Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gibt sich kampfeslustig

Formel 1 2009

— 01.05.2009

FIA-Budgetlimit: Ferrari sieht Formel 1 in Gefahr

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo wehrt sich: Die FIA befinde sich auf dem falschen Weg, mit den falschen Mitteln und dem falschen Zeitplan

Drei große Themenkomplexe bestimmten das Treffen des FIA-Weltrates am vergangenen Donnerstag: die Urteilsfindung in der Lügenaffäre rund um das McLaren-Mercedes-Team, das Budgetlimit in der Formel 1 und die damit verbundenen Änderungen der technischen Regeln. Dabei fand die Abstimmung über die beiden letztgenannten Punkte unter einem gewissen Druck statt.

Ferrari- und FOTA-Präsident Luca di Montezemolo schrieb schon einen Tag zuvor einen Brief an FIA-Präsident Max Mosley, den 'Motorsport-Total.com' einsehen konnte, um klarzustellen, dass die Sichtweise der FIA nicht der von Ferrari entspricht. Vielmehr sieht er im Budgetlimit sogar einen Weg, der Formel 1 nachhaltig zu schaden, denn die 45-Millionen-Euro-Schranke teile das Feld in zwei Lager.

Da das vorgeschlagene Regelpaket erst 48 Stunden vor dem Termin in Paris bei den Mitgliedern des Weltrates eintraf, habe man verhindert, dass man die Dokumente genau studieren konnte. "Alle Bereiche der neuen Regeln sollten aber sorgfältig studiert werden", schrieb di Montezemolo, der die Eile in den Bemühungen nicht nachvollziehen konnte.

Luca di Montezemolo hat Zweifel

Ferrari ist und war nie ein Freund einer Kostendeckelung in der Formel 1. "Ich war wegen einer Einführung immer besorgt, weil ich ernste Probleme darin sehe, eine realistische Überwachung einer solchen Deckelung sicherzustellen", fuhr er fort. Zudem könne ein Streit über eine Kostendeckelung das "Image der Formel 1 untergraben und ein darin verwickeltes Team ernsthaft schaden".

"Auf der anderen Seite gibt es Zweifel darüber, ob zwei Lager von Teams geschaffen werden sollten, bei dem eine Kategorie unweigerlich die Oberhand über die andere haben wird", so Montezemolo. "Die Meisterschaft wird damit unfair und vielleicht sogar verzerrt. Auf jeden Fall würde es in der Öffentlichkeit eine Konfusion erzeugen und damit den Wert der Formel 1 dramatisch senken."

Gleichzeitig erinnerte er daran, dass Änderungen am Reglement vom Weltrat allein nicht beschlossen werden können. Die Formel-1-Kommission muss solchen Änderungen zustimmen. Im vorliegenden Fall sei das nicht geschehen. Rechte, die Ferrari zugesichert wurden, als man sich 2005 weiter an das Concorde-Agreement band, müssten auch heute Bestand haben.

Mosley verteidigt die Eile

Mosleys Antwort, die wir ebenfalls in Augenschein nehmen konnten, ließ nicht lange auf sich warten. Der FIA-Präsident widersprach der Darstellung der übertriebenen Eile. "Die Automobilindustrie und der Finanzsektor sind die zwei wichtigsten Einkommensquellen der Formel 1", schrieb er. "Beide Bereiche sind in ernsten Schwierigkeiten. Wir können nicht einfach abwarten und hoffen, dass nichts Schlimmes passieren wird. Einen Hersteller (Honda; Anm. d. Red.) haben wir bereits verloren."

Dass die Kosten zu hoch seien, würde von allen Seiten bestätigt. "Wenn wir das Risiko, dass die Formel 1 kollabiert, verringern wollen, müssen wir neue Teams gewinnen", so Mosley. "Und wir müssen auch die Kosten drastisch senken. Daher ist diese Sache extrem dringend, denn ein neues Team muss wissen, ob es bereit ist, 2010 anzutreten. Für einen Beginn ist es schon jetzt sehr spät."

Das Budgetlimit sei somit vor allem für neue Teams gedacht, die den Rückstand damit recht schnell aufholen könnten. Jedoch haben auch etablierte Teams die Chance auf diesen Weg - sie müssen ihn aber nicht gehen. Damit begründet er, dass die Regeln nicht konkret verändert wurden - womit dann auch keine weitere Zustimmung nötig sei.

Rechtliche Schritte seitens Ferrari?

"Wenn Ferrari mit einem unbeschränkten Budget weitermachen will, dann werden die neuen Regeln Ferrari keine Rechte berauben", so Mosley. "Die etwas mehr als 100 Seiten enthalten die Regeln, unter denen auch 2010 gefahren wird. Das Budgetlimit besteht nur aus ein paar zugefügten Zeilen zu den vorhandenen Regeln und fünf Seiten mit finanziellen Regelungen."

Fraglich ist, welche Schritte Ferrari nun unternehmen wird, denn der Weltrat hat die Vorschläge - und das waren sie zum Zeitpunkt der Schreiben - bereits verabschiedet. Vor allem in Bezug auf die Rechte, die sich durch das Unterzeichnen des Concorde-Agreements 2005 ergeben, ist noch nicht alles geklärt.

Damals, im Januar 2005, jedenfalls umjubelte di Montezemolo noch die "Botschaft der Stabilität für die Zukunft der Formel 1" und Mosley freute sich über "künftige Entwicklungen in der wichtigsten Meisterschaft der FIA". Genau diese Stabilität sieht Ferrari nun mit Füßen getreten und wird womöglich auf die Verträge pochen - die auch die FIA einst mitunterzeichnet hat.

Fotoquelle: Ferrari

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