Vertreten bei KERS unterschiedliche Meinungen: Briatore und Whitmarsh

Formel 1 2009

— 27.04.2009

Whitmarsh gegen ein Verbot von KERS

Flavio Briatore steht mit seiner Meinung, KERS sollte komplett abgeschafft werden, ziemlich alleine da - Martin Whitmarsh sieht viele Vorteile

In Bahrain hat Flavio Briatore mit der Aussage überrascht, die Teamvereinigung FOTA werde sich für ein Verbot des Energierückgewinnungssystems KERS stark machen. Prompt hagelte es Proteste von seinen Kollegen, die von einer solchen FOTA-Position nichts wissen wollen. Auch Martin Whitmarsh zeigte sich über die Äußerungen des Renault-Teamchefs erstaunt.

Tatsache ist, dass das Thema KERS einer der Tagesordnungspunkte der nächsten FOTA-Sitzung am 6. Mai in London sein wird, aber die aktuelle Position ist, dass das System nicht abgeschafft werden, sondern durch ein Einheits-KERS ersetzt werden soll. Dafür könnte es eine Ausschreibung geben. Denn grundsätzlich zweifelt niemand an den Vorzügen und an der ökologischen Signalwirkung von KERS: "Wir sehen es als positive Initiative", betont Whitmarsh.

Ungünstiges Timing wegen der Weltwirtschaftskrise

"Die Formel 1 hat ein System eingeführt, das eine technologische Herausforderung darstellt und sehr zukunftsweisend ist. Ich persönlich finde: Es wäre falsch, davon wieder abzukommen", hält der McLaren-Mercedes-Teamchef fest. "Gleichzeitig ist uns klar, dass das Timing nicht ideal war und dass es eine sehr kostenintensive Technologie ist. Innerhalb der FOTA sollten wir uns darauf konzentrieren, wie wir diese Technologie für alle Teams zugänglich machen können."

Der Widerstand gegen KERS in manchen Bereichen des Paddocks hat vor allem zwei Gründe: Erstens passt es den Automobilherstellern nicht in den Kram, gerade zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise Millionenbeträge für eine neue Technologie in die Hand zu nehmen, zweitens haben einige schlicht und einfach die Entwicklung verschlafen. Briatores Renault-System soll beispielsweise zu schwer sein, hört man.

Doch ein Verbot erscheint auf den ersten Blick noch sinnloser, schließlich würde man damit a) die positiven Erkenntnisse für die Serienentwicklung über Bord werfen und b) hätte man dann die Millionenbeträge völlig umsonst ausgegeben. Whitmarsh will daher unbedingt an KERS festhalten: "Wir haben viel Zeit und Geld investiert, also sollten wir lieber versuchen, KERS richtig zum Funktionieren zu bekommen."

Ein Einheits-KERS wiederum führt die Argumentation ad absurdum, dass durch den Wettbewerb in der Formel 1 der Technologietransfer in die Serie angekurbelt werden soll: "Dieses Risiko besteht", gibt Whitmarsh zu. Aber der 50-Jährige kann sich dennoch mit dieser Variante anfreunden, denn: "Die Gefahr, wenn wir kein billigeres Standard-KERS einführen, ist, dass einige Teams versuchen werden, KERS aus kommerziellen Gründen ganz zu verbieten."

"Wir müssen pragmatisch sein. Es soll nicht zu einem teuren Wettrüsten kommen", weiß er und meint damit nicht nur das Geld, das direkt in die KERS-Entwicklung fließt, sondern auch Begleiterscheinungen wie den Kampf um ein geringeres Fahrzeuggewicht. KERS wiegt bekanntlich zwischen 30 und 40 Kilogramm, die die Teams zwecks Verbesserung der Balance in anderen Bereichen abspecken wollen. Das ist eine teure Angelegenheit.

Whitmarsh regt modifizierte Regeln an

"Im Moment", erläutert Whitmarsh, "sind die meisten Systeme in der Formel 1 einander sehr ähnlich, zumindest vom Konzept her. Dabei würden die Regeln viel größere Unterschiede zulassen." Der McLaren-Mercedes-Teamchef glaubt, dass KERS eine viel reizvollere Angelegenheit wäre, würde die FIA eine höhere Kapazität und damit mehr Zusatzleistung zulassen. Kombiniert mit einer Anhebung des Mindestgewichts würden die Vorteile die Nachteile dann deutlich überwiegen.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug wünscht sich ungeachtet der Details "eine langfristige Lösung, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Denn nur so können die Kosten gesenkt werden", während Whitmarsh vermutet, dass man KERS ganz anders wahrnehmen würde, wäre das System in ein Siegerauto eingebaut. Nach dem Motto: Sobald das erste KERS-Auto ein Rennen gewinnt, werden es alle haben wollen...

Was KERS bringt, wurde gestern in Bahrain eindrucksvoll demonstriert, als Lewis Hamilton mit einem Superstart vom fünften auf den dritten Platz nach vorne fuhr und Nelson Piquet im unterlegenen Renault den viel schnelleren Rubens Barrichello im Brawn-Mercedes zur Verzweiflung trieb. Jedes Mal, wenn Barrichello nahe genug dran war, um zum Überholen anzusetzen, drückte sein Landsmann auf den KERS-Knopf und zog um ein paar Fahrzeuglängen davon.

Doch auch wenn KERS in der Formel 1 im Moment ein sehr umstrittenes Thema ist, so haben die Hersteller, die es verwenden, ein Ziel erreicht: "Hybridautos wurden in der Vergangenheit nicht als besonders attraktiv wahrgenommen. Ich glaube, in der Hinsicht haben wir schon ein bisschen was bewegt", so Whitmarsh. BMW heftet sich KERS sogar schon recht öffentlichkeitswirksam an die Brust, wenn der Schriftzug "ActiveHybrid" auf den Heckflügel gepinselt ist...

Fotoquelle: xpb.cc

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