Rubens Barrichello, Jenson Button und Kimi Räikkönen in der Fürstenloge

Formel 1 2009

— 24.05.2009

Doppelsieg: Brawn-Duo erobert das Fürstentum!

Weltmeisterlich: Jenson Button feierte im sechsten Rennen den fünften Sieg - Ferrari erstmals auf dem Podium - K.O. von Sebastian Vettel

Das ganze Wochenende wurde in Monte Carlo gefeiert, als würde es keine Weltwirtschaftskrise geben, und heute kam von den Filmfestspielen in Cannes sogar eine Hollywood-Delegation um die Superstars Brad Pitt und Matt Damon ins kleine Fürstentum an der Cote d'Azur. Ach ja, und ganz nebenbei wurde auch noch ein Autorennen gefahren, der 67. Grand Prix von Monaco.

Allzu aufregend war das, was die 20 Formel-1-Stars zu bieten hatten, freilich nicht, sodass sich die Reichen und Schönen größtenteils lieber auf ihren Jachten sonnen ließen oder einen Cocktail schlürften. Aber zumindest gab es am Ende einen absolut verdienten Sieger: Jenson Button feierte im sechsten Saisonrennen mit einer dominanten Vorstellung seinen fünften Sieg und bescherte seinem Brawn-Mercedes-Team einen weiteren Doppelsieg.

Damit fiel auch in der Weltmeisterschaft vielleicht schon eine Vorentscheidung, denn Button baute seinen Vorsprung auf Sebastian Vettel auf 28 Punkte aus. Letzterer setzte seinen Red-Bull-Renault kurz nach dem frühen ersten Boxenstopp in der Sainte-Devote-Kurve in die Mauer - und war damit einer der wenigen Piloten, die sich an diesem Wochenende einen entscheidenden Fahrfehler leisteten. Trotzdem bleibt Vettel weiterhin WM-Dritter.

Vorentscheidung am Start

Die Vorentscheidung zugunsten des Brawn-Teams war bereits am Start gefallen, denn Barrichello konnte sich auch ohne KERS und auf der schmutzigeren Fahrbahnseite scheinbar mühelos am Ferrari von Kimi Räikkönen vorbeischieben. Räikkönen und Teamkollege Felipe Massa waren auf harten Reifen gestartet, wohingegen Button und Barrichello ebenso wie Vettel auf weichen Reifen in den Grand Prix zogen.

Das sollte sich dramatisch auswirken, denn der Brawn-Express zog zwar gleich einmal um drei Sekunden davon, aber nach wenigen Runden kippte das Bild, als die Bridgestone-Supersofts zu grainen begannen. Buttons Glück: Barrichello hatte aufgrund seines etwas ruppigeren Fahrstils ärgere Reifenprobleme als der Spitzenreiter, sodass der Abstand sukzessive größer wurde. Dadurch verlor auch Räikkönen an Boden, der eigentlich viel schneller hätte fahren können.

Der an vierter Stelle liegende Vettel brach zu jenem Zeitpunkt um vier Sekunden pro Runde ein. Das verlockte Massa in der Hafenschikane zu einem Überholversuch, der jedoch nicht funktionierte: Massa musste die Schikane schneiden, Vettel wieder durchlassen - und dabei schlüpfte auch der von hinten drückende Nico Rosberg (Williams-Toyota) in einem Zentimetermanöver durch. Vettel zog dann seinen Boxenstopp vor, um die Misere zu beenden.

Enttäuschung bei Vettel groß

Sechs Runden später klebte er schon in der Barriere: "Ich konnte eigentlich nur in den ersten beiden Runden attackieren, dann war es vorbei", klagte er über die weichen Slicks. "Wir haben schließlich den Boxenstopp vorgezogen und sind noch viel früher als geplant hereingekommen. In der ersten Kurve war ich etwas spät auf der Bremse, die Hinterräder haben blockiert und ich konnte das Auto nicht mehr halten. Dann bin ich auch schon in der Mauer gelandet."

Als Barrichello in der 16. Runde an die Box kam, hatte der Brasilianer bereits mehr als zehn Sekunden Rückstand auf Button, der einen Umlauf später sein Service absolvierte und sicher in Führung blieb. Die Ferraris konnten einen etwas längeren ersten Stint fahren, daraus aber keinen Nutzen ziehen. Damit ist die Geschichte der besten Vier auch schon erzählt, denn abgesehen von leicht schwankenden Abständen tat sich im Duell Brawn vs. Ferrari nichts mehr.

Ein Pechvogel des Nachmittags war Rosberg, denn der Deutsche lag dank eines starken Auftakts aus eigener Kraft vor Massa an vierter Position und zwischenzeitlich sogar kurz in Führung, doch ein kleiner Durchhänger nach dem Boxenstopp in Runde 18 warf ihn weit zurück. Massa, Heikki Kovalainen (McLaren-Mercedes) und Mark Webber (Red-Bull-Renault) konnten mit einigen schnellen Runden vor ihrem eigenen Service durch die Strategie an Rosberg vorbeigehen.

