Die FOTA trifft sich morgen in London zu einer entscheidenden Sitzung

Formel 1 2009

— 05.05.2009

Vor dem wichtigen FOTA-Treffen in London

In London trifft die Teamvereinigung zusammen, um über das umstrittene FIA-Reglement zu diskutieren - BMW und Mercedes hoffen auf einheitliche Linie

Genau eine Woche nach der Sitzung des FIA-Weltrats, bei der das umstrittene Zweiklassenreglement für 2010 verabschiedet wurde, kommt es morgen in London zu einem richtungsweisenden Treffen der Teamvereinigung FOTA. Dabei geht es vor allem darum, im Interesse der zehn bestehenden Rennställe eine gemeinsame Linie zu formulieren, mit der man der FIA gegenübertreten kann.

Denn auch wenn bis auf Ferrari kaum jemand grundsätzlich gegen eine Budgetobergrenze zu sein scheint, so ist doch zumindest das Parallelreglement mit unterschiedlichen Bestimmungen für Teams mit beziehungsweise ohne Ausgabenlimit allen FOTA-Mitgliedern ein Dorn im Auge. Umso entscheidender ist nun, dass sich die FOTA nicht von außen einen Keil hineintreiben lässt, wenn sie ihre Ziele durchsetzen will.

Einheitliche Linie gewünscht

"Ich glaube nicht, dass Teams hier einzeln vorgehen werden. Ich erwarte, dass wir am Mittwoch zu einer gemeinsamen FOTA-Linie kommen werden", sagt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen, den "ab und zu das Gefühl beschleicht", dass FIA-Präsident Max Mosley mit seinen radikalen Ideen versucht, die seit dem Vorjahr bestehende Harmonie zwischen den Teams zu brechen.

Weiter betont der Deutsche: "Für mich ist die aktuell veröffentlichte Situation mit den zwei Reglements noch nicht endgültig." Allerdings muss schnell ein Kompromiss gefunden werden, denn die Zeit drängt. Der FIA-Weltrat kann unter normalen Umständen nicht von heute auf morgen für eine neue Beschlussfindung einberufen werden, aber: "Wenn wir im Mai mit der Konstruktion für 2010 beginnen können, ist das ausreichend", so Theissen.

"Ich denke, dass es morgen ein konstruktives FOTA-Gespräch gibt", meint indes Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Es ist unser Anliegen, dass man nicht zweierlei Regeln hat. Hoffentlich bekommt man ein Einheitsreglement hin. Aber sollte es soweit kommen, hieße das unter anderem eine Motorenentwicklung mit höheren Drehzahlen und geringeren Laufzeiten. Ich hoffe aber, dass man noch zu einer einheitlichen Lösung kommt."

Auch Haug hofft auf ein Aufweichen der Fronten: "Warum soll eine Seite alles besser wissen als die andere? Es muss konstruktiv sein. Es ist keine Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung, aber ich habe gelernt, dass aus sechs, sieben oder acht klugen Köpfen mehr herauskommt als aus zwei oder drei. Die Formel 1 hat ganz viele kluge Köpfe. Das zu koordinieren, ist nicht immer leicht, aber man muss sich des ganzen Potenzials bedienen."

Ferrari vs. FIA

Sorgen bereitet indes auch der emotionsgeladene Briefwechsel zwischen Ferrari-Präsident und FOTA-Chef Luca di Montezemolo mit Mosley, denn Insider befürchten, dass Ferrari sogar den Gang vor ein ordentliches Gericht anstreben könnte, sollte das Reglement für 2010 in seiner jetzigen Form durchgepeitscht werden. Laut Theissen wird genau das morgen in London das Kernthema sein.

Angst, dass di Montezemolo als Ferrari-Präsident auf die FOTA-Interessen vergessen könnte, hat der BMW Motorsport Direktor nicht: "Man kann davon ausgehen, dass er die Ziele der FOTA berücksichtigt." Und Haug sagt zu Ferraris Ausstiegsgebärden: "Ferrari will auch sparen. Man stört sich vielleicht an dem Begriff Budgetlimit. Die FOTA bittet einfach darum, integriert zu sein. Diesen Aspekt tragen wir auch."

"Das Reglement", wirft Theissen ein, "hat durchaus Punkte, über die man diskutieren kann und die wir positiv sehen. Der negative Punkt ist die Zweiklassengesellschaft in der Formel 1. Das ist für uns nicht attraktiv." Ein positiver Aspekt sei aber zum Beispiel die Anhebung des Mindestgewichts von derzeit 605 auf künftig 620 Kilogramm. Dadurch werden auch schwerere Fahrer wie Robert Kubica problemlos KERS einsetzen können.

Schlechte Erfahrungen in der WTCC

Aber eine Zweiklassengesellschaft bedürfe eines Regulators von außen - "und das hat noch nie funktioniert", wie Theissen aus der Tourenwagen-WM (WTCC) weiß. Außerdem: "Man kann ein bestehendes Topteam nicht innerhalb einer Saison ohne Schaden auf ein Drittel reduzieren. Da muss man mit Augenmaß vorgehen, einen Gleitpfad über zwei, drei Jahre vorlegen, damit man das ordentlich abwickeln kann."

Und dann ist da noch die Regel, dass der Fahrer mit den meisten Siegen Weltmeister werden soll. "Das muss noch mal besprochen werden", fordert Theissens Kollege Haug. "Es besteht die Gefahr, dass jemand mit Siegen und Ausfällen Meister werden kann. Das kann auch ein strategisches Werkzeug werden. Man kann das über eine größere Punktedifferenz zwischen den ersten beiden Plätzen machen."

"Ich meine, dass man nicht unbedingt etwas verändern sollte, was gerade gut funktioniert. Wir haben eine sehr gute Formel", so der Deutsche. "Ausfälle werden dann einfach vergessen. Und es gibt zweierlei Systeme, weil dann ab Platz zwei ja wieder die Punkte zählen. Das muss noch mal abgewogen werden. Da kann man aber einen konstruktiven Prozess daraus machen."

Klar ist, dass es rasch zu einer endgültigen Entscheidung hinsichtlich des Reglements kommen muss, von der dann auch nicht mehr abgewichen wird, wie Theissen erläutert: "Für uns ist sehr wichtig, dass wir für die nächsten drei Jahre verlässliche Rahmenbedingungen haben, wo auch der Vorstand sagen kann: 'Darunter können wir uns etwas vorstellen, das passt zu unserem Ansatz und da sind wir dabei.'

Fotoquelle: FOTA

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