Max Mosley lässt es auf eine Konfrontation mit Ferrari ankommen

Formel 1 2009

— 15.05.2009

Gnadenloser Machtkampf: Mosley vs. Ferrari

Nach dem Gipfeltreffen von London sagt Max Mosley: "Eine Formel 1 ohne Ferrari wäre immer noch die Formel 1" - Kompromiss noch nicht ausgeschlossen

Das heutige Gipfeltreffen zwischen Automobilweltverband FIA und Teamvereinigung FOTA ist - nicht ganz überraschend - ergebnislos verlaufen. Allerdings sickerte nach dem Meeting in London durch, dass Ferrari als vehementer Gegner der von der FIA beschlossenen Budgetobergrenze bei einem französischen Gericht eine einstweilige Verfügung gegen das Reglement 2010 beantragt hat.

"Ich wäre sehr überrascht, wenn sie damit Erfolg haben sollten, aber bei einem Gerichtsverfahren weiß man nie, wie es ausgeht", wird Mosley von der 'BBC' zitiert. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali bestätigt nur indirekt, dass der Streit nun auf juristischer Ebene ausgetragen wird: "Der Ferrari-Vorstand hat klargemacht, dass der Präsident (Luca di Montezemolo; Anm. d. Red.) das Mandat hat, die Rechte von Ferrari zu schützen."

Mosley oder Ferrari: Wer hat Recht?

Ferrari beruft sich dabei auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2005, als die Italiener als damals erster Hersteller einen bindenden Vertrag mit der FIA und Bernie Ecclestone eingegangen sind. Dieser Vertrag sicherte dem Traditionsrennstall finanzielle Sonderrechte - und offenbar auch eine Vetomöglichkeit gegen Regeländerungen. Aber Mosley will es auf den Rechtsstreit ankommen lassen: "Oh ja, absolut! Sonst könnten wir gleich die Sporthoheit an Ferrari abgeben."

Interessant ist in diesem Zusammenhang Anhang 5 des Sportlichen Reglements 2009, in dem der Prozess für Regeländerungen in der Formel 1 dargelegt ist. Demnach müssen Vorschläge für Regeländerungen von der Sportlichen (SWG) beziehungsweise Technischen Arbeitsgruppe (TWG) formuliert, dann von der Formel-1-Kommission abgesegnet und erst in letzter Instanz vom FIA-Weltrat ratifiziert werden oder eben auch nicht.

Dieser Punkt spricht hinsichtlich des Gerichtsverfahrens auch unabhängig von 2005er-Abkommen eindeutig für Ferraris Standpunkt, denn das 2010er-Reglement, wie es seit 29. April im Raum steht, war ein Alleingang des FIA-Weltrats ohne vorherige Konsultierung der SWG, TWG oder der Formel-1-Kommission. Doch das verschweigt Mosley, dem Ferrari offenbar nicht komplett egal ist, dem ein Abschied der Italiener aus der Formel 1 aber auch nicht das Herz brechen würde.

"Eine Formel 1 ohne Ferrari wäre nicht so gut wie eine Formel 1 mit Ferrari. Es wäre aber immer noch die Formel 1. Nur: In dem Moment, in dem wir sagen, dass es die Formel 1 ohne Ferrari nicht geben kann, können sie die Regeln diktieren. Das geht nicht", sagt der 69-Jährige und lädt Ferrari dazu ein, die Budgetobergrenze von umgerechnet knapp 45 Millionen Euro einfach zu akzeptieren: "Wenn ihr Rennen fahren wollt, dann tut es unter den gleichen Bedingungen wie alle anderen!"

Mosley ist bewusst, dass in Maranello bereits Pläne für eine "Piratenserie" auf Basis der Infrastruktur der A1GP-Meisterschaft geschmiedet werden. Er will eine solche Abspaltung mehrerer Teams auch gar nicht ausschließen: "Das kann passieren, durchaus. Ich glaube aber nicht, dass sie damit Erfolg haben würden." Trotzdem ist er sich "zu 95 Prozent" sicher, dass sich die Angelegenheit aus der Welt schaffen lässt, wenn auch vielleicht erst im Hochsommer.

Mosley glaubt an eine Lösung

"Ich bin sehr optimistisch, dass wir eine Lösung finden werden. Ob wir sie schnell finden werden, ist eine andere Frage", sagt Mosley über den derzeit eskalierenden Kalten Krieg zwischen der FIA und der FOTA. Und er lässt sich ein Hintertürchen für einen späteren Kompromiss offen: "Wenn sie mit einem besseren Vorschlag (als mit einer Budgetobergrenze; Anm. d. Red.) daherkommen, werden wir uns den natürlich anschauen. Aber ich bin sehr skeptisch."

Der Brite geht davon aus, dass bis zum Ende der Einschreibfrist für 2010 am 29. Mai nicht alle 13 Startplätze vergeben sein werden. Trotzdem schiebt er den Teams die Schuld für die aktuelle Situation zu. Denn nach dem Ausstieg von Honda sei die FIA zum Handeln gezwungen gewesen. Die Teams hätten zwar zunächst angekündigt, sich verbindlich an die Formel 1 zu binden, aber: "Wir haben diese Garantien nie bekommen."

Tatsächlich haben die FOTA-Teams bei ihrem Meeting in Genf im März öffentlich versprochen, bis Ende 2012 in der Formel 1 zu bleiben, doch verbindliche Verträge sind sie bisher nicht eingegangen. Das liegt an den zähen Verhandlungen um ein neues Concorde-Agreement, die unter anderem auch von Mosley blockiert werden. Der will nämlich nur zu den Konditionen des alten Abkommens von 1998 unterschreiben, die heute natürlich längst überholt sind.

Zumindest in einem Punkt sind sich nun alle einig: "Es wäre wünschenswert, dass alle unter den gleichen Regeln fahren", so Mosley. "Dieses Problem entstand erst, als ein bestehendes Team unter der Budgetgrenze antreten wollte. Die ursprüngliche Idee war, den Neueinsteigern zu helfen, weil sie sonst rollende Schikanen - viel zu langsam - gewesen wären. Jetzt, wo die bestehenden Teams auch unter der Budgetgrenze antreten wollen, wäre deren Vorteil natürlich viel zu groß."

Unabhängig von den aktuellen Unruhen hinter den Kulissen ist der FIA-Präsident von der Richtigkeit seines Strebens nach einer radikalen Kostensenkung in Form einer Budgetobergrenze überzeugt. Es sei die Aufgabe der FIA, die künftigen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise vorauszuahnen und entsprechende Maßnahmen zu setzen, denn: "Die Teams sehen den Tsunami nicht kommen, aber er wird kommen. Wir müssen handeln."

Fotoquelle: xpb.cc

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