Franz Tost bereitet Toro Rosso derzeit für eine neue Ära als Konstrukteur vor

Formel 1 2009

— 08.05.2009

Tost: "Werden 30 bis 40 Leute dazunehmen"

Teamchef Franz Tost spricht über die Erweiterung des Toro-Rosso-Teams und über seine ablehnende Haltung zum Parallelreglement

Nach dem Ausstieg von Super Aguri ist Toro Rosso das letzte Team, das in der Formel 1 mit einem Kundenchassis an den Start geht. Doch damit wird 2010 wegen einer Änderung des Reglements Schluss sein. Das Red-Bull-B-Team muss also lernen, auf eigenen Beinen zu stehen - und genau daran wird derzeit in Faenza gearbeitet. Teamchef Franz Tost bringt die 'Motorsport-Total.com'-Leser auf den neuesten Stand der Dinge.

Frage: "Franz, wie siehst du die Zukunft des Toro-Rosso-Teams?"
Franz Tost: "Wir sind gerade dabei, die Infrastruktur aufzubauen, weil wir ja nächstes Jahr das Auto in Faenza zeichnen müssen. Soweit läuft alles nach Plan. Gegenwärtig gibt es natürlich einige Fragezeichen das Reglement betreffend. Darauf hat Toro Rosso selbst keinen gravierenden Einfluss, sondern wir müssen einfach so flexibel sein, dass wir aus den neuen Regularien das Beste herausholen, um für 2010 gerüstet zu sein."

200er-Grenze wird durchbrochen

Frage: "Im Moment habt ihr ungefähr 200 Mitarbeiter. Wie sieht euer weiterer Plan aus?"
Tost: "Wir kommen jetzt an die 200er-Grenze und wir werden noch mindestens 30 bis 40 Leute kurzfristig dazunehmen. Dann müssen wir warten, wie sich das mit dem Reglement entwickelt, denn wir können natürlich nicht Leute einstellen und dann feststellen: Jetzt kommt die Kostenobergrenze, sodass wir nur noch mit 200 Leuten arbeiten können! Wir müssen alles sehr behutsam überprüfen und Schritt für Schritt vorgehen."

Frage: "Wie steht Toro Rosso dem Parallelreglement gegenüber?"
Tost: "Im Grunde genommen will kein Formel-1-Team ein solches Reglement haben, weil das die Zuschauer total verwirren würde. Wir dürfen nicht vergessen, dass es bereits dieses Jahr schwierig zu verstehen ist, wer mit welchen Spezifikationen unterwegs ist. Manche fahren mit Doppeldiffusor, manche fahren mit KERS, andere ohne KERS. Das ist verwirrend. Wir müssen aufpassen, dass wir ein Reglement haben, das einheitlich ist, das nicht für Verwirrungen sorgt und das spannende Rennen ermöglicht. Bei einem zweigleisigen Reglement wird das sehr schwer möglich sein."

Frage: "Zusammengefasst: Toro Rosso ist für eine Budgetdeckelung, aber gegen ein Parallelreglement, richtig?"
Tost: "Wir sind für eine Budgetobergrenze, denn wir müssen mit den Kosten runter - ganz klar. Aber es sollte nur ein einheitliches Reglement für die Formel 1 geben."

Frage: "Wie hoch soll die Grenze angesetzt werden?"
Tost: "Man muss da ein bisschen vorsichtig sein. Man kann das jetzt nicht zu niedrig ansetzen, weil es bei einzelnen Teams sehr hohe Mitarbeiterzahlen gibt. Man kann diese Mitarbeiter nicht von heute auf morgen entlassen, sondern es sollte ein Gleitmodell, eine kontinuierliche Abnahme der Kosten von Jahr zu Jahr, eingeführt werden. Das ist momentan unter anderem auch Inhalt der Diskussionen zwischen den Teams. Das könnte zum Beispiel ein Modell von 100 auf 80 auf 60 Millionen innerhalb von drei Jahren sein."

Gehälter als großer Kostenpunkt

Frage: "Sind die höchsten Kosten eines Teams die Gehälter?"
Tost: "Die Gehälter machen sicherlich einen Großteil der Kosten aus, aber sehr viel Geld geht für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit drauf. Sprich: Windkanal, Testen von neuen Spezifikationen. Da wird sehr viel Geld investiert."

Frage: "Wird euer neues Auto komplett ohne Red Bull Technology entwickelt oder werden die weiterhin mithelfen?"
Tost: "Die Teile, die im Concorde-Agreement stehen und die von jedem Team selbst designt werden müssen, werden in Faenza designt, aber man kann zum Beispiel ein Getriebe oder andere Teile mit einem Partner zusammen fertigen. Wir werden aber unseren eigenen Chefdesigner haben."

Frage: "Adrian Newey wird sich dann rein auf Red Bull Racing konzentrieren?"
Tost: "Ja. Adrian konzentriert sich auch jetzt schon auf Red Bull Technology und Red Bull Racing. Wir haben auch dieses Jahr schon das gesamte Motorenumfeld und viele Teile im hinteren Bereich des Autos in Faenza designt, weil wir einen anderen Motor fahren."

Frage: "Was macht ihr in puncto Windkanal?"
Tost: "Wir werden den Windkanal in Bicester benutzen und sind gerade dabei, in Faenza eine eigene CFD-Abteilung aufzubauen. Es gibt Windkanäle in Italien, aber von der Kosten/Nutzen-Rechnung her ist Bicester für uns die beste Lösung. Der Windkanal gehört Red Bull - und da Toro Rosso ein kostenbewusst arbeitendes Team ist, ist das für uns die effizienteste Lösung."

Fotoquelle: Getty

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