Budgetlimit kommt: Die Ampeln für Geldverschwendung zeigen nun Rot

Formel 1 2009

— 30.04.2009

Alle Details zum neuen Budgetlimit der Formel 1

Die große FAQ zum Budgetlimit ab 2010: Welche Ausnahmen gibt es? Wie viel Geld darf in der Vorbereitung ausgegeben werden? Welche Strafen drohen?

Das neue Budgetlimit von 40 Millionen Pfund (umgerechnet etwa 45 Millionen Euro) ab 2010 macht in der Formel 1 den Weg für ein Parallel-Reglement frei. Jenen Teams, die sich der freiwilligen Kostengrenze unterwerfen, werden umfassende technische Freiheiten eingeräumt: Tests außerhalb der Saison werden erlaubt, frei verstellbare Front- und Heckflügel sind möglich, die Windkanäle dürfen rund um die Uhr genutzt werden.

Ursprünglich hatte FIA-Präsident Max Mosley eine Grenze von 30 Millionen Pfund (rund 34 Millionen Euro) vorgeschlagen. Die kurzfristige Erhöhung kam anscheinend auf Anraten einiger Formel-1-Teams zustande, die auf Grundlage aktueller Kostenstrukturen einen niedrigeren Wert im kommenden Jahr kaum darstellen könnten. Die Details zum neuen Budgetlimit erklärte die FIA im Rahmen einer ausführlichen FAQ zum Thema.

Warum braucht die Formel 1 ein Budgetlimit?
Die Formel 1 sieht sich aufgrund der deutlichen Rezession einer ungewissen Zukunft gegenüber. Die Finanzierung eines Rennstalls wird von Teamchefs und Sponsoren gleichermaßen immer mehr als schwierige Aufgabe empfunden. Um für die Zukunft ein finanziell gesundes Starterfeld zu haben, stimmen alle überein, dass Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen werden müssen.

Auf dem Weg dorthin haben sich zwei unterschiedliche Wege herauskristallisert: Auf der einen Seite kann man die Möglichkeiten der Weiterentwicklung deutlich einschränken und in manchen Bereichen Standardbauteile nutzen, auf der anderen Seite ist es möglich, die Ausgaben der Teams zu deckeln (Budgetlimit).

Die FIA ist der Überzeugung, dass ein uneinbgeschränkter technischer Wettbewerb zur DNA der Rennserie gehört. Sie möchte diesen Wettbewerb florieren sehen, allerdings in einem Umfeld von großer Verantwortung und innovativem Management und nicht als Wettrennen von Investitionen. Aus diesem Grund wird das Budgetlimit präferiert.

Welche Bereiche umfasst das Budgetlimit?
Alles, die Ausnahmen sind:
- Marketing und Promotion: Die Formel-1-Teams sollen ein gutes Erscheinungsbild liefern und die Partner unterhalten. Wir möchten, dass die Hersteller ihre Fahrzeuge ausstellen, außerdem soll die Formel 1 über Werbemaßnahmen transportiert werden können.

- Fahrergehälter und Nachwuchs-Förderprogramme: Die Formel 1 ist die Spitze des Motorsports. Es ist wichtig, dass man die besten Fahrer der Welt bekommt. Noch viel mehr ist uns daran gelegen, ein weiterführendes Investment in die Förderung junger Talente zu sehen.

- Motorenkosten: Um die aktuell vertretenen Herstellerteams vom Budgetlimit zu überzeugen, hat sich die FIA entschieden, die Kosten für Motoren auszuklammern (gilt nur 2010).

Zusätzlich ist es den Herstellern erlaubt, den aktuell geltenden Lieferverträgen nachzukommen. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass sich daraus keine kartellähnliche Situation auf dem Motorenmarkt ergibt.

Wie kam die FIA zur Entscheidung für 40 Millionen Pfund als Grenze?
Wir kamen zu dieser Summe nach Analyse von Einnahmen und Ausgaben in der Formel 1. Wir wissen, wie hoch die Einkünfte der Formula One Managment (FOM) in Zukunft in etwa sein werden. Wir haben ebenso eine recht genaue Vorstellung davon, wie sich die Sponsoreneinnahmen in Zeiten der Rezession entwickeln werden. Zusammengefasst gehen wir davon aus, dass alle Teilnehmer unabhängig von der Position in der Meisterschaft kostendeckend arbeiten können.

Bei einer Grenze von 40 Millionen Pfund sind wir zuversichtlich, dass 70 Prozent der Teilnehmer sogar Profit machen können. Dies bietet eine völlig neue Grundlage für die Teilnahme an der Formel-1-Weltmeisterschaft, sowohl für Privatteams als auch für Hersteller. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den aktuellen wie neuen Teams ermöglicht, in einem kommerziell gesunden Umfeld aufzutreten.

Wir haben uns die Kosten ganz genau angeschaut und sind der Überzeugung, dass man in Kombination von 40 Millionen Pfund und vieler technischer Freiheiten den Ingenieuren die Möglichkeit gibt, noch interessantere und aufregendere Fahrzeuge zu bauen als bisher.

Wird sich die Grenze von 40 Millionen Pfund in den kommenden Jahren verändern?
In den Regeln steht geschrieben, dass die Obergrenze in den kommenden Jahren von der FIA festgelegt wird. Bei der Festlegung der Grenze wird die FIA die Entwicklung dieses Projektes beobachten und das Feedback der Teilnehmer mit einbeziehen.

