Die obersten Chefs der Teamvereinigung: Luca di Montezemolo und John Howett

Formel 1 2009

— 08.05.2009

Kalter Krieg erneut vor der Eskalation

Nach dem FOTA-Meeting in London: Wegen der harten Linie der FIA kehrt das Gespenst einer Herstellerserie in die Formel 1 zurück

Das sture Ja der FIA zur freiwilligen Budgetobergrenze (umgerechnet 45 Millionen Euro Ausgabenlimit ab 2010) samt Parallelreglement mit enormen technischen Freiheiten für die Teams, die sich darauf einlassen, führt zu einem Kalten Krieg in der Formel 1. Selbst das Gespenst einer losgelösten "Piratenserie" der großen Hersteller ist offenbar wieder ein Thema.

Am Mittwoch traf die Teamvereinigung FOTA in London zusammen, um eine gemeinsame Linie zu finden. Denn es ist kein Geheimnis, dass FIA-Präsident Max Mosley die FOTA sprengen will, um mit seinen kontroversen Ideen leichtes Spiel zu haben. Aber FOTA-Vizechef John Howett gibt sich gegenüber 'Motorsport-Total.com' zunächst betont staatsmännisch: "Statt darüber zu schmollen, haben wir uns lieber damit auseinandergesetzt, wie wir die Kosten weiter senken können."

FOTA tritt nach außen geschlossen auf

"Wir wollen die richtigen Entscheidungen für den Sport treffen und in den richtigen Bereichen die richtigen Einsparungen erreichen", berichtet der Brite und unterstreicht, dass die FOTA-internen Querschläge von Renault-Teamchef Flavio Briatore in London kein entscheidendes Thema mehr waren: "Wir haben ignoriert, was passiert ist, und uns stattdessen konstruktiv damit befasst, die nächsten Schritte der FOTA zu besprechen."

Was die FOTA genau will, dringt nicht nach außen, klar ist aber folgendes: Eine Budgetobergrenze wäre grundsätzlich vorstellbar, aber nicht zu den von der FIA beschlossenen Konditionen. Hinter den Kulissen hat FOTA-Präsident Luca di Montezemolo bereits mit Mosley Kontakt aufgenommen. Ein Gespräch der beiden werde es "demnächst" geben, schließlich drängt wegen der Einschreibfrist bis 29. Mai die Zeit. Ungünstig: Mosley hat gerade den Tod seines Sohnes zu verkraften.

Völlig indiskutabel ist für die FOTA das Parallelreglement: "Es ist offensichtlich, dass diese Autos deutlich schneller sein werden", sagt Howett. Laut Daniele Audetto, einer der Berater der FIA in Sachen Budgetobergrenze, werde der Vorteil der budgetgedeckelten Teams sogar bei bis zu zwei Sekunden pro Runde liegen. Von da an ist es Ermessenssache der FIA, eine Balance herzustellen - ein Zustand, der den Grundprinzipien der Formel 1 widerspricht.

Howett stellt daher in Aussicht, dass Toyota die Einschreibfrist verstreichen lassen könnte, ohne für die Saison 2010 zu nennen: "So, wie die Regeln jetzt sind, können wir nicht für die Weltmeisterschaft nennen. Dafür müsste sich etwas signifikant ändern. Es existieren auch Bedenken hinsichtlich der Gesetzgebung in diesem Sport", so der Teampräsident. "Bevor sich Toyota für die Zukunft an die Formel 1 bindet, müssen einige Themen geklärt werden."

Toyota habe "keinen Grund", am abgegebenen Versprechen, bis 2012 in der Formel 1 zu bleiben, zu zweifeln, doch man brauche dafür "ein stabileres Umfeld, stabilere Regeln und eine klare Vision für die nächsten zwei oder drei Jahre". Howett erachtet die von der FOTA eingeschlagene Richtung diesbezüglich als vernünftig: "Wir sind nicht gegen Kostenreduktion und wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Budgetobergrenze. Es geht um das Wie."

Toyota denkt über Alternativen nach

Und er stellt Mosley die Rute ins Fenster: "Wir müssen damit anfangen, darüber nachzudenken, was die besten Alternativen sind. Wir diskutieren auch mit den anderen Herstellerteams, wie sie das sehen. Es gibt viele andere Aktivitäten, denen wir nachgehen könnten, wenn wir uns in der Formel 1 nicht mehr willkommen fühlen. Es gibt Alternativen, die sogar noch billiger sind und in denen ein konstruktiveres Verhalten an den Tag gelegt wird."

Zwischen den Zeilen lässt Howett auch durchklingen, dass die Teams und Bernie Ecclestone längst dazu bereit wären, das neue Concorde-Agreement zu unterschreiben. Diese beiden Parteien wollen jedoch auch die FIA an Bord haben - und die ziert sich. Dieses Machtspiel kommt beim Toyota-Teampräsidenten nicht gut an: "Ich hoffe, dass sich die Vernunft durchsetzen wird, aber ich zweifle mehr und mehr daran, dass es überhaupt eine Vernunft gibt..."

"Keine Frage: Wir brauchen eine Sporthoheit, wir brauchen jemanden, der die kommerziellen Rechte verwaltet. Aber was die Leute am meisten bewundern, sind die Fahrer und die Autos. Daher sind die Teams der wichtigste Teil des Sandwichs", pocht Howett auf den Einfluss der FOTA, der seiner Meinung nach von Mosley viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dabei habe die FOTA "einen fantastischen Job" gemacht: "In diese Richtung sollten wir uns weiterhin bewegen."

Man wolle neue Teams keineswegs aus der Formel 1 ausschließen, wie der FOTA oft vorgeworfen wird, so Howett, aber Mosleys Drohungen, nötigenfalls auch ohne Ferrari weiterzumachen, hält er für unangemessen: "Ich sage nicht, dass sie dabei sein müssen, aber ich glaube, es wäre ein großer Verlust für den Sport. Genauso respektieren wir auch Williams, McLaren und andere Teams mit großer Tradition", fügt der 56-Jährige an.

Die Formel 1 befindet sich damit wie schon in den Jahren bis zum Abschluss des Vorvertrags von Mai 2006, quasi ein provisorisches Concorde-Agreement, im Kalten Krieg: auf der einen Seite Mosley, der sich in den möglicherweise letzten Monaten seiner Amtszeit noch kompromissloser zeigt als früher, und auf der anderen Seite die Teams, die erstmals an einem Strang ziehen - und irgendwo dazwischen steht noch Ecclestone...

Fotoquelle: xpb.cc

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