Alle hoffen, dass es im Kalten Krieg heute in Monte Carlo zu einer Lösung kommt

Formel 1 2009

— 22.05.2009

Teamchefs wollen Ferrari nicht verlieren

Obwohl Ferrari eine Sonderbehandlung genießt, wollen die anderen Teams die Italiener nicht loswerden - Akzeptanz für Budgetobergrenze steigt

Der Kalte Krieg in der Formel 1 geht heute in die nächste Runde: Zuerst treffen sich die Mitglieder der Teamvereinigung FOTA, um sich auf eine gemeinsame Linie einzuschwören, und dann trifft sich die FOTA mit FIA-Präsident Max Mosley. Gegenstand der Diskussionen wird die umstrittene Budgetobergrenze sein, die Ferrari aus der Königsklasse verscheuchen könnte.

Dabei möchte das in Wahrheit niemand: "Alle Teams wollen, dass Ferrari bleibt. Ich hoffe, wir finden einen Mittelweg, mit dem Ferrari weiter an der Formel 1 teilnimmt", erklärte Ex-Ferrari-Kunde Vijay Mallya, Teamchef von Force India, gestern in Monte Carlo. Und BMW Motorsport Direktor Mario Theissen wiederholte die Aussage von Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Ich glaube, Ferrari meint es ernst. Es wäre ein großer Verlust, sollten sie wirklich aussteigen."

Williams ist skeptisch

Frank Williams meint hingegen, dass Ferrari "keine Hilfe braucht. Sie sind ein sehr starkes und wohlhabendes Team. Es wäre schade, sollten sie gehen, aber sie hatten viele Jahre unter diesem Concorde-Agreement, in einer sehr privilegierten Position. Hätten wir das früher gewusst, wäre das nicht gut angekommen - vor allem nicht bei der Wettbewerbskommission in Brüssel. Also sollten sie die Budgetobergrenze akzeptieren und sich der Formel 1 anschließen."

Williams, grundsätzlich ein Gegner des Zweiklassenreglements, der sich aber fristgerecht für die Weltmeisterschaft 2010 einschreiben wird, spricht damit die Sonderstellung an, die Ferrari als traditionsreichstes Formel-1-Team genießt. So bekommen die Italiener mehr aus Bernie Ecclestones Einnahmentopf als alle anderen und sie haben im Normalfall auch ein Vetorecht gegen neue Regeln. Genau um dieses Vetorecht geht es im Rechtsstreit gegen die FIA.

Doch die Sonderstellung von Ferrari scheint unter den Konkurrenzteams weitgehend akzeptiert zu sein: "Wir wussten davon und haben gesagt, dass wir alles so handhaben, wie es derzeit ist, und dass wir es so akzeptieren", sagte Theissen gestern im Rahmen der FIA-Pressekonferenz über die Ferrari-Situation. "Was Ferrari jetzt macht, ist in meinen Augen in den Interessen der FOTA, weil sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Position der FOTA zu untermauern."

Ferraris Ausstiegsdrohung kommt allerdings bei Ecclestone nicht gut an, denn dem Grand-Prix-Promoter hat der Rennstall 2005 versprochen, bis Ende 2012 in der Formel 1 zu bleiben. Für dieses Versprechen gab es die erwähnten Sonderrechte, daher sagt Ecclestone jetzt: "Wir respektieren unsere Verträge. Alle Teams, die Verträge mit uns unterschrieben haben, erwarten, dass wir diese respektieren. Das erwarte ich nun auch von Ferrari."

Ferraris Concorde-Agreement

Ferrari wiederum sagt: "Wir hoffen, dass wir nicht aussteigen müssen, aber wenn das Concorde-Agreement von 2005 verbindlich ist, dann hat es die FIA gebrochen, als sie das Sportliche Reglement geändert hat, ohne die vereinbarten Prozeduren einzuhalten." Das freilich sieht das Pariser Gericht, das der FIA im Rechtsstreit Anfang der Woche Recht gegeben hat, anders; demnach habe Ferrari sein Vetorecht verwirkt.

In der Urteilsbegründung heißt es, Ferrari hätte bei den Sitzungen des FIA-Weltrats am 17. März oder 29. April vom Vetorecht Gebrauch machen müssen. Nur: In der März-Sitzung meldete Ferraris Ratsmitglied Jean Todt schon Bedenken an, ohne das Veto formell anzukündigen, und im April war Ferrari nicht anwesend. Denn Präsident Luca di Montezemolo hatte zu jenem Zeitpunkt wegen der Krise der Automobilindustrie andere Verpflichtungen.

Todt war im April nicht mehr derjenige, der Ferraris Stimme im FIA-Weltrat darstellte, weil der Franzose im März seine Rente antrat und vom Sportwagenhersteller ausschied. Somit ist die Passage in der uns vorliegenden Urteilsbegründung des Pariser Gerichts falsch, in der es heißt, dass Todt bei beiden Sitzungen anwesend war. Stattdessen kündigte di Montezemolo vor der zweiten Sitzung seine Bedenken gegen das neue Reglement schriftlich an - ohne formell gesehen ein Veto einzulegen.

Dabei wird eine Budgetobergrenze von den anderen Teams grundsätzlich akzeptiert: "In der aktuellen Wirtschaftskrise müssen wir die Kosten reduzieren", meldete Mallya gestern an. "Warum sollte die Formel 1 eine Ausnahme sein? Wir sind für eine Kostenreduktion - sei es nun in Form einer Budgetobergrenze oder durch andere Maßnahmen. Wir halten das für notwendig, denn ansonsten können unabhängige Teams wie Force India nicht überleben."

Budgetobergrenze zu überwachen?

Theissen findet indes, dass eine Budgetobergrenze auch zu überwachen wäre: "Wenn wir nicht überzeugt wären, dass man das überwachen könnte, würden wir keine Energie dafür aufwenden, denn dann würde es keinen Sinn machen. Ich glaube aber, dass das mit ein bisschen Goodwill auf allen Seiten geht." Und Mercedes-Kollege Haug meint: "In der ganzen Automobilindustrie ist klar dokumentiert, wohin das Geld fließt. Es ist also möglich."

In den heutigen Meetings gilt es also mehrere Ziele zu erreichen: Erstens muss ein Ausstieg von Ferrari abgewendet werden, zweitens will man vernünftige Rahmenbedingungen für eine Budgetobergrenze finden, der alle zustimmen können - und drittens müssen endlich die Animositäten zwischen Mosley und den Teams aus der Welt geschafft werden. Das derzeitige Klima schadet dem Sport mehr, als es ihm nutzt.

In einem Punkt sind sich die bestehenden Teams aber einig: "Wir wollen neue Teams in der Formel 1, aber die müssen ein bestimmtes Niveau vorweisen können", so Haug. "Wir wollen die besten Fahrer in den besten Autos, denn ich glaube nicht, dass die Fans ein Überholmanöver sehen wollen, weil ein Auto einen anderen Heckflügel haben darf als das andere Auto. Uns ist wichtig, dass für alle die gleichen Regeln gelten."

"Im Tourenwagensport - zum Beispiel in der DTM - gibt es manchmal keine andere Möglichkeit als eine Handicapformel, aber das Interessante ist, wenn es nur einen Satz Regeln gibt. Ist das Auto gut genug, ist der Fahrer schneller als sein Gegner? Selbst der Kampf zwischen Teamkollegen macht die Formel 1 aus und hat sie in der Vergangenheit so großartig gemacht. So denke ich - und ich glaube, meine Kollegen sehen es ähnlich", meinte der Deutsche in Monte Carlo.

Fotoquelle: xpb.cc

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