Wie will die FIA die Einhaltung des Budgetlimits kontrollieren?
Beim Verfassen der Regeln haben wir mit erfahrenen Experten aus dem Bereich Buchhaltung zusammengearbeitet. Die Regeln erlauben die Benennung einer Budget-Kommission, die die Einhaltung überwacht und die Teams bei der Einhaltung der Regeln unterstützt. Die Kommision kann zur Erfüllung ihrer Aufgaben Wirtschaftsprüfer und andere Finanzexperten heranziehen, um die Aufgaben zu erfüllen.

Ein Schlüsselfaktor ist, dass alle Budgetlimit-Teams die gleichen Businessabläufe haben und somit für alle die gleichen Maßstäbe angesetzt werden können. Es ist schwierig, technische Tätigkeiten dauerhaft zu verstecken oder die Bücher konstant zu frisieren, angesichts der heutigen Möglichkeiten bei der Verfolgung von Geldflüssen. Die nötigen Freiheiten wird die Budget-Kommision bekommen. Die Strafen für einen Betrug der FIA mit eindeutiger Absicht des Regelbruchs und alle Vertuschungen bei Untersuchungen sind wohl bekannt.

Wird die Budget-Kommission wirklich benötigt?
Die Beweislast liegt bei den Teams, die die Einhaltung der Regeln eindeutig nachweisen müssen und zur aktiven Klärung von Unstimmigkeiten aufgefordert sind. Weil die Regeln zur Budgetlimitierung noch neu sind, hat sich die FIA entschlossen, eine kleine Gruppe von Finanz- und Technikfachleuten zusammenzustellen, um Probleme aus der Welt zu schaffen, die Einhaltung zu kontrollieren, damit die Regeln auch Früchte tragen können.

Wer bezahlt die Budget-Kommission, die Fachleute und Experten. Steigen dadurch nicht die Kosten in die Höhe anstatt sie zu senken?
Die Budgetlimit-Teams zahlen alle einen einheitlichen Betrag, der die Kosten für diese Tätigkeiten deckt. Dieser Betrag wird nur ein Bruchteil dessen sein, was gleichzeitig in der Formel 1 gespart wird.

Welche Strafen drohen, falls ein Team die Budgetgrenze überschreitet?
Das ist vom jeweiligen Fall abhängig. Der International Sporting Code behandelt Vergehen genauso wie bei technischen oder sportlichen Vergehen. Es gibt keinen festgeschriebenen "Strafenkatalog". Die Budget-Kommission wird den Verstoß bewerten und der FIA einen Vorschlag machen, die dann anschließend über die Bestrafung entscheidet.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um Teams davon abzuhalten, in diesem Jahr Unsummen zu investieren, bevor man 2010 unter dem Budgetlimit antritt?
Die Teams müssen eindeutig darlegen, dass sie nach dem Geist der Regeln handeln. Sie dürfen nicht mehr als 50 Prozent des Maximalbudgets des kommenden Jahres im Jahr 2009 in die Entwicklung des Autos für 2010 fließen lassen. Außerdem gibt es eine Höchstgrenze von Ersatzteilen, die man mit ins Jahr 2010 nehmen darf.

Wie kann man Herstellerteams davon abhalten, in den jeweiligen Muttergesellschaften heimliche Entwicklungsprogramme zu installieren?
Die Frage lautet also: "Wie kann man Herstellerteams davon abhalten, zu betrügen". Die Wertigkeit von Dienstleistungen, von welchen die Formel-1-Teams profitieren sind eindeutig im Regelwerk festgeschrieben. Kein Team will als Betrüger dastehen, von daher gehen wir davon aus, dass es genügend Selbstkontrolle gibt. Die Regeln sind aber klar: Jede Aktivität muss abgerechnet und mit realistischen Werten bemessen sein. Die Budget-Kommission kann die ensprechenden Werte sehr gut zwischen den Teams vergleichen.

Dürfen die Teams Teile bei anderen Rennställen einkaufen?
Ja, im Rahmen der FIA-Regeln. Aber man muss bedenken, dass die Verträge mit dem Inhaber der kommerziellen Rechte solchen Handel einschränken. Diese Transaktionen sind in den Regularien aufgeführt.

Mit wie vielen Budgetlimit-Teams wird gerechnet?
Mit all jenen, die ihre Teilnahme im Sinne der Investoren und Besitzer auf eine kommerziell vertretbare Basis stellen möchten. Die FIA ist davon überzeugt, dass sich die Budgetobergrenze als attraktive Lösung herausstellen wird und wir hoffen, dass sich im Verlauf der Zeit alle Teams daran beteiligen werden. Bisher ist das Interesse sehr groß. Sowohl von existierenden Teams als auch von potenziellen Neueinsteigern.

Falls sich ein Team jetzt gegen die Kostenkontrolle entscheidet, kann es sich nachher umentscheiden?
Ja, jedes Team kann sich vor Beginn eines neuen Jahres frei entscheiden, ob es am Budgetlimit teilnehmen möchte.

Wird das Parellelreglement für Verwirrung sorgen?
Es gibt ein technisches Regelwerk. Wie immer haben die Teams die Wahl, auf welche Art und Weise sie die Meisterschaft in Angriff nehmen wollen.

Fotoquelle: xpb.cc

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