Überraschend: Williams-Teilhaber Patrick Head ist kein Fan der FIA-Pläne

Formel 1 2009

— 14.05.2009

Sogar Williams protestiert gegen FIA-Pläne

Williams wird sich zwar fristgerecht für die Saison 2010 einschreiben, protestiert aber dennoch scharf gegen das Zweiklassenreglement

Williams ist neben Brawn und Force India eines von drei Teams, denen nachgesagt wird, sich fristgerecht bis 29. Mai für die Weltmeisterschaft 2010 einschreiben zu wollen. Weil die Formel 1 für die Truppe aus Grove das Kerngeschäft ist, bleibt Williams gar keine andere Wahl, aber das bedeutet nicht, dass zu allem Ja und Amen gesagt wird, was die FIA beschlossen hat.

Vor allem das Parallelreglement mit unterschiedlichen Bestimmungen für budgetgedeckelte und nicht budgetgedeckelte Teams ist Williams ein Dorn im Auge: "Alle erkennen, dass eine Zweiklassenserie nicht das ist, was die Formel 1 darstellen sollte", sagt Williams-Teilhaber Patrick Head. "Jede Rennserie, in der die Sporthoheit den Teilnehmern Bonbons in Form eines Motorenupdates oder einer Gewichtsreduktion erlauben kann, ist zum Vergessen. Das ist meiner Meinung nach kein Motorsport."

Williams zur Budgetobergrenze gezwungen?

Bei den aktuellen Vorteilen für Teams, die maximal 40 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 45 Millionen Euro) ausgeben wollen, "werden das die einzigen Teams sein, die Rennen gewinnen", so Head, der gleichzeitig einräumt, dass Williams wegen des Mangels anderer Geschäftsfelder abseits der Formel 1 unter Umständen gar keine andere Wahl bleiben könnte, als selbst zu einem budgetgedeckelten Team zu werden.

Der Brite fürchtet, dass die FIA bei einer Ausgleichsregelung wie in der Tourenwagen-WM ins sportliche Geschehen eingreifen könnte: "Es wäre schrecklich, wenn die Sporthoheit wie im GT- oder Tourenwagensport bestimmen kann, wer gewinnt. An so einer Meisterschaft wollen wir nicht teilnehmen." Dass es eine Ausgleichsregelung geben muss, ist für Head klar, denn so, wie das Reglement derzeit formuliert ist, sieht er die budgetgedeckelten Teams klar im Vorteil.

"Du kannst gar nicht so viel Geld ausgeben, um dieses Defizit auszugleichen", weiß der 30-Prozent-Partner von Frank Williams. Also wird es ein Ungleichgewicht geben, das die FIA nach eigenem Ermessen ausgleichen muss. Die Gefahr dabei: "Dann sagt die FIA: 'Okay, ihr dürft eure Flügel ab sofort nicht mehr um zehn, sondern nur noch um fünf Grad verstellen.' Ist das noch Rennsport? Nein, ich finde, das ist Mist!"

"Ich bin nicht gegen neue Teams, aber neue Teams sollten nicht mit Vorteilen in die Formel 1 gelockt werden. Sie sollten kommen und bleiben, wenn sie gut genug sind", spricht sich Head zum Beispiel für eine Senkung der Einschreibgebühr aus. "Die Schwierigkeit ist, einen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der bestehenden Teams und denen der neuen Teams zu finden, die in die Formel 1 einsteigen wollen. Da klafft ein Riesenunterschied."

Budgetobergrenze widerspricht der Williams-Philosophie

Genau wie Ferrari findet übrigens auch das Williams-Team, dass eine Budgetobergrenze grundsätzlich dem freien Wettbewerb widerspricht, für den die Formel 1 seit Jahrzehnten steht. Eine gewisse finanzielle Nivellierung sei durch die Weltwirtschaftskrise ohnehin von selbst eingetreten. Allerdings erkennt Head auch, dass es gerade für einen verhältnismäßig kleinen Rennstall wie den seinen von Vorteil sein kann, die jährlichen Ausgaben zu limitieren.

"Grundsätzlich wollen wir uns nicht vorschreiben lassen, wie viel Geld wir ausgeben dürfen", erläutert er. "Andererseits hat ein Hersteller so viel Geld ausgegeben, dass viele unserer hochrangigen Leute zu Honda gegangen sind, weil ihnen unglaubliche Verträge angeboten wurden. Das verursacht natürlich Probleme, denn zu uns sind Mitarbeiter gekommen, die gesagt haben: 'Ich kriege dort doppelt so viel Geld für die gleiche Arbeit.' Da mussten wir sagen: 'Viel Glück dort!'"

Übrigens war ausgerechnet Williams' Motorenlieferant Toyota der erste Hersteller, der offen den Rückzug aus der Formel 1 angedroht hat. Head ist darüber "natürlich besorgt", fügt jedoch an: "Ich gehe davon aus, dass wir nächstes Jahr in der Startaufstellung stehen werden, aber John (Howett; Anm. d. Red.) hat schon Recht: Toyota ist nicht von der Formel 1 abhängig. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie in Le Mans oder in der Rallye-WM besser dran sind, dann werden sie dorthin gehen."

Außerdem ist auch der 62-Jährige der Meinung, dass die Formel 1 nicht riskieren sollte, Ferrari zu verlieren: "Wenn wir nach Malaysia kommen, dann tragen dort 60 Prozent der Fans rote Kappen. Man kann nicht abstreiten, dass Ferrari einen großen Reiz auf die Menschen ausübt. Ich glaube nicht, dass die Formel 1 Ferrari unbedingt braucht, aber die Formel 1 wäre ohne Ferrari sicher ein traurigerer Ort", so Head abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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