Fahrfehler von Kovalainen

Kovalainen flog dann in der 53. Runde mit einem losen Heck am Schwimmbad ab, doch eine Safety-Car-Phase war dank der wie immer in Monte Carlo vorbildlichen Arbeit der Streckenposten nicht notwendig. Somit fuhr Webber mit dann und wann aufblitzender Red-Bull-Pace sicher auf Platz fünf, gefolgt von Rosberg und Fernando Alonso (Renault), der alle mit einem 28 Runden langen ersten Stint überraschte. Der letzte Punkt ging an Sébastien Bourdais.

Der Toro-Rosso-Ferrari-Pilot setzte genau wie einige andere Verlierer des Qualifyings auf eine Einstoppstrategie, die sich für ihn als goldrichtig erwies. Diese Strategie hätte beinahe auch Giancarlo Fisichella zum ersten Force-India-Mercedes-Punkt gespült, aber am Ende fehlten dem tapfer fahrenden Italiener 1,8 Sekunden auf Bourdais. Teamkollege Adrian Sutil konnte keine Akzente setzen und kam als 14. und Letzter ins Ziel.

Als 15. wurde noch Kazuki Nakajima (Williams-Toyota) gewertet, aber der Japaner sah eigentlich die Zielflagge nicht, weil er sich in der vorletzten Runde in Mirabeau verschätzte und in die Mauer krachte - übrigens an der gleichen Stelle wie gestern Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes), der heute nicht über Position zwölf hinauskam. Besonders bitter beim prestigeträchtigsten Grand Prix der Saison: In Runde 37 wurde der Vorjahressieger vom späteren Sieger Button im Kunden-Mercedes überrundet.

Hamilton lässt seine Klasse aufblitzen

Dafür sorgte Hamilton auch für das Überholmanöver des Tages, als er sich vor der Hafenschikane auf der letzten Rille an Jarno Trulli (Toyota) vorbeibremste. Zuvor hatte er beim Rausfahren aus der Box den BMW Sauber F1.09 von Nick Heidfeld am Hinterrad leicht touchiert, was zum Glück ohne Folgen blieb. Doch das BMW Sauber F1 Team spielte nach dem katastrophalen Qualifying im Rennen ebenso wenig eine Rolle wie Toyota.

Insgesamt wurden 15 von 20 gestarteten Fahrern gewertet; Robert Kubica (BMW Sauber F1 Team) schied nach einem äußerst bescheidenen Start mit Bremsproblemen aus, Sébastien Buemi (Toro-Rosso-Ferrari) schob nach Start und Ziel Nelson Piquet (Renault) in die Sainte-Devote-Barriere. Timo Glock (Toyota) fuhr nach Start aus der Boxengasse zwar durch, bekam aber seine Reifen nie richtig auf Temperatur und war daher chancenlos.

Vorne zog indes Button - man könnte sagen: im Stile eines Weltmeisters - einsam seine Runden, ohne sich Konzentrationsschwächen zu leisten. Der Brite wurde zwar beim Beschleunigen im Tunnel einmal bei einem marginalen Drift gefilmt, lief aber nie ernsthaft Gefahr, seinen Sieg zu verlieren. Dahinter hielt Barrichello Räikkönen in Schach, der seinerseits Massa im Griff hatte. Massa schnitt die Schikane am Schwimmbad übrigens einige Male ziemlich hart und wurde dafür auch verwarnt.

Kuriose Szene vor der Siegerehrung

Dass Button noch nicht an die Rolle des Seriensiegers gewöhnt ist, zeigte sich am Ende, als er nicht wie in Monte Carlo üblich bei Start und Ziel stehen blieb, sondern wie auf anderen Strecken auch den Parc Fermé in der Boxengasse suchte - vergeblich. Also joggte der 29-Jährige fit wie ein Turnschuh in voller Montur die Start- und Zielgerade hoch, wo Geschäftsführer Nick Fry und Fürst Albert schon grinsend auf ihn warteten. Teamchef Ross Brawn wurde von den Securitys nicht durchgelassen.

Bei Ferrari konnte man sich über den ersten Podestplatz der Saison freuen: "Das ist noch nicht das, was wir uns letztendlich wünschen, aber es ist ein gutes Ergebnis", sagte Räikkönen. Sieger Button konnte sein Glück indes kaum fassen: "Wahnsinn, dieses Rennen wollte ich immer schon gewinnen! Es war nicht so leicht, wie es von außen aussah, aber wir verdienen diesen Sieg." Vater John verdrückte währenddessen unter seiner coolen Sonnenbrille ein paar Tränchen...

In der Weltmeisterschaft führt Button nun mit 51 Punkten vor Barrichello (35), Vettel (23) und Webber (19,5). Bei den Konstrukteuren hat Brawn bereits 86 Zähler auf dem Konto - und damit mehr als doppelt so viele wie Verfolger Red Bull (42,5). Titelverteidiger Ferrari liegt nun immerhin mal auf Rang vier. Weiter geht es in zwei Wochen mit dem Grand Prix der Türkei in Istanbul, wo wieder ganz andere Anforderungen an die Autos gestellt werden.

Fotoquelle: xpb.cc

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