Lewis Hamilton lieferte heute in Bahrain sein bisher bestes Saisonrennen ab

Formel 1 2009

— 26.04.2009

McLaren-Mercedes: Aufholjagd beendet?

Martin Whitmarshs Rede zur Lage der Silberpfeile: Der Teamchef stellt sich in Barcelona auf ein sehr schwieriges Wochenende ein

Nach vier Saisonrennen hat McLaren-Mercedes 13 WM-Punkte auf dem Konto - um 21 weniger als 2008 und um 20 weniger als 2007. Immerhin gelang Lewis Hamilton dieses Wochenende in Manama das bisher beste Ergebnis 2009: Fünfter im Qualifying, Vierter im Rennen - nur 12,9 Sekunden hinter einem Podestplatz.

Der Bahrain International Circuit mit seiner Stop-&-Go-Charakteristik kam dem MP4-24 entgegen, schließlich verfügt der Silberpfeil über einen exzellenten Motor, wie das Brawn-Team mit seinen Seriensiegen beweist. Der Schwachpunkt ist die Aerodynamik, genauer gesagt fehlender Anpressdruck. Konsequenz: Zu Beginn des heutigen Rennens lag Hamilton dank KERS sogar vor Sieger Jenson Button an dritter Stelle, wenn auch nur für eine Runde.

Widersprüchliche Aussagen

Später ging es im Kampf um Platz drei gegen Jarno Trulli und Sebastian Vettel: "Lewis konnte mithalten - ziemlich locker sogar", erklärte Teamchef Martin Whitmarsh nach dem Rennen. "Wir haben sogar seine Reichweite verlängert, indem wir Benzin sparten. Da hofften wir darauf, Trulli beim Stopp zu erwischen, aber die haben wahrscheinlich auch Benzin gespart, denn wir hatten ihn früher an der Box erwartet. Das war die Entscheidung. Am Ende schonten wir dann den Motor."

Allerdings wunderten wir uns im Gespräch mit dem Nachfolger von Ron Dennis ein wenig über die Aussage, Hamilton habe vor dem letzten Boxenstopp "ziemlich locker" mit dem Toyota und dem Red Bull vor ihm mithalten können. Der Weltmeister selbst sah das nämlich ein bisschen anders: "Ich musste auf der letzten Rille fahren, um den Anschluss zu halten", hatte er uns einige Minuten vor Whitmarsh ins Mikrofon geplaudert.

Wie dem auch sei: "Ich bin überrascht, wie schnell wir waren", analysierte Whitmarsh. "Wir sind nicht so schnell wie Brawn oder Red Bull oder Toyota, aber wir haben trotzdem drei ihrer Autos geschlagen. Das zeigt, dass Lewis, die Ingenieure und die Strategen fantastische Arbeit geleistet haben. Beim Barcelona-Test in der elften Kalenderwoche hatten wir zweieinhalb Sekunden Rückstand. Jetzt sind wir schon viel näher dran, wenn auch immer noch nicht nahe genug."

Das geht auf das wahrscheinlich beeindruckendste Entwicklungsprogramm des Jahres zurück, das McLaren-Mercedes bereits vor dem Saisonauftakt angeworfen hat. Nach Schanghai brachte das Team erstmals einen überarbeiteten Diffusor, wenige Tage später in Manama stand schon die nächste Ausbaustufe bereit, ebenso wie ein neuer Frontflügel. Insgesamt wurden zwischen Schanghai und Manama zwölf Updates entwickelt!

In Woking hat man sich dagegen entschieden, eine große Ausbaustufe nach Barcelona zu bringen, sondern man flog via Luftbrücke auch nach Übersee laufend neue Teile ein. Whitmarsh: "Es kann von Vorteil sein, jedes Rennen etwas zu bringen, weil das auch Rückenwind verleiht, aber langfristig gesehen kann es die Entwicklung bremsen. Wenn wir in den ersten vier Rennen nichts gemacht hätten, dann wäre vielleicht das Barcelona-Update größer ausgefallen."

Was passiert in Barcelona?

"Ich würde mich sehr freuen, wenn wir einen größeren Schritt machen könnten als die anderen Teams. Die hatten den Luxus der guten Performance, während wir unter Druck standen und wirklich jeden Tag neue Teile entwickelt haben", so der Teamchef. Aber: "Gut möglich, dass die Teams, die in Melbourne vorne waren, ihre Strategie ganz auf Barcelona ausgerichtet haben, weil sie es sich leisten konnten. Sollte dem so sein, dann kann es passieren, dass sie uns dort weiter enteilen werden."

Die Logik hinter dieser Aussage ist folgende: Wer wie McLaren-Mercedes schon seit Melbourne sukzessive neue Teile eingesetzt hat, der stand in Manama besser da, darf sich jedoch bis Barcelona keinen Quantensprung mehr erwarten. Jene Gegner, die alle neuen Teile für den Europaauftakt aufgespart haben, wie etwa Brawn oder das BMW Sauber F1 Team, sollten hingegen einen verhältnismäßig großen Sprung machen.

Trotzdem glaubt Whitmarsh, dass die von seinem Team festgelegte Strategie richtig ist, denn: "Es ist Teil unserer DNA, in jedem Rennen alles zu probieren", hielt er fest. "Wenn man bedenkt, dass wir eine sehr niedrige Ausgangsbasis hatten, dann sind wir das meistverbesserte Team dieser Saison." Für Barcelona, eine Strecke, auf der viel Anpressdruck erforderlich ist, erwartet er aber keine Wunderdinge: "Das wird eine große Herausforderung, das wissen wir."

Übrigens hatte die laufende Weiterentwicklung auch zur Folge, dass nicht ausreichend Teile für beide Autos zur Verfügung standen. Das lässt Heikki Kovalainens Performance in einem anderen Licht erscheinen: "Wir hatten für Heikki nicht das beste technische Paket", gab Whitmarsh nach dem zwölften Platz des Finnen zu und stellte sich demonstrativ hinter seine Nummer zwei: "Heikki macht sehr solide Arbeit und wir stehen hinter ihm."

Und weiter: "Er schrammte im Qualifying als Elfter nur knapp an den Top 10 vorbei. Dann gaben wir ihm viel Benzin für einen langen ersten Stint. Wir alle wissen, dass die harten Reifen um eine Sekunde langsamer sind, also denke ich, dass er am Start zu wenig Grip hatte. Dadurch fiel er auf Platz 17 zurück. Wir hätten ihn früher reinholen können, aber dann wären wir mit zu viel Benzin gefahren und im Nirgendwo gelandet - was dann später auch der Fall war, als wir es doch gemacht haben..."

Fotoquelle: xpb.cc

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