Offenbar gibt es im Brawn-Team derzeit noch keine Stallorder

Formel 1 2009

— 10.05.2009

Barrichello sauer - Brawn dementiert Stallorder

Rubens Barrichello fühlte sich im ersten Moment um den Sieg betrogen, doch laut Brawn-Team hat es in Barcelona keine Stallorder gegeben

30 von 66 Runden waren gefahren, da hatte Rubens Barrichello noch 13 Sekunden Vorsprung auf Jenson Button. Die Hochrechnung lief zu jenem Zeitpunkt auf den ersten Saisonsieg des Brasilianers hinaus. Doch weil er im Gegensatz zu Teamkollege Jenson Button, der nur zweimal an die Box kam, an der geplanten Dreistoppstrategie festhielt, ging Barrichello der Sieg durch die Lappen.

"Ich dachte ehrlich, ich hätte es in der Tasche", sagte der große Geschlagene des heutigen Tages, der sich nach dem Rennen "überrascht" zeigte, dass Buttons Crew die Strategie umgestellt hat, seine aber nicht: "Ich denke, wir müssen uns heute Abend zusammensetzen und nach Antworten suchen." Solche Aussagen sind natürlich Nahrung für Verschwörungstheoretiker, die vermuten, dass Ross Brawn den Strategiewechsel angeordnet hat, um WM-Leader Button den Sieg zu schenken.

Erinnerungen an die Ferrari-Jahre

Barrichello kennt diese Situation ganz genau, denn unter Chefstratege Brawn musste er zu gemeinsamen Ferrari-Zeiten nicht nur einmal für Michael Schumacher Platz machen. Die Angst vor einer Neuauflage dieser Situation mit Button scheint bei ihm Panik auszulösen: "Ich bin erfahren mit so etwas. Ich halte mich an so eine Stallorder nicht mehr. Ich sage das jetzt klipp und klar, damit es alle wissen", gab er im Rahmen der FIA-Pressekonferenz zu Protokoll.

Einwand von Button: "Ich möchte hierzu auch etwas sagen, denn das betrifft mich schließlich. Laut unseren Strategen waren drei Stopps die schnellere Variante. Punkt." Die Entscheidung, trotzdem auf zwei Stopps umzustellen, fällte die Button-Crew vor dem Hintergrund, dass der Brite im ersten Run trotz eines um ein bis zwei Benzinrunden leichteren Autos vom Brasilianer aufgehalten wurde. Also entschied man sich für eine Abweichung von der geplanten Variante.

"Beide Fahrer waren ursprünglich auf einer Dreistoppstrategie", erklärte Geschäftsführer Nick Fry gegenüber 'Autosport'. "Es war eine intelligente Entscheidung von Jensons Garage, doch etwas umzustellen. Das ist aufgegangen. Jenson war leichter und war daher davon ausgegangen, dass er vorne davonfahren kann. Als das wegen des Starts nicht klappte, war es notwendig, die Strategien zu splitten. Wir hatten das aber schon vor dem Rennen besprochen."

Entscheidung im dritten Stint

Laut Fry wäre es auch der Barrichello-Crew offen gestanden, auf zwei Stopps zu wechseln, doch für den 36-Jährigen lief zunächst ohnehin alles wie geschmiert. Die Entscheidung gegen ihn fiel, als er nach dem zweiten Boxenstopp das Potenzial des letzten weichen Reifensatzes nicht mehr ausschöpfen konnte, denn dadurch wuchs sein Rückstand sogar von zehn auf zwölf Sekunden an, obwohl er eigentlich hätte schrumpfen sollen.

Brawn hofft daher, dass sich Barrichello nicht ungerecht behandelt fühlt: "Man hat in der ersten Kurve gesehen, dass es keine Stallorder gibt. Rubens hat Jenson überholt. Ich würde ihm und seiner Crew einen Sieg gönnen, denn das würde dem Team gut tun. Bei uns werden keine Prioritäten vergeben", stellte der Teamchef klar. Barrichellos einsichtige Reaktion folgte prompt: "Es stimmt, es ist jetzt anders als damals bei Ferrari..."

Dass der langjährige Schumacher-Wasserträger auf das Thema sensibel reagierte, konnte Brawn aber nachvollziehen: "Das ist natürlich. Einen Fahrer, der besiegt wird und sich darüber freut, will ich nicht in meinem Team haben. Dass Rubens sich ärgert, ist ein gesundes Signal, denn wenn er mit einem zweiten Platz hinter Jenson zufrieden wäre, würde ich das sehr merkwürdig finden", relativierte er abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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