Ferrari hat heute vor Gericht in Paris eine empfindliche Niederlage erlitten

Formel 1 2009

— 20.05.2009

Ferrari-Ausstieg möglich: FIA triumphiert vor Gericht

Update: Ferraris Antrag um eine einstweilige Verfügung gegen das Reglement 2010 wurde in Paris abgelehnt - FIA freut sich über wichtigen Etappensieg

Ferrari ist im Kampf mit der FIA gegen die Regeländerungen für die Formel-1-Saison 2010 vor Gericht gescheitert. Das Tribunal de Grande Instance in Paris, vergleichbar einem deutschen Oberlandesgericht, lehnte am Mittwoch den Eilantrag der Scuderia ab, mit dem die Italiener die vom Automobilweltverband geplante Einführung einer Budgetobergrenze stoppen wollten. Damit ist der angedrohte Ausstieg des Traditionsrennstalls aus der Formel 1 ein großes Stück näher gerückt.

Das Gericht in Paris erkannte bei seiner Entscheidung ein von Ferrari angeführtes Vetorecht bei Regeländerungen nicht an. Die Italiener waren der Meinung, ein solches Recht 2005 in einem eigenen Vertrag mit der FIA erhalten zu haben. "Aus unserer Sicht gilt der Sonderstatus nicht mehr. Denn als sie ein Veto hätten einlegen können, haben sie es nicht getan", hatte FIA-Präsident Max Mosley schon vor der Verhandlung dem britischen Fachmagazin 'Autosport' gesagt.

Mosleys Einschätzung unterstützt

Das Gericht unter Vorsitz von Jacques Gondran de Robert stützte diese Einschätzung des gelernten Juristen Mosley. Ferrari hätte auf den Sitzungen des FIA-Weltrats im März und April offiziell gegen die Regeln protestieren müssen. Sie hätten sich zwar dagegen ausgesprochen, aber nicht explizit von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht, was ihr Recht gewesen wäre. "Es gibt kein Risiko eines drohenden Schadens, der abgewendet werden müsste, oder offensichtliche illegale Probleme, die gestoppt werden müssten", sagte der Richter.

Nach Mosleys Auffassung habe Ferrari sein Vetorecht schon mit der Gründung der FOTA selbst verwirkt: "Sie hatten sich verpflichtet, der FIA gegenüber stets loyal zu sein, mit uns zu arbeiten und zu kooperieren", erklärte Mosley. Innerhalb der FOTA arbeitet Ferrari aber mit den restlichen Teams zusammen und lehnt die Budgetobergrenze von knapp 45 Millionen Euro und das daraus resultierende Zweiklassenreglement ab.

Die erste Reaktion von Mosley nach dem heutigen Urteilsspruch fiel folgendermaßen aus: "Kein Teilnehmer sollte seine eigenen Interessen über die des Sports stellen, an dem er teilnimmt. Die FIA, die Teams und unsere kommerziellen Partner werden nun mit ihrer Arbeit fortfahren, um das Wohlbefinden der Formel 1 für 2010 und darüber hinaus zu gewährleisten." Noch ist aber nicht alles ausgestanden, denn Ferrari könnte gegen das Urteil in Berufung gehen.

Weitere Gespräche in Monaco

Die FIA will unter den neuen Regeln bereits in der Frist vom 22. bis 29. Mai insgesamt 13 Plätze für Teams für die Saison 2010 ausschreiben, die FOTA ist damit nicht einverstanden und versucht, am Wochenende in Monaco doch noch eine andere Lösung zu finden. Sollte die FIA bei ihren Regeln bleiben, wollen auch andere Teams wie Red Bull, Renault, Toro Rosso und Toyota zunächst auf die Einschreibung verzichten oder ihre Zukunft generell in Frage stellen.

Möglicherweise hatte Ferrari die Niederlage vor Gericht schon vorausgeahnt. Am Mittwochmorgen hatte der Rennstall auf seiner Internetseite eine ironische Erklärung veröffentlicht: "Die Ferrari-Mitarbeiter haben heute morgen ihren Augen nicht getraut, als sie in den Zeitungen die Namen der Teams gelesen haben, die im kommenden Jahr an der Formel 1 teilnehmen wollen. Wenn man die aus Paris durchgesickerte Liste betrachtet, findet man keinen relevanten Namen, für den man 400 Euro für eine Tribünenkarte ausgeben würde", hieß es in dem Statement.

"Wirth Research, Lola, USF1, Epsilon Euskadi, RML, Formtech, Campos, iSport: Das sind die Teams, die im nächsten Jahr an der Formel 1 der zwei Klassen von Max Mosley teilnehmen sollten", war weiter zu lesen. "Bei allem Respekt für die Teams könnte eine Weltmeisterschaft mit diesen Mannschaften denselben Wert der heutigen Formel 1 haben, in der sich Ferrari, die größten Hersteller und Teams messen, die die Geschichte dieses Sports geschrieben haben? Wäre es nicht geeigneter, wenn man diese WM Formel GP3 nennen würde?"

Fotoquelle: xpb.cc

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