Norbert Haug erwartet McLaren-Mercedes auch in Barcelona nicht weit vorn

Formel 1 2009

— 05.05.2009

Haug: "Barcelona ist ein Prüfstein"

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug über die ersten vier Saisonrennen und die Aussichten für den Grand Prix von Spanien

"Es war ein fulminanter Auftakt, auch aus deutscher Sicht", bilanzierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die aktuelle Formel-1-Saison nach den vier Überseerennen zum Start. "Die Geschichte von Sebastian Vettel ist natürlich hervorragend. Wenn der in Melbourne und Malaysia auf einen realistischen dritten Platz fährt, ist er an Jenson Button dran. Eine sportliche tolle Bilanz. Aber wir hatten abseits der Strecke ein paar Dinge, auf die wir hätten verzichten können."

Haug meint damit die Diskussionen um Doppeldiffusor und die Lügenaffäre um Lewis Hamilton. Dies sei nun abgehakt. Aus sportlicher Sicht sei der Auftakt speziell aus McLaren-Mercedes-Perspektive natürlich nicht nach Wunsch verlaufen. "Nicht ganz so prima", so der Schwabe, "weil wir noch nicht dort sind, wo wir in den vergangenen Jahren waren."

Die größte Dichte im Feld seit Ewigkeiten

In Barcelona werden nahezu alle Teams große Updates an die Fahrzeuge bringen. Deutliche Veränderungen in der Hackordnung erwartet Haug dennoch nicht. Brawn, Toyota, Red Bull und Williams geben nach wie vor das Tempo an. "Dahinter war es schon in Bahrain eng. Die Dichte hat es so noch nie gegeben. In den Trainings ist das Feld regelmäßig in 1,2 oder 1,5 Sekunden beieinander. Das ist dichter als Formel 3, dichter als DTM. Ich bin sicher, dass Brawn immer noch einen Vorteil hat, dicht gefolgt von Red Bull und Toyota."

Für Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen erwartet Haug keine allzu großen Sprünge in Spanien. "Wir waren beim Barcelona-Test im März so ziemlich Letzter und seither haben wir aufgeholt. Man darf nicht den Fehler machen und Bahrain als die Musterstrecke heranziehen. Im letzten Sektor waren wir im Rennen deutlich die Schnellsten, immer wieder. Wenn man sich aber mal den Sektor anschaut, dann ist das eher eine Dragster-Strecke. Da geht es geradeaus, um eine Ecke herum und schon ist man da. So müssten die Strecken im Moment aussehen, dann wäre alles etwas besser."

"Fakt ist, wir haben jetzt noch zu wenig Abtrieb", gab Haug offen zu. "Wir haben uns schlicht und ergreifend verschätzt bezüglich dessen, was bei den neuen Regeln erforderlich ist. Wir dachten, wenn man einen Beiwert von 3,6 hat und es werden 50 Prozent gestrichen, dann kommt man ersteinmal auf 1,8. Wenn man dann bei 2,6 oder 2,7 landet, ist man gut dabei. Aber es haben Teams wie Brawn, die länger daran gearbeitet haben, bessere Werte erzielt."

Wenn Brawn auch noch KERS hätte...

Die Leistung des ehemaligen Honda-Werksrennstalls müsse man ohnehin realistisch betrachten. Es sei keineswegs eine Sensation, dass Jenson Button die Gesamtführung innehabe. "Das ist nicht dieses Ein-Euro-Auto", erklärte der Mercedes-Motorsportchef. "Das ist ein schönes, weißes Auto mit einem guten, leistungsstarken und zuverlässigen Motor. Es ist nicht das billigste Auto im Feld, sondern es ist das Auto, in welches die meiste Zeit und die meiste Finesse gewandert ist über 15 Monate lang. Wenn Brawn jetzt auch noch KERS hätte, dann sähe das noch deutlicher und noch spektakulärer aus, was die Abstände betrifft."

Die Hybridtechnik ist zurzeit das, womit sich McLaren-Mercedes auf der Strecke am besten profilieren kann. Solange das Aerodynamikpaket nicht stimmt, braucht man den Extra-Schub des Systems umso mehr. "Wir werden in Barcelona eine weitere Stufe haben", sagte Haug zu neuen Aerodynamikteilen. "Es ist eine neue Situation, dass man die Teile direkt aus dem Windkanal mit zur Strecke bringt und sie dort am Freitag erstmals ausprobiert. In Bahrain haben wir drei oder vier Zehntelsekunden zugelegt. Jetzt hoffen wir, dass wir noch einmal einen solchen Schritt machen können."

Mit großer Spannung blicken viele Beobachter nach Spanien. Ferrari kommt mit einer B-Version des F60, das BMW Sauber F1 Team will nachlegen, Brawn bringt die ersten Updates des Jahres und McLaren-Mercedes zündet die nächste Stufe. "Barcelona ist ein Prüfstein", so Haug. "Wenn es gut läuft, dann sind wir einen erheblichen Schritt weiter. Ich bin nicht pessimistisch, sondern realistisch. Wir werden uns schwer tun."

Fotoquelle: xpb.cc

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