Zerreißprobe für die Formel 1: Machen sich die Teams ohne FIA selbstständig?

Formel 1 2009

— 13.05.2009

Exklusiv: "Piratenserie" immer wahrscheinlicher

Die in der Formel 1 vertretenen Hersteller rasseln immer lauter mit den Säbeln und denken nun über die Gründung einer eigenen Rennserie nach

Die von der FIA geplante freiwillige Budgetobergrenze von umgerechnet 45 Millionen Euro und das damit einhergehende Parallelreglement für 2010 stellen die Formel 1 derzeit vor eine Zerreißprobe. Nach den offen ausgesprochenen Rückzugsdrohungen von Ferrari, Toyota und Red Bull sowie ähnlichen Gerüchten um BMW und Renault droht der Zerfall der Königsklasse des Motorsports.

Besonders die gestrige Mitteilung von Ferrari, wonach der Verwaltungsrat in Maranello beschlossen hat, die Formel 1 zu verlassen, sollte das Reglement nicht doch noch gekippt werden, verursacht Besorgnis. Bei Renault denkt man offenbar ähnlich wie in Maranello: "Wir wollen auf jeden Fall eine Garantie, dass Renault in der Formel 1 bleibt. Definitiv wissen wir das zu diesem Zeitpunkt nicht", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner in Bezug auf seinen Motorenvertrag mit den Franzosen.

Howett hofft auf die Vernunft

Auf einen Ausstieg von BMW deutete Renault-Teamchef Flavio Briatore in einem Zeitungsinterview hin, während Toyota-Teampräsident John Howett in Barcelona gegenüber 'Motorsport-Total.com' klare Worte fand: "Ich hoffe, dass sich die Vernunft durchsetzen wird, aber ich zweifle mehr und mehr daran, dass es überhaupt eine Vernunft gibt", sagte der Brite und kündigte an: "Wir müssen damit anfangen, über bessere Alternativen nachzudenken."

Diese Alternative könnte für Toyota ein Wiederbeleben des Le-Mans-Projekts sein, doch auch das Gespenst einer "Piratenserie", das nach Abschluss des Vorvertrags von Barcelona 2006 schon verjagt schien, ist wieder zurück im Fahrerlager. Die Herstellerteams könnten sich mit Red Bull zusammentun und ihr eigenes Ding durchziehen. In der Formel 1 unter FIA-Regie würden dann von den bestehenden Teams nur Brawn, Williams und Force India übrig bleiben.

Nur ein Hirngespinst? Nicht ganz, wie 'Motorsport-Total.com' aus einer hochrangigen Quelle erfahren hat. Zugute kommen könnte der Anti-FIA-Front hier der Zorn von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, der einen Deal einfädeln könnte, um schon 2010 mit einer "Piratenserie" loszulegen. Das lässt die Ausstiegsdrohung von Ferrari, die bisher wegen der fehlenden Infrastruktur für eine neue Weltmeisterschaft belächelt wurde, in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Diese Infrastruktur könnte von der derzeitigen A1GP-Serie kommen, die seit ihrer Gründung bereits Unmengen an Geld verbrannt hat. Ferrari liefert seit der Saison 2008/09 die Motoren an die Rennserie, die Tony Teixeira und der Investmentfirma RAB Capital gehört. Was wäre da nahe liegender als ein Verkauf an eine Gruppe um Motorenlieferant Ferrari, bei dem man ohnehin noch Schulden in Millionenhöhe hat? Teixeira und RAB Capital wären auf diese Weise fein raus.

Voraussetzungen wären vorhanden

Die A1GP-Serie hat alles, was eine "Piratenserie" braucht: Verträge mit Rennstrecken auf der ganzen Welt, die noch dazu für die Veranstalter deutlich billiger sind als die Knebeldeals mit Bernie Ecclestone, eine funktionierende Logistik sowie HD-TV-Verträge in 160 Ländern - und einen Reifenvertrag mit Michelin, wo man sich über eine Neuauflage der Zusammenarbeit mit altbekannten Formel-1-Teams sicher freuen würde.

Nicht zu vergessen, dass das aktuelle A1GP-Chassis zwar nicht von Ferrari gebaut, aber unter Mithilfe von Ferrari-Berater Rory Byrne entwickelt wurde. Außerdem ist di Montezemolo als Ferrari-Präsident und FOTA-Chef in der besten Position, um Vermittler zu spielen und den anderen Teams die Option schmackhaft zu machen. Schließlich trat die Teamvereinigung bisher ungeachtet aller Interferenzen nach außen sehr geschlossen auf.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, dann hätten auch Brawn, Williams und Force India - jene drei Teams, die sich dem Vernehmen nach fristgerecht bis 29. Mai für die FIA-Weltmeisterschaft 2010 einschreiben wollen -, ein großes Problem. Denn deren aktuelle Motorenlieferanten Mercedes und Toyota würden als mögliche Teilnehmer an einer "Piratenserie" ihre Engagements in der Formel 1 wohl auf allen Ebenen einstellen.

Mag sein, dass Ferrari und die FOTA nur mit dem Zaunpfahl wedeln, um ihrer Position Nachdruck zu verleihen, aber das A1GP-Szenario bedeutet auch, dass die potenziellen "Piraten" tatsächlich ernst machen könnten, sollten sie dazu gezwungen werden. Viel wird diesbezüglich vom für diese Woche geplanten Gipfeltreffen zwischen di Montezemolo und FIA-Präsident Max Mosley abhängen. Vielleicht setzt sich am Ende ja doch noch die von Howett geforderte Vernunft durch...

Fotoquelle: xpb.cc

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