht vorbereitet, aber sein Anruf hat mich sehr gefreut."

Frage: "Was macht dein Auto eigentlich so schnell?"
Vettel: "Ganz klar der rote Bulle auf der Seite!"

Frage: "Du bist ein bisschen der Retter dieser Weltmeisterschaft, weil du allen bewiesen hast, dass man Brawn doch bezwingen kann..."
Vettel: "Sie hatten zwei phänomenale Rennen und sie haben alle überrascht. Sie sind sehr stark, aber niemand ist unschlagbar. Alle wollen gewinnen, aber man weiß nie, was passieren wird. Ein Grand Prix ist ziemlich lang, da kann alles passieren. Wer sagt, dass sie unschlagbar sind? Sie sind auch nicht vor schlechten Boxenstopps oder Defekten oder fehlender Pace gefeit. Man muss immer kämpfen, ansonsten geht nichts. Wenn man mit der Einstellung ins Rennen geht, dass man sowieso keine Chance hat, dann kann das ja nichts werden."

Frage: "Wie würdest du dein Verhältnis zu deinem Teamkollegen Mark Webber beschreiben?"
Vettel: "Ich verstehe sein Englisch immer noch nicht gut (lacht; Anm. d. Red.)! Ansonsten sind wir ein gutes Team. Wir stacheln uns gegenseitig an und davon profitiert das Team. Auf der Strecke wollen wir uns gegenseitig schlagen, aber abseits der Strecke sind wir so klug, uns nicht gegenseitig das Leben schwer zu machen. Ich bin sehr glücklich."

Fotoquelle: xpb.cc